20.05.2013 14:39 |

Deutsches Projekt

Radarfallen auf Facebook abrufbar: Polizei ist dagegen

In Deutschland sorgt derzeit ein Verkehrssicherheits-Projekt für Aufsehen: Im niedersächsischen Göttingen werden die Standorte von Radarfallen auf Facebook veröffentlicht - direkt von der Polizei. Bei den Kollegen in Österreich stößt die Aktion auf Skepsis. Das trage nicht zur Verkehrssicherheit bei, ist man in der Verkehrsabteilung im Innenministerium überzeugt. Der ARBÖ hingegen kann sich mit der Aktion anfreunden: Präventivmaßnahmen hätten noch nie geschadet.
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"Am Mittwoch haben wir erstmals einen Blitz-Marathon auf Facebook begleitet. Damit ist die Polizeidirektion Göttingen einen neuen Weg in der Verkehrssicherheitsarbeit gegangen", informiert die Behörde auf ihrer Facebook-Seite über den in der Vorwoche erfolgten Start der neuen Aktion. Dabei wurden erstmals alle Standorte von Radarfallen gleichzeitig in dem sozialen Netzwerk veröffentlicht. An insgesamt 60 mobilen Stellen kontrollierten die Beamten Temposünder und machten die Ergebnisse via Facebook publik.

Radarfallen über Smartphone abrufbar
Die eigens für das Projekt eingerichtete Seite kann auch ohne Facebook-Account aufgerufen werden. Die Angaben werden mehrmals aktualisiert - immer dann, wenn die mobilen Blitzer verlegt werden. Dabei wird jedem Facebook-Nutzer angezeigt, wo geblitzt wird. Mit einem Klick auf "Gefällt mir" erhält der User die aktuellen Informationen über die Blitzer-Standorte sogar auf seiner persönlichen Facebook-Startseite. So können sich Autofahrer über das Smartphone jederzeit auf dem Laufenden halten.

Kritiker: Raser kommen zu leicht davon
Auf Facebook führte die Veröffentlichung der Standorte jedenfalls zu lebhaften Diskussionen, berichtete der deutsche TV-Sender NDR auf seiner Website. Dadurch kämen Raser zu leicht davon, so die Kritik der User. Diese Sorge scheint sich allerdings nach dem ersten Tag nicht zu bestätigen. Denn trotz detaillierter Warnungen im sozialen Netzwerk - und ausführlicher Berichterstattung über die Aktion in Zeitungen, auf Nachrichten-Portalen im Netz und im TV - tappten laut NDR beim ersten Blitzer-Marathon mehr als 1.000 Raser in die Radarfalle.

Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit umstritten
Dennoch erwartet der Verkehrsclub Deutschland keinen dauerhaften Nutzen von der Aktion. Autofahrer würden am Mittwoch vermutlich zwar häufiger den Fuß vom Gaspedal nehmen, aber nicht dauerhaft ihr Fahrverhalten ändern, hieß es. Der ADAC hingegen kann sich mit der Aktion anfreunden. Die Gefahr, dass Autofahrer permanent ihr Smartphone im Blick haben, um die aktuellen Blitzer-Standorte zu erfahren, sieht der Verband nicht. "Während der Fahrt kommt eigentlich keiner in die Versuchung, eine ganze Facebook-Seite zu lesen", zitiert der NDR den ADAC-Juristen Jost Kärger.

Österreichs Polizei kann Idee nichts abgewinnen
Auch hierzulande sorgt das Projekt für Diskussionsstoff: So steht die österreichische Polizei der Blitzer-Aktion skeptisch gegenüber. "Das trägt nicht zur Verkehrssicherheit bei", erklärte Martin Germ, Leiter der Verkehrsabteilung im Innenministerium, am Montag im Ö1-"Morgenjournal". Die Fahrer würden unmittelbar vor der Radar-Box abbremsen und dann wieder schneller weiterfahren. "Das ist ja nicht Sinn und Zweck der Verkehrsüberwachung", so Germ. Es sei besser, wenn man überall damit rechnen müsse, geblitzt zu werden.

ARBÖ sieht Nutzen wie bei "Schwarzkappler"-Meldungen
Erwärmen kann sich hingegen der Autofahrerclub ARBÖ für das deutsche Projekt. Präventivmaßnahmen hätten noch nie geschadet, so die Beurteilung der Blitzer-Aktion. Der ARBÖ verweist etwa auf Facebook-Meldungen über "Schwarzkappler" im öffentlichen Verkehr. Diese hätten schließlich auch abschreckende Wirkung. Einig sind sich Polizei und ARBÖ allerdings in einem Punkt: Autofahrer werden weiterhin in Radarfallen tappen - mit oder ohne Warnung.

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