Österreichs Bevölkerung zeigt sich einer EU-Norderweiterung gegenüber deutlich aufgeschlossener als bei bisherigen Beitrittskandidaten im Osten und auf dem Balkan. Laut einer aktuellen Umfrage der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik (ÖGfE) würden 62 Prozent der Österreicher einen EU-Beitritt Norwegens begrüßen, 57 Prozent jenen Islands und 49 Prozent jenen Grönlands. Im Gegensatz dazu stoßen Länder wie die Ukraine, Moldau oder Westbalkanstaaten auf geringe Zustimmung.
Die von market-Institut im Auftrag der ÖGfE vom 23. bis 24. März 2026 durchgeführte Online-Befragung unter 1.000 Personen im Alter von 16 bis 80 Jahren zeigt:
Im Gegensatz dazu wird ein EU-Beitritt bisheriger Kandidatenländer überwiegend abgelehnt: Bosnien-Herzegowina (25 %), Montenegro, Nordmazedonien und Ukraine (je 20 %), Albanien (17 %), Moldau (16 %), Serbien und Kosovo (je 15 %), Georgien (14 %) und Türkei (6 %).
Island stimmt ab
Island plant am 29. August ein Referendum über die Wiederaufnahme der 2013 gestoppten EU-Beitrittsgespräche. Bereits Anfang März hatte die isländische Regierung ein Verteidigungsabkommen mit der EU unterzeichnet. Island ist wie Norwegen und Liechtenstein Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR).
Auch Norwegen denkt nach
In Norwegen gibt es ebenfalls wieder eine Debatte über die EU-Mitgliedschaft: Die konservative Oppositionsführerin Ine Eriksen Søreide sprach sich für eine neue Diskussion aus. Norwegen hatte sich in Volksabstimmungen 1972 und 1994 gegen einen Beitritt zur EG bzw. EU entschieden.
Grönland unter geopolitischem Druck
Grönland ist ein autonomer Bestandteil Dänemarks, gehört aber derzeit nicht zur EU. „Als Folge geopolitischer Begehrlichkeiten aus Washington könnte eine Rückkehr in Betracht gezogen werden“, kommentierte ÖGfE-Generalsekretär Paul Schmidt. US-Präsident Donald Trump hatte in der Vergangenheit Besitzansprüche auf Grönland erhoben, die Anfang 2026 nach einem Treffen mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte zurückgenommen wurden.
Österreicher sehen Chancen
„Die positive Stimmung gegenüber einer EU-Beitrittsrunde im Norden Europas ist wenig überraschend. Es wären bevölkerungsmäßig kleine und wohlhabende Länder, deren Beitritt sich vergleichsweise rasch umsetzen ließe“, erklärte Schmidt. Ein Zuwachs aus dem Norden könne sich positiv auf die politische, wirtschaftliche und strategische Position der EU auswirken und dem Aufnahmeprozess anderer Länder neuen Schwung verleihen.
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