Das Problem, das sich die Wissenschaftler vorgenommen haben, ist das so genannte Bremslenkmoment. Aufgrund von verschieden angreifenden Kräften während des Bremsens schlägt die Lenkung ein. Das muss vom Fahrer kompensiert werden, sonst richtet sich das Motorrad auf und ist plötzlich auf einem größeren Radius unterwegs als vom Fahrer geplant. Das Risiko des unkontrollierten Abkommens von der Fahrbahn oder einer Kollision ist hoch.
"Jeder Motorradfahrer kennt das Phänomen", sagt der Ingenieur und wissenschaftliche Mitarbeiter an der TU Darmstadt Kai Schröter. "Man kann zwar trainieren, damit umzugehen, den Schreck beherrscht aber letztendlich keiner". Besser sei es daher, wenn das Bremslenkmoment gar nicht erst auftrete. Dazu haben Wissenschaftler der Uni den sogenannten Bremslenkmoment-Verhinderer entwickelt und mittlerweile auch schon erprobt.
Durch eine ausgeklügelte Mechanik können das obere Lenkkopflager und mit ihm die kinematische Lenkachse per Stellmotor seitlich geschwenkt werden. So verringert sich deren Abstand zum Reifenaufstandspunkt und im Idealfall ruft die Bremskraft kein störendes Bremslenkmoment hervor, das Motorrad bleibt auf Kurs.
Ingenieur Schröter hat schon mehr als 1.000 Kilometer mit dem auf einer Honda CBR 600 RR basierenden Prototypen zurückgelegt. Sein Fazit: Die Technik bewährt sich – sogar in sich zuziehenden Kurven. Für eine Serienfertigung ist es allerdings noch zur früh. Hochgeschwindigkeits-Stabilität und dynamische Fahrmanöver bedürfen weiterer Untersuchung und Optimierung. Außerdem muss das System einfacher, kleiner und leichter werden.
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