„Politische Demophobie“ sei der geistige Zustand, an dem Europas Regierungen leiden. So lautet die brandneue Diagnose der küchenpsychologischen Abteilung des Hamburger Elitenblatts „Die Zeit“. Gemeint ist damit eine angeblich übersteigerte Angst der Politiker vor dem Volk. Dieser Idee hängen Intellektuelle in Deutschland und in Österreich seit Längerem an.
Die Schlauköpfe, denen solche Analysen einfallen, wissen natürlich, wer die Übeltäter sind: Die Dummerchen da unten, diese bornierten Ichlinge, die nur an ein besseres Leben denken – und natürlich keinesfalls die bedauernswerten Regierenden da oben.
Man muss dem hanseatischen Nobelblatt „Die Zeit“ direkt dankbar sein, dass sie die aus ihrer Sicht Schuldigen in kaltblütiger Klarheit beim Namen nennen: „Wenn ein Volk dauerhaft unzufrieden ist mit jeder Regierung oder gar viele Völker eines Kontinents dauerhaft mit allen ihren Regierungen, dann stimmt möglicherweise auch etwas nicht mit: dem Volk.“
Das heißt etwas grob gerechnet, dass – nimmt man die österreichische Koalition als Maßstab – rund 560 einsame Regierungsgenies in Europa 450 Millionen Volltöpeln von EU-Bürgern gegenüberstehen.
Solche Nachrichten werden in den besseren Kreisen runtergehen wie Honigseim. Und man wird alle mit Verachtung strafen, die diese großkotzige These von der Volksschuld jener, die es nicht so gut getroffen haben im Leben, mit Verachtung strafen. Das geht für niemanden gut aus.
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