Fake-Versager?

Tesla und New York Times streiten um E-Auto-Test

Motor
15.02.2013 13:28
Es ist ein heftiger Streit, der den Verkauf von Elektroautos erschweren könnte: Der US-Hersteller Tesla wirft einem Reporter der "New York Times" vor, er habe einen Wagen des Unternehmens mit Absicht versagen lassen. Der Korrespondent behauptet standhaft, er sei allen Anweisungen der Tesla-Mitarbeiter gefolgt - und bei kaltem Wetter trotzdem mit leerer Batterie liegen geblieben.

Tesla-Chef Elon Musk betrat dabei Neuland in Auseinandersetzungen zwischen Unternehmen und Medien: Er konterte den Bericht mit einer Lawine von aufgezeichneten Fahrtinformationen, die aus seiner Sicht den Journalisten als Lügner entlarven.

Die Macht der Presse
So steht also Wort gegen Daten, menschliche Erinnerung gegen die Aufzeichnungen von Sensoren. Für Tesla und Musk steht viel auf dem Spiel: Der Aktienkurs gab nach dem Bericht nach, vor allem aber wurden neue Zweifel an der Alltagstauglichkeit von Elektroautos gesät, insbesondere bei niedrigen Temperaturen. Reporter John Broder sagt schließlich, er sei bei seiner Reise mit dem neuen Modell Tesla S an der US-Ostküste über weite Abschnitte deutlich langsamer als erlaubt mit Tempomat gefahren, habe die Heizung runtergedreht und immer wieder die Batterie nachgeladen . Seine Conclusio: "Ist das ein Komfort, den sich der Käufer eines Wagens für 100.000 Dollar wünscht?"

Die Daten von Tesla zeichnen Musk zufolge aber ein ganz anderes Bild: So sei Broder schneller gefahren, als er sagt und habe den Tempomat nicht benutzt. Als er behauptete, die Heizung kälter geschaltet zu haben, habe er sie in Wirklichkeit sogar hochgedreht - und wollte zum Schluss eine knapp 100 Kilometer entfernte Ladestation mit nur 50 Kilometern Reichweite erreichen. Musks Fazit: "Er arbeitete hart daran, unser Auto zum Stillstand zu bringen." Erst zu spät habe Tesla Broder anhand früherer Artikel als einen Feind von Elektroautos ausgemacht. "Wir wurden zum Narren gehalten und haben als Folge der Sache des Elektroautos geschadet."

Die Deutung von Daten
Der Kleinkrieg der gegenseitigen Detail-Vorwürfe zeigt auch, dass es auf die richtige Erklärung von Daten ankommt und man sie ganz gegensätzlich deuten kann. Eines von Teslas zentralen Beispielen für die bösen Absichten des Reporters: Er sei beim ersten Aufladestopp bereits mit leerer Batterie fast einen Kilometer im Kreis auf dem kleinen Parkplatz gefahren. Erst als das Auto "sich heldenhaft weigerte, zu sterben", habe er es eingestöpselt, schreibt Musk. Broders Erklärung dafür ist alltäglich einfach - er habe im Dunkeln die schlecht gekennzeichnete Ladestation gesucht.

Und es seien die Tesla-Mitarbeiter selbst gewesen, die ihn am Schluss per Telefon angewiesen hätten, einfach weiterzufahren, obwohl die Reichweite zu niedrig war. Die Batterie schien sich zuvor beim Parken über Nacht massiv entladen zu haben, die Tesla-Leute seien aber von einem Anzeigenfehler ausgegangen, schreibt der "New York Times"-Reporter. Insgesamt habe er auf der knapp 900 Kilometer langen Fahrt rund ein Dutzend Mal bei Tesla angerufen.

Zugleich hatte der Journalist trotz Anfrage keinen Zugang zu den bei Tesla gesammelten Daten bekommen und baute seinen Artikel nach guter alter Art auf seinen Notizen auf. "Ich kann mich erinnern, dass ich den Tempomat auf etwa 54 Meilen pro Stunde eingestellt habe", schreibt er etwas hilflos in seiner Antwort auf Musks Vorwürfe. Vielleicht sei die tatsächliche Geschwindigkeit des Autos höher als die Anzeige im Cockpit gewesen, vielleicht habe eine Rolle gespielt, dass die Reifen an dem Wagen größer als standardmäßig vorgesehen gewesen seien.

Tesla ließ unterdessen schnell einen CNN-Reporter die Strecke nachfahren. Er kam ohne Probleme durch und erklärte das Auto zu einer "beeindruckenden Maschine".

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