WM-Verschwörung?

„Spiel war manipuliert, es geht nur um das Geld“

Die Fußball-WM 2026 hat viele Rekorde gebrochen, auch negative. So viele Verschwörungstheorien wie bei diesem Turnier gab es noch nie. Vor allem Argentinien soll extrem bevorzugt worden sein. Beim Finale waren Lionel Messi und Co. dann aber plötzlich Opfer eines Komplotts.

Nach Argentiniens 3:2 gegen Ägypten im Achtelfinale hatte der ägyptische Trainer Hossam Hassan nach umstrittenen Entscheidungen des französischen Schiedsrichters Francois Letexier getobt: „Das Spiel war manipuliert. Wenn die FIFA will, dass Argentinien gewinnt, warum lassen sie dann überhaupt alle anderen Mannschaften am Turnier teilnehmen? Es geht nur ums Geld. Sie wollen, dass Messi im Turnier bleibt. Die Argentinier haben Druck auf den Schiedsrichter ausgeübt.“

Ägyptens Trainer Hossam Hassan tobte nach Entscheidungen des französischen Schiedsrichter ...
Ägyptens Trainer Hossam Hassan tobte nach Entscheidungen des französischen Schiedsrichter Francois Letexier.(Bild: AFP/ROBERTO SCHMIDT)

Wikipedia-Eintrag manipuliert
Im Nachgang zum Spiel tauchte auf Letexiers Wikipedia-Seite, die kurz davor bearbeitet worden war, der Hinweis auf, er sei in einer jüdisch-orthodoxen Familie aufgewachsen. Diese Falschinformation sorgte für Spekulationen und Verschwörungstheorien, wonach entweder Israel das Resultat beeinflusst oder die FIFA für das Weiterkommen Argentiniens gesorgt habe.

Was stimmt: Es gab einige Schiedsrichter-Entscheidungen, bei denen Argentinien bevorzugt wurde. Für Messis Foul im ersten Spiel gegen Algeriens Mandi hätte es Rot geben müssen. Der frühere deutsche Bundesliga-Schiedsrichter Lutz Wagner, der bei der WM Experte der ARD und von Servus TV war, erklärte der „Krone“: „Er spielte nicht den Ball und traf den Gegner mit der offenen Sohle. Auch wenn es keine Absicht war, hätte es hier einen Platzverweis geben müssen.“ Aber weder Schiedsrichter Marciniak noch der Video Assistant Referee sahen es.

Dieses rotwürdige Foul von Messi an Algeriens Mandi übersahen Schiedsrichter Marciniak und der ...
Dieses rotwürdige Foul von Messi an Algeriens Mandi übersahen Schiedsrichter Marciniak und der Video Assistant Referee.(Bild: AP/AP, Twitter.com)

Und auch beim Halten von Argentiniens Mac Allister gegen Ägyptens Fathi hätte es beim Stand von 2:2 Elfmeter für die Afrikaner geben können. Lutz Wagner: „Da hatte Argentinien Glück.“ 

Argentinien-Bonus? „Ganz sicher nicht bewusst“
ORF-Regelexperte Thomas Steiner meinte auf die Frage, ob es einen Argentinien-Bonus gab: „Ganz sicher nicht bewusst.“ Trotzdem erklärte die spanische Journalistin Pilar Rodriguez Losantos vom spanischen Portal „Okidario“ vor dem Finale: „Ich glaube, dass wir nicht gegen Argentinien spielen werden, sondern gegen die gesamte Institution der FIFA, die Messi den WM-Pokal geben will, wie sie es schon vor vier Jahren in Katar getan hat.“ Dieses Video wurde auf Instagram von 700.000 Accounts geliked. Auch vom offiziellen Account des portugiesischen Superstars Cristiano Ronaldo.

KI befeuerte Verbreitung von Falschinfos
Allerdings bezeichnet sich „Okidario“ selbst als „Ort der Nonkormisten“. Dem Online-Portal wurde in der Vergangenheit immer wieder die Verbreitung von Falschinformationen vorgeworfen. Das ist vielen Menschen in den sozialen Netzwerken aber egal. Sie glauben das, was sie sehen und lesen.

Dazu befeuerte auch die künstliche Intelligenz die Verbreitung von Falschinfos und Verschwörungstheorien. Bestes Beispiel war eine Szene vor Argentiniens 2:1 gegen England. Das wurde ein Foul von Lionel Messi gezeigt, dass es nie gegeben hat. Katharina Zwins, die das europäische Faktencheckteam der Nachrichtenagentur AFP leitet, sagt: „Was man schon sagen muss, ist, dass die Qualität und Menge an KI-generierten Inhalten ganz klar beispiellos ist. Es ist kaum noch möglich, echte von manipulierten Inhalten zu unterscheiden.“

Wilde Verschwörungstheorie nach Finale
Und nach dem Finale gab es dann in Netz plötzlich Verschwörungstheorien, dass Argentinien aufgefordert worden sein soll, das Spiel gegen Spanien zu verlieren. Da wurde ein Komplott konstruiert. Grund sei wahrscheinlich der politische Jubel mit einem Banner zu den Falkand-Inseln nach dem Semifinale gegen England gewesen. Als Basis für die wilden Spekulationen diente ein Video (siehe oben), als Lionel Messi vor der Kabine mit seinen Mitspielern sprach und sie bat, alles zu vergessen. Einige Spieler hätten rote Augen gehabt, als ob sie davor geweint hätten. Und dass es ein Drehbuch gegeben hätte. So sei auch zu erklären, dass Argentinien in der regulären Spielzeit kein Mal auf das Tor Spaniens geschossen hätte. Und so weiter und so fort.

Manchmal ist die einfachste Erklärung die richtige: Spanien war an diesem Abend schlicht die bessere Mannschaft, während Argentinien ausgerechnet im wichtigsten Spiel eine seiner schwächsten Leistungen zeigte.

Gianni Infantino und Donald Trump sorgten für den größtmöglichen Tabubruch bei dieser WM.
Gianni Infantino und Donald Trump sorgten für den größtmöglichen Tabubruch bei dieser WM.(Bild: AP/Evan Vucci)

Der größtmögliche Tabubruch
Den größten Grund, warum die Verschwörungstheorien in der K.o.-Phase so explodiert sind, lieferten FIFA-Präsident Gianni Infantino und US-Präsident Donald Trump. Die Entscheidung des Fußball-Weltverbands, die Rot-Sperre von US-Stürmer Folarin Balogun vor dem Achtelfinale gegen Belgien nach einem Anruf von Trump auszusetzten, war der größtmögliche Tabubruch. Das zeigte, dass die FIFA sich den Bruch der sportlichen Gesetze im Zweifel sogar von außen aufzwingen lässt. Ab diesem Zeitpunkt eskalierte alles, stand jede Entscheidung sofort unter Generalverdacht.

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