25.04.2014 11:23 |

Die neue Große

Vespa GTS: Jetzt ist sie wirklich ein Topmodell

Wenn ein Mann in Lederkluft und weißem Helm mitten auf der Straße die Hand hebt, um mich aufzuhalten, und es kein Polizist ist, dann nehme ich das als Zeichen dafür, dass hier in der Toskana dieser Tage einiges besser ist als gedacht. Hohe Erwartungen also an die Testfahrten mit der neuesten Version der stärksten Serien-Vespa, der GTS 300 ie.

Die Vespa an und für sich ist ein Klassiker, der seit 1946 das Roller-Bild von Generationen geprägt hat. Einzigartig das Design, ebenso das nach wie vor komplett aus Stahl gebaute, selbsttragende Chassis. Das Ikoneske haben sie bei Piaggio sanft überarbeitet, zu erkennen etwa an der geänderten "Krawatte" auf dem Beinschild, den Klarglasblinkern mit LED-Tagfahrlicht oder dem größeren Helmfach, in das man jetzt immerhin zwei Jethelme "hineinfalten" kann.

Die wirklich wesentlichen Neuerungen betreffen aber das Fahren und Bremsen. So hat die GTS nun die neue ESS-Vorderradaufhängung (weiterhin mit der patentierten Einarmschwinge), die schon die Primavera so ausgezeichnet führt. Optional sind jetzt endlich auch ABS und Traktionskontrolle erhältlich.

Und wie fährt sich das jetzt?
Wenn man ein Kind an den Armen fasst und es als "Karussell" herumschleudert, wird es "nochmal!" schreien, bis man erschöpft zu Boden sinkt. So ähnlich geht es mir, als mich ein ortskundiger Guide auf die Kurvenstrecke zwischen Barberino di Mugello und Montecarelli führt, auf der früher – vor dem Bau der Rennstrecke von Mugello – Rennen gefahren wurden. "Ancora un giro?" "Siiii!" Eine Kurve nach der anderen, teils unebener, aufgebrochener, welliger Fahrbahnbelag. Eigentlich nichts, wo man zwingend einen Roller mit 12-Zoll-Rädern drüberscheuchen würde, jedoch gerade recht für die Vespa. Natürlich beherrscht die 160-kg-Wespe das wendige Stauschlängeln in Perfektion, doch hier, bei ambitionierter Fahrweise, offenbart sie, wie vertrauenswürdig sie jetzt Komfort und Stabilität verbindet, und erfüllt die eingangs erwähnten Erwartungen.

Das Vorderrad lässt sich auch durch derbe Schläge nicht aus der Ruhe bringen und bleibt brav am Boden. Das liegt daran, dass es dank verringerter Gleitreibung in der Aufhängung nun schneller wieder ausfedert. Es braucht viel Tempo, Schräglage und Unebenheit, um die Italienerin etwas ins Schlingern zu bringen. Ein Sportbike ist sie nach wie vor aber nicht, was bei 21,5 PS und Variomatik auch etwas vermessen wäre.

Die Bremsen dürften gerne etwas heftiger beißen, das ABS regelt jedoch gut. Ebenso das die (abschaltbare) ASR, deren Eingriff ich immer wieder sanft spüre, wenn ich am Kurvenausgang das Gas aufreiße. Häufiger spüre ich das Krrrchtsch links vom Seiten- oder rechts vom Hauptständer, wenn ich mich allzu begeistert in die Schräge lege oder mich dabei eine Bodenwelle zu Boden drückt.

Brandneue Multimedia-Plattform
Wie weit ich mich tatsächlich in Schräglage gewagt habe, kann ich später ablesen. Denn optional lässt sich die Vespa GTS mit dem iPhone 5 bzw. einer App verbinden, die das aufzeichnet und mich auch z.B. vor Reifendruckproblemen warnt. Außerdem speichert sie immer den letzten Ort, an dem der Roller abgestellt wurde, in einer Navi-Ansicht und führt mich zur nächsten Tankstelle, wenn der Sprit zur Neige geht. Sie nutzt sowohl die Fahrzeug- als auch die iPhone-Sensoren.

Die spezielle Klarsichthüllenhalterung für das iPhone hat allerdings den Nachteil, dass ich während der Fahrt praktisch nichts ablesen kann. Schade ist auch, dass Bordcomputerfunktionen nicht direkt am Vespa-Display, sondern nur über das iPhone erreichbar sind.

Vier Versionen der Vespa GTS
Neben der GTS bietet Piaggio auch die GTS Super an, die sich z.B. durch Lüftungsschlitze am rechten Kotflügel unterscheidet. Der Einzylinder-Viertakt-Motor holt bei der 300er aus 278 cm³ 21,5 PS und 22,3 Nm (bei 5.000/min.), bei der 125er aus 124 cm³ 15 PS und 12 Nm (7.500/min.).

Ab 5.799 Euro ist die Vespa GTS 300ie zu haben, das ist der Preis für die "Super" ohne ABS und ASR. Mit ABS und ASR kosten GTS und GTS Super gleichermaßen 6.299 Euro, die klassische GTS ist allerdings nicht ohne erhältlich.

Der Mann mit dem weißen Helm war übrigens der Guide, der mich nach dem Fotopunkt zur nächsten Fotoserie zurückgeschickt hat – und später auf die oben beschriebene Spaßstrecke geführt hat. So stelle ich mir einen Freund und Helfer vor. Und ein neues Vespa-Topmodell.

Warum?

  • Im Rahmen der Möglichkeiten hervorragendes Fahrwerk
  • Nicht einfach ein Roller, sondern eine Vespa

Warum nicht?

  • 21,5 PS sind nicht die Welt für einen 300er-Roller

Oder vielleicht …

… zur Primavera greifen, wenn 125 cm³ reichen. Sie hat das kleinere Chassis, aber trotzdem mehr Platz unterm Sitz

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