Nach Bombardement

Libanon: Österreichs UN- Soldaten bangen um Brücke

Österreich
17.04.2026 10:57

Nach der israelischen Militäroffensive im Süden des Libanons hat sich die Situation für die rund 170 dort stationierten österreichischen Blauhelme verschlechtert: Die wichtige Landverbindung Richtung Norden nach Beirut, über den auch Versorgungs- und Heimatflüge stattfinden, ist durch die israelischen Bombenangriffe auf Brücken gestört. 

Systematisch haben die israelischen Streitkräfte in den vergangenen Wochen versucht, den Hisbollah-nahen Südlibanon vom gemäßigten Norden des Landes, in dem auch die Hauptstadt Beirut liegt, zu trennen. Zahlreiche Brücken über den Fluss Litani, der das Land in zwei Hälften teilt (siehe Grafik unten), wurden bombardiert. Anfang der Woche soll laut Nachrichtenagentur Reuters die letzte Brücke bombardiert worden sein, bevor eine zehntägige Waffenruhe in Kraft trat. 

Die Karte zeigt die UNIFIL-Standorte im Libanon und die UNO-Schutzzone entlang der Grenze zu Israel. Es sind zahlreiche UNIFIL-Standorte markiert, darunter das Hauptquartier in Naqoura und das österreichische UN-Kontingent. Ein UN-Soldat wurde bei einer Explosion getötet. Quelle: UNIFIL.

Für die rund 170 österreichischen Blauhelme, die im Süden an der israelischen Grenze ihren Dienst versehen, verschärft sich damit die Situation. Vom wichtigen Norden sind sie allerdings noch nicht abgeschnitten, sagt Brigadier Herbert Sailer, zuständig für die operative Einsatzführung. „Laut unseren Informationen ist der Bereich der Brücke behelfsmäßig befahrbar, es gibt damit noch einen eingeschränkten Landweg nach Beirut“, so Sailer am Freitag zur „Krone“. Ende des Monats sei ein neuer Versorgungsflug geplant. „Wir beobachten die Situation natürlich laufend. Im Camp selbst sind Vorräte angelegt, die im Ernstfall mehrere Wochen ausreichen.“

Soldaten des UNIFIL-Kontingents üben beim letzten „Krone“-Besuch im Oktober im Süden des ...
Soldaten des UNIFIL-Kontingents üben beim letzten „Krone“-Besuch im Oktober im Süden des Libanons den Ernstfall.(Bild: HBF/Carina Karlovits)
Eine UNIFIL-PAtroullie im Süden des Libanon
Eine UNIFIL-PAtroullie im Süden des Libanon(Bild: AFP/Rabih Daher)

Sollte die Verbindung in den wichtigen Norden von Israel dennoch komplett zerstört werden, gehen die Planer davon aus, dass sie von den Konfliktparteien recht rasch wieder hergestellt werden. „Alleine schon wegen der zivilen Bewegungen im Land. Wir sehen jetzt schon, dass Geflüchtete wieder in den Süden zurückkehren“, so Sailer. Ist der Weg nach Beirut nachhaltig blockiert, gebe es immer noch die Möglichkeit, die Österreicher per Hubschrauber auszufliegen.   

UNO-Soldaten überwachen „Waffenstillstand“
Die im Libanon stationierten UNO-Soldaten sollten den einstigen Waffenstillstand zwischen Israel und dem Libanon überwachen. Und das in einem Gebiet, das im Zentrum der Zusammenstöße zwischen israelischen Truppen und von Iran unterstützten Hisbollah-Kämpfern steht.

Der UNIFIL-Truppe gehören auch rund 170 Soldaten und eine Soldatin des österreichischen Bundesheeres an. Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) hatte die Lage im Libanon unlängst im Hauptausschuss des Nationalrates als „sehr besorgniserregend“ bezeichnet. „Für unsere Soldaten, die sich dort befinden, ist das alles andere als unkritisch“, sagte Stocker.

Ministerin Klaudia Tanner bei ihrem letzten Besuch im Libanon
Ministerin Klaudia Tanner bei ihrem letzten Besuch im Libanon(Bild: HBF/Carina Karlovits)
(Bild: HBF/Carina Karlovits)
(Bild: HBF/Carina Karlovits)
(Bild: HBF/Carina Karlovits)
(Bild: HBF/Carina Karlovits)

„Sind verlässliche UNO-Partner“
Der Einsatz im Libanon ist neben Bosnien und dem Kosovo eine der letzten drei großen UNO-Missionen mit österreichischer Beteiligung. Unter der Hand sprechen die hier stationierten Soldaten von „einer dieser typischen, fehlgeschlagenen UN-Missionen“. Die Entwaffnung der Hisbollah ist misslungen, der Waffenstillstand wird fast täglich gebrochen. Das zahnlose Mandat läuft Ende 2026 aus. „Gerade jetzt können wir zeigen, dass wir ein verlässlicher, internationaler Partner sind“, gab sich Klaudia Tanner zuletzt im Gespräch mit der „Krone“ dennoch zuversichtlich.

Hisbollah griff aus Solidarität mit dem Iran Israel an
Der Libanon wurde in den Krieg im Nahen Osten hineingezogen, als die Hisbollah am 2. März aus Solidarität mit Teheran Raketen auf Israel abfeuerte, zwei Tage nachdem der Iran von Israel und den Vereinigten Staaten angegriffen worden war. Der Angriff der Hisbollah löste eine neue israelische Offensive gegen die Gruppe aus. Ein neues österreichisches UN-Kontingent soll in zwei Monaten in den Südlibanon entsendet werden.  

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