Neue Studie enthüllt:

Anstieg des Meeresspiegels „massiv unterschätzt“

Wissen
04.03.2026 18:59

Weltweit könnten Küstenstädte und Inseln bald stärker von Überschwemmungen bedroht sein als angenommen. Neue Forschungsergebnisse zeigen: Der Meeresspiegel ist deutlich höher als viele Studien bisher vermuteten – mit dramatischen Folgen für Millionen Menschen.

Laut einer Analyse von 385 wissenschaftlichen Arbeiten, die zwischen 2009 und 2025 veröffentlicht wurden, unterschätzten die Forscher die tatsächlichen Küstenhöhen im Vergleich zum Meeresspiegel systematisch. Im globalen Durchschnitt lagen die Wasserstände demnach etwa 30 Zentimeter höher – in Teilen Südostasiens und des Indopazifik sogar zwischen 1 und 1,5 Metern über den bisherigen Annahmen.

Millionen Menschen stärker bedroht
Diese Diskrepanz hat Folgen: Schon ein Anstieg des Meeresspiegels um einen Meter könnte weltweit bis zu 132 Millionen Menschen betreffen – deutlich mehr als bisher angenommen. Besonders gefährdet sind flache, dicht besiedelte Küstenregionen, etwa große Flussdeltas in Asien.

Die Ursache der Fehleinschätzung
Die Studie, veröffentlicht in „Nature“, zeigt, dass der Fehler vor allem durch fehlerhafte Berechnungen mit sogenannten Geoid-Modellen entstand. Diese digitalen Modelle schätzen den Meeresspiegel auf Basis der Erdanziehungskraft und Rotation – berücksichtigen aber nicht lokale Einflüsse wie Strömungen, Winde oder Salzgehalt des Wassers.

Philip Minderhoud von der niederländischen Wageningen University erklärte: „In Wirklichkeit wird der Meeresspiegel von vielen Faktoren beeinflusst, die in den Modellen nicht enthalten sind.“

Seine Kollegin, die Geografin Katharina Seeger, ergänzt, dass über 90 Prozent der untersuchten Studien keine direkten Messungen vor Ort nutzten, sondern auf diese globalen Annahmen vertrauten. Das habe dazu geführt, dass die Gefahren für Küstenregionen massiv unterschätzt wurden.

Frühwarnung für Planer und Politiker
Auch der Potsdamer Klimaforscher Anders Levermann warnte im „Guardian“: „Diese Schätzungen zeigen jetzt, dass wir in vielen Regionen schon weiter in der Zukunft sind, als wir bisher dachten.“

Die Wissenschaftler fordern daher eine Neubewertung bestehender Studien und die Integration aktueller Messdaten in die Planung. Ohne diese Korrekturen könnten Schutzmaßnahmen für Küstenstädte verspätet umgesetzt werden – mit potenziell verheerenden Folgen.

Loading...
00:00 / 00:00
Abspielen
Schließen
Aufklappen
kein Artikelbild
Loading...
Vorige 10 Sekunden
Zum Vorigen Wechseln
Abspielen
Zum Nächsten Wechseln
Nächste 10 Sekunden
00:00
00:00
1.0x Geschwindigkeit
Loading
Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Hinweis in eigener Sache: Das krone.at-Forum präsentiert sich ab sofort in neuem Design! Wir freuen uns über konstruktives Feedback. Damit die Diskussionen in den Kommentarbereichen beim jeweiligen Thema bleiben, können Sie uns Rückmeldungen hier hinterlassen.

krone.tv

Top 3
Top Gutscheine
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung