"Fiese Flunkerei"

Die 10 größten Technik-Lügen

Elektronik
01.11.2005 16:37
Große Versprechen, tolle Vorteile und Bahn brechende Eigenschaften. Und immer ist ein Sternchen daneben, ein bisschen Kleingedrucktes, ein kurzer Untertitel, und das tolle Modell ist dann doch nur wenig besser als der Durchschnitt. Hier findest du die 10 größten Technik-Flunkereien, die sich schon seit Jahren hartnäckig halten und dich mit Zahlenakrobatik und vagen Versprechen locken wollen...

1.) Mehr Watt – mehr Power
Da dreht sich James Watt im Grabe um! Mini-Stereoanlagen mit 1.000 Watt Musikpower und Aktivboxen mit 500 Watt? Alles Flunkerei! Die Leistung der Verstärker in HiFi-Anlagen beschreibt man in Prospekten mit der falschen Messlatte: Die groß angepriesene „Musikleistung“ bietet hohe Zahlen und sieht in der Werbung ganz besonders toll aus. Die Musikleistung eines Verstärkers bezeichnet aber nur eine mögliche Spitzenleistung die errechnet bzw. erhofft wird. 99,9% aller Verstärker gehen aber schon meilenweit vor dieser Leistung k.o. Das wirkliche Leistungsmaß nennt sich „Ausgangsleistung“. Eine Stereoanlage mit angepriesenen 500 Watt liefert als Ausgangleistung häufig nur 30 oder 50 Watt, und mit solchen Zahlen würde kein Blödmann-Markt werben, obwohl sie im Endeffekt keinen Unterschied machen...

2.) Mehr Megapixel - bessere Bilder
Hier sind wir bei der dreistesten Lüge, die der Markt zu bieten hat. Megapixel bezeichnen die Anzahl von Bildpunkten auf dem Bildsensor einer Digitalkamera. Vor drei Jahren waren z.B. 3,2 Megapixel das Nonplusultra. Jetzt gibt’s schon Minikameras mit der doppelten Anzahl. Was dabei aber ausgelassen wurde, ist der Bezug zur Größe des Bildsensors. Auf einem kleinen Sensor kriegt man 3 Millionen Pixel unter, kann aber auch 7 Millionen Pixel draufpacken. Die Qualität der Bilder wird dadurch aber nicht besser. Die Fotos werden allerhöchstens im Format größer.

Hier ein Vergleich: Man stelle sich einen Sandkasten vor, in dem körniger Sand liegt. Die spielenden Kinder wollen mehr Qualität beim Spielen. Man kann nun einen neuen, größeren Sandkasten bauen und ihn wieder mit dem körnigen Sand füllen. Man kann aber auch den alten Sand aus dem alten Kasten herausschaufeln und einen staubähnlichen feineren Sand einstreuen. Mehr Sandkörner wären dann da, aber keineswegs mehr Platz zum spielen! Genauso ist es mit Digicams: Mehr Megapixel erzeugen nur bessere Bilder, wenn auch der Bildsensor mit wächst! So kommt es auch, dass eine gute 4-Megapixel-Kamera mit großem Sensor bessere Bilder liefert, als eine mit 6-Megapixel und kleinem Sensor.

3.) Dieser Drucker schafft 20 Seiten pro Minute*
Schon einmal genauer gelesen? Hier liegt ein eindeutiger Fall von falscher Darstellung vor: Die genaueren Produktbezeichnungen verlauten oftmals ein paar kleine, aber bedeutsame Zusätze wie „dieser Drucker schafft 20 Seiten pro Minute auf A4 bei 10% benutzter Papierfläche“. Heißt im Klartext: Wer zehn Sätze pro Seite schreibt, kann problemlos zwanzig Seiten drucken – bei einer voll geschrieben Seite sind die Zeitrekorde aber schneller Geschichte, als man eine Bedienungsanleitung wegwerfen kann. Wer Schnelligkeit kaufen will, sollte auf den kleinen Prozentanteil achten, den man aber oft nur im Packungsinneren findet.

4.) DVD+R ist besser als DVD-R
Es gibt kein besser oder schlechter! Es handelt sich hier einfach um zwei unterschiedliche Formate, deren Unterschiede im Normalfall gar nicht auffallen. Für den Privatanwender kommt es eigentlich nur auf Kompatibilität an, und die ist faktisch bei beiden Formaten zu beinahe 100% vorhanden. Die Rohlinge kosten auch das Gleiche. Der einzige nennenswerte Unterschied ist, dass auf einem DVD-R Rohling 6,6 Megabyte mehr Platz haben – bei einem gesamten Speichervermögen von 4,9 GB ist dieser Unterschied aber auch wieder relativ...

5.) Defragmentieren bringt nix?
An diesem Vorurteil sind wir diesmal selber schuld: Seine Festplatte von Datenresten zu befreien und ähnliche Elemente nebeneinander zu gruppieren macht den Rechner schneller. Unter Usern wurde aber häufig das Vorurteil laut, weil ein Defragmentierungsprozess so lang andauere, werde das Resultat nicht besser. Ungeduld und Zweifel ließen viele User den Vorgang vor Beendigung abbrechen. Damit war auch kein Resultat ersichtlich. Regelmäßiges, vollständiges Defragmentieren macht den PC schneller und schont die Festplatte, so urteilen auch Experten. Man sollte das Defragmentierungstool aber am Besten dann starten, wenn man gerade nicht beabsichtigt, den PC in den nächsten paar Stunden zu nutzen.

6.) LCD-Displays sind schneller als Röhrenmonitore
Farbenfroher. Kontrastreicher. Heller. Das alles sind LCD-Displays im Vergleich zu herkömmlichen Röhrenmonitoren. Schneller sind sie aber noch nicht. Gerade bei Games oder Filmen geht einem Flachbildschirm schneller die Luft aus als einem Röhrenmonitor. Die Technologie der durchlässigen Flüssigkristalle im LCD-Monitor ist vor allem bei günstigen Modellen zu lahm. Eine Reaktionszeit von 25 Millisekunden zum Beispiel ist bei günstigen Flachbildlern Gang und Gebe, lässt Filme und Games aber ruckeln wie im Schleudergang. Röhrenmonitore hatten mit so was nie Probleme. Die Zeit wird auch die Kinderkrankheiten der LCDs heilen.

7.) Die Akku-Laufzeit im Standby-Betrieb...
...beträgt 300 Stunden. Und was steht daneben? Ein Sternchen*. Die Standard-Laufzeitangabe bei Handys beschreibt noch lange nicht den Zeitraum, den ein Akku tatsächlich durchhält. Zum einen errechnet sich das Durchhaltevermögen eines Akkus aus Gesprächzeit und Standby-Zeit; zum anderen beziehen sich die Daten in den Kurzbeschreibungen oftmals auf teure Alternativ-Akkus, die massig kosten, dafür aber auch länger halten würden. Tatsächlich kauft man mit den meisten Mobiltelefonen aber einen Standard-Akku, der einen weder den ganzen Tag durchquasseln lässt, noch drei Wochen lang nicht an die Steckdose muss. Tipp: Immer nachfragen!

8.) PC: Mehr Gigahertz – schnelleres Arbeiten
Diese Flunkerei ist Marke Versandkatalog. PCs mit einer Prozessortaktrate von 3,6 GHz oder noch mehr sind schnell. Aber nur wenn die restlichen Komponenten auch mitkommen. Bei mickrigem Arbeitsspeicher oder einer lahmen Festplatte geht der schnelle Prozessor auf Krücken. Man stelle sich einen Ferrari mit 500 PS vor, der mit einem Zweigang-Schaltgetriebe herumgurkt. Merksatz: Ein schnelles Teil allein macht noch lange keinen schnellen PC!

9.) Dieser Fernseher ist HD-kompatibel
...aber nicht HD-ready! Hier gibt’s die größten Flunkereien seit das hoch auflösende Fernsehen näher rückt. Ein Flachbildfernseher der sich mit Ausdrücken wie „HD-vorbereitet“ oder „HD-fähig“ schmückt, taugt höchstens als Servierplatte. Das offizielle Logo hierzu trägt den Wortlaut „HD ready“. Fernseher, die dieses Logo nicht aufgeklebt haben, sind für die gestochen scharfe TV-Zukunft nur bedingt oder gar nicht geeignet!

10.) Internetsurfen ist sicher
Jein. Surfen im Internet ist so sicher, wie der Pfad, auf dem man sich bewegt. Passieren kann immer etwas. Und 100-prozentige Absicherung kann keine Software der Welt garantieren. Wer dir also weismachen will, er habe den Schlüssel zum Blindvertrauen ins Internet mit einem einzigen Programm gefunden, kann nicht Recht haben! Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Also lüg’ dir selbst nichts vor und sei immer auf der Hut!

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