Erst in der vergangenen Woche hatte die einst größte Handelsplattform MtGox einen Insolvenzantrag gestellt. Auch hier ist es möglicherweise zu einem Diebstahl gekommen. Der Fall spielt allerdings in einer anderen Liga: Der Bitcoin-Börse sind nach eigenen Angaben 750.000 Bitcoins von Kunden und 100.000 eigene abhandengekommen. Der Gesamtwert der verschwundenen "Münzen" beläuft sich auf rund 350 Millionen Euro.
Bei Flexcoin aus Kanada wurden nach eigenen Angaben 896 Bitcoins entwendet. Es gebe keine ausreichenden Mittel, um die Verluste aufzufangen, erklärte der Betreiber auf seiner Website. "Deswegen schließen wir unsere Pforten mit sofortiger Wirkung." Noch vorhandene Bitcoins will Flexcoin den Besitzern zurückgegeben. Außerdem werde die Firma "versuchen, mit den Justizbehörden zusammenzuarbeiten, um den Ursprung dieser Hackerattacke zu finden".
Der Zugriff auf das virtuelle Geld erfolgte nach eigenen Angaben über eine Sicherheitslücke, die es den Angreifern ermöglichte, das virtuelle Geld von Nutzerkonten auf mehrere Bitcoin-Adressen zu transferieren. Flexcoin nennt in diesem Zusammenhang mehrere IP-Adressen auf seiner Website, über die die Angriffe erfolgt sein sollen.
Man habe alles unternommen, die eigenen Server bestmöglich abzusichern, schreibt Flexcoin. "In den drei Jahren unseres Bestehens haben wir erfolgreich Tausende Attacken abgewehrt. Aber am Ende war das einfach nicht genug. Wir haben vor unseren Kunden, unserem Geschäft und der Bitcoin-Gemeinde versagt."
Japanische Regierung plant Regulierung
In Japan plant man daher nun offenbar, die Internetwährung zu regulieren. Laut einem Bericht der japanischen Wirtschaftszeitung "Nikkei" soll der Bitcoin Regierungsplänen zufolge als Handelsware definiert werden. Transaktionen mit der Währung würden somit besteuert. Außerdem sollen der Zeitung zufolge für Banken und andere Finanzdienstleister Beschränkungen für den Umgang mit Bitcoins erlassen werden.
Traum von einer unabhängigen Währung
Die digitale Währung war 2009 als Antwort auf die Finanzkrise erfunden worden. Geschaffen hat sie ein unbekannter Programmierer, der eine von Staaten, Zentralbanken und anderen Finanzinstituten unabhängige Währung wollte. Das virtuelle Geld wird durch komplexe Verfahren berechnet. Der Wechselkurs zu echten Währungen schwankt stark. Aufsichtsbehörden weltweit warnten in den vergangenen Monaten daher verstärkt vor den Risiken. In mehreren Staaten, darunter Russland und China, wurde der Handel mit Bitcoins gesetzlich stark eingeschränkt.
Dabei ist die Nachfrage stärker als vermutet. Beim großen US-Onlinehändler Overstock.com können Kunden seit knapp zwei Monaten mit der digitalen Währung zahlen. Seitdem haben 4.300 Kunden mit Bitcoins Waren im Wert von einer Million Dollar gekauft. "Wir hatten nicht erwartet, diese Marke so früh zu knacken", erklärte Firmenchef Patrick Byrne am Dienstag.
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