Es geht ja doch

“DragonBox”: So unterhaltsam kann Mathematik sein

Digital
09.05.2014 10:12
Es gibt Dinge, die hätte ich bis vor wenigen Tagen noch für unmöglich gehalten. Beispielsweise, dass ich Sonntagfrüh auf der Couch liege und mathematische Gleichungen mit mehreren unbekannten Variablen löse – nicht, weil ich es muss, sondern weil es mir Spaß bereitet. Dabei war ich eigentlich Zeit meiner aktiven Schulzeit davon überzeugt, dass sich Spaß und Mathematik prinzipiell ausschließen, also: Mathematik ≠ Spaß. Dass es aber auch anders geht, beweist eine kleine App namens "DragonBox" aus dem norwegischen Oslo.

Spätestens seit der sechsten Klasse standen die Mathematik und ich auf Kriegsfuß. Fortan kämpfte ich mich nahezu Jahr für Jahr mit Ach und Krach durch Nachprüfungen und erfreute mich in meiner Freizeit teurer Nachhilfestunden. Sehr zum Leidwesen meiner Eltern übrigens, die diese, ohne dass ich davon sonderlich profitiert hätte, finanzieren durften. Hätte es damals schon "DragonBox" gegeben, wer weiß, was ihnen und mir erspart geblieben wäre.

Denn für zusammen – je nach Plattform – um die 15 Euro versprechen die beiden bislang erhältlichen Teile "DragonBox Algebra 5+" und "DragonBox Algebra 12+" nicht weniger, als Schüler (und alle anderen Interessierten) in die hohe Kunst der Algebra einzuweihen. Und zwar "heimlich", wie die norwegischen Entwickler von WeWantToKnow auf ihrer Website schreiben. 

Inhalte spielerisch vermitteln
Die Idee zu "DragonBox" hatte der einstige Mathematiklehrer und spätere Studiogründer Jean-Baptiste Huynh: Während seiner Zeit als Lehrer erkannte er, dass viele Schüler, obwohl klug, Schwierigkeiten mit Algebra hatten. Huynh gelangte zu dem Schluss – und diese Auffassung dürften viele geplagte Schüler mit ihm teilen –, dass nicht die Kinder das Problem waren, sondern die Art und Weise, wie das Fach gelehrt wurde. Aus diesem Grund entschied er sich, seine eigene Softwarefirma zu gründen, und entwickelte "DragonBox".

Das Grundprinzip dieses Vertreters der sogenannten Serious Games ist einfach: Die namensgebende Box muss auf dem zweigeteilten Spielbildschirm von lustigen Fabelwesen und anderen Symbolen derart isoliert werden, dass sie am Ende alleine auf einer der beiden Spielhälften steht. Was sich dem mathematisch Unbedarften allerdings erst nach und nach erschließt: Bei der Box handelt es sich um die Variable "x".

x ist gleich Käfer minus Drache
Dass man anfangs noch sehr einfache, später komplexere Gleichungen mit Doppelklammern, Brüchen und dergleichen mehr löst, merkt man als Spieler zunächst nicht. Der ganze Lernprozess findet eben "heimlich" und ohne dafür viele Worte zu verlieren statt: Aus den bekannten Tiersymbolen werden allmählich Zahlen und andere Variablen, aus Eisblöcken doppelte und aus Seifenblasen einfache Klammern, die es ganz spielerisch etwa durch die Multiplikation von Brüchen aufzulösen gilt, bis sich nach so wenigen Zügen wie möglich hoffentlich des Rätsels Lösung offenbart, nämlich wofür das "x" denn nun steht.

Sollte man einmal dennoch nicht weiterwissen, hilft zumindest in dem für ältere Schüler konzipierten zweiten Teil des Spiels eine integrierte Hilfefunktion weiter, indem sie Schritt für Schritt die Lösung aufzeigt. Bemerkenswert für einen mathematischen Spätzünder wie mich war, dabei zu beobachten, wie das vor langer Zeit einmal erlernte Wissen nicht nur zurückkam, sondern plötzlich auch einen Sinn machte. 

Naja, zumindest fast: Wofür ich im Alltag Gleichungen mit mehreren Variablen lösen können muss, konnte mir auch "DragonBox" bislang nicht vermitteln. Aber immerhin hat es mir nach all den Jahren traumatischer Unterrichtserfahrungen die Angst und den Schrecken vor der Thematik genommen.

Spaßiger und günstiger als eine Nachhilfestunde
Allen von Gleichungen geplagten Schülern sei "Dragon Box" daher wärmstens empfohlen. Den Versuch, sich das im Unterricht nicht oder nur kaum vermittelte Wissen spielerisch mittels App anzueignen, ist es jedenfalls wert – deutlich spaßiger und günstiger als eine Nachhilfestunde ist "DragonBox" allemal. Und wer weiß: Mit etwas Glück gelingt es der für PC/Mac, Android und iOS erhältlichen Anwendung ja nicht nur, Wissenslücken zu stopfen und bis dato unlösbar Geglaubtes zu lösen, sondern auch die eine oder andere Leidenschaft für die Mathematik zu wecken. Ganz so weit ist es bei mir zwar noch nicht, aber mit "DragonBox Elements" haben die Entwickler bereits das nächste Lernspiel angekündigt. Schwerpunkt diesmal: Geometrie.

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