21.05.2014 06:32 |

"Vulgärer Clip"

Sechs Iraner wegen "Happy"-Videos festgenommen

Weil sie ihre eigene Version von Pharell Williams' Hit-Video "Happy" ins Internet gestellt hatten, sind sechs junge Iraner festgenommen worden. Der Clip zeigt drei Männer und drei unverschleierte Frauen, wie sie zu dem Song tanzen, singen und Spaß haben.

Nach der Veröffentlichung des "vulgären Clips im Cyberspace", der gegen die "öffentliche Sittsamkeit" verstoße, seien alle Beteiligten ermittelt und festgenommen worden, meldete die Nachrichtenagentur ISNA am Dienstag unter Berufung auf die Teheraner Polizei. Die sechs Festgenommenen hätten ihre "kriminellen Taten" gestanden.

Songwriter "traurig, dass diese Kids verhaftet wurden"
Der Clip wurde über 160.000 Mal angeklickt, bevor die iranischen Zensoren auf ihn aufmerksam wurden. Der Gute-Laune-Song von Pharrell Williams inspirierte bereits Tausende Menschen zu eigenen Versionen, die sie auf YouTube hochluden. Der Musiker selbst übte auf Twitter Kritik an den iranischen Behörden. "Es ist mehr als traurig, dass diese Kids verhaftet wurden, nur weil sie ein wenig Spaß zu verbreiten versucht haben", so Williams.

Gemäß dem seit 1979 im Iran geltenden islamischen Recht müssen Frauen sich in der Öffentlichkeit von Kopf bis Fuß verschleiern. Eine eigens gebildete "Moralpolizei" wacht über die Einhaltung der Vorschriften. Das Internet wird im Iran massiv überwacht. Internationale Beobachter üben regelmäßig Kritik an der Menschenrechtslage im Iran.

Rohani fordert mehr Internetfreiheit
Irans Präsident Hassan Rohani hatte erst kürzlich mehr Internetfreiheit in seinem Land gefordert. "Wir sollten das Internet nicht als Gefahr sehen, sondern als nützliches neues Kommunikationsmittel", forderte er nach Angaben der Nachrichtenagentur ISNA vom Klerus weniger Engstirnigkeit in dieser Frage.

"Das Internet gibt es schon seit Jahrzehnten, und kein Iraner hat seither seine Identität verloren." Es habe auch Zeiten gegeben, da hätten die gleichen Kritiker ernsthaft geglaubt, dass Jugendliche sofort vom Glauben abfielen, wenn ein Videorekorder auch nur ans Fernsehgerät angeschlossen würde.

Rohani, der als moderat gilt, setzt sich mit seiner Regierung für eine Aufhebung der Internetzensur ein. Aus seiner Sicht sollten alle Iraner freien Zugang zu sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter haben. Das islamische Establishment wertet diese Netzwerke jedoch als Spionageapparate der USA und bezichtigt Mitglieder der Sünde.

Erst Anfang Mai hatte es wegen eines Verbots des Kurznachrichtendienstes WhatsApp Streit zwischen der Regierung und der Zensurbehörde gegeben.

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