4. Generation

Honda CR-V: Knackiges SUV kann “Blümchen-Sechs”

Motor
13.09.2012 20:01
Wer hat's erfunden? In dem Fall die Japaner, zumindest "miterfunden haben wir das SUV-Segment mit dem Honda CR-V", sagt Honda-Austria-Geschäftsführer Roland Berger. Die seligen Zeiten als SUV-Europa-Marktführer sind längst vorbei, doch die brandneue vierte Generation des kompakten SUV will sich nicht auf alten Lorbeeren ausruhen, sondern drängt sich modern, frisch und (je nach Motorisierung) spritzig in den Vordergrund.

Auf den ersten Blick könnte man ihn von hinten glatt für einen Volvo halten, auch unsere Fans auf Facebook vermuteten auf einem Foto der geschwungenen Heckleuchten, die sich neben der dunklen, rahmenlosen Scheibe bis ins Dach ziehen, zu einem großen Teil einen Schweden. Sieht deshalb nicht weniger gut aus, und an der Frontpartie ist das Honda-Familiengesicht, das sich inzwischen sogar bei Motorrädern wiederfindet, sehr präsent und unverwechselbar.

Die Besonderheiten des Honda CR-V
"Unverwechselbar" ist auch ein gutes Stichwort für die Neuauflage eines SUV, im einzigen Segment, das weiterhin wächst und in dem ein Modell nach dem anderen dazukommt. Honda unterscheidet sich besonders durch außergewöhnliche Geräumigkeit und praktische Variabilität. Die geteilte Rückbank macht sich auf einen Hebelzug vom Kofferraum klipp-klapp flach, die Ladekante ist niedriger als früher und das Gepäckraumvolumen ist mit 589 bis 1.669 Liter top im Segment. 

Konkave Türverkleidungen schaffen Raum, und weil die Sitze dadurch leicht nach außen rücken konnten, passt nun auch eine verstellbare Armlehne dazwischen. Auch die Passagiere können sich in dem wohnlichen Innenraum, der nichts SUViges mehr hat, entspannt ausbreiten, mit meinen 1,88 Meter Größe kann ich hinter dem auf mich eingestellten Fahrersitz mit überschlagenen Beinen sitzen. Nach oben gibt's mehr Kopffreiheit als früher, obwohl der CR-V drei Zentimeter flacher geworden ist.

Und leise ist er. In Zahlen: 3 dB leiser als der Vorgänger. Sogar der Dieselmotor ist kaum zu hören, und zwar nicht etwa, weil er sich hinter Windgeräuschen verbirgt, denn auch die fallen akustisch nicht ins Gewicht, selbst bei hohem Tempo.

Erst mal zwei Motoren zur Wahl – erstmals auch Frontantrieb
Unter der Motorhaube werkt einer von zwei (vor allem hinsichtlich Effizienz) überarbeiteten Motoren. Der Benziner namens 2.0 i VTEC leistet 155 PS, ist aber mit seinen 192 Nm bei 4.300/min. kein Ausbund an Dynamik. Der serienmäßig allradgetriebene 2,2-Liter-Diesel hingegen macht mit seinen 150 PS einen richtig kraft- und temperamentvollen Eindruck, obwohl seine 350 Nm laut Datenblatt erst bei 2.000/min. anliegen. Mit Schaltgetriebe ist der Sprint auf 100 in 9,7 Sekunden drin (Benziner: 4WD 10,2 Sekunden, 2WD 10,0 Sekunden), mit Fünfgang-Automatik fühlt sich das Ganze etwas zäher an und der Sprint dauert mit dem Diesel eine Sekunde länger, mit dem Benziner sogar zwei.

Blümchen-Sechs spart Sprit
In Sachen Verbrauch braucht sich der Honda nichts nachsagen lassen, vor allem dank verringerter innerer Reibung und besserer Aerodynamik schluckt der CR-V bis zu 12 Prozent weniger als früher: Der handgeschaltete Allrad-Diesel genehmigt sich im Norm-Schnitt 5,6 Liter, der entsprechende Benziner 7,4 Liter. Auffällig ist, dass der Fronttriebler nur 0,2 Liter weniger verbraucht. Daraus ist abzulesen, dass der neue, leichtere Allradantrieb deutlich effizienter arbeitet und dem Fahrer nicht auf der Tasche liegt. Im Gegensatz zur Automatik, die mit ihren fünf Fahrstufen nicht mehr ganz zeitgemäß ist, was sicherlich nicht jeden stört. Ein Teil des Verbrauchsvorsprunges bei den Manuell-Getriebe-Versionen geht übrigens auch auf die Kappe des hier serienmäßigen Stopp-Start-Systems.

Damit man die günstigen Werte auch im Alltag erreicht, hat Honda den "ECON"-Knopf am Armaturenbrett verbaut. Aktiviert man mit ihm das "ECO Assist System", erscheint ein grünes Blümchen und fortan wird der Tacho immer dann mit zwei Leuchtstreifen grün eingeklammert, wenn der Fahrer spritsparend unterwegs ist. Dazu gehört natürlich früh raufzuschalten, der sechste Gang ist sicher der sparsamste. Bei Honda geht man davon aus, dass durch das angeleitete Fahren – je nach sonstiger Fahrweise – bis zu 15 Prozent Spritersparnis drin ist. Beim Benziner werden im ECON-Betrieb auch noch Motor und Klimaanlage zurückhaltender gesteuert, beim Diesel ändert sich durch den Knopfdruck technisch nichts.

Sicherheitsassistenten vollzählig angetreten
Beim CR-V bietet Honda alle Assistenten an, die der Konzern hat. Ein etwas nervöser Radartempomat hält den Abstand zum Vordermann, ein sehr aktiver Spurhalteassistent (funktioniert zwischen 72 und 180 km/h) lässt in Maßen sogar freihändiges Fahren zu, wenn man ab und zu das Lenkrad wieder in die Hand nimmt, ein Kollisionswarnsystem bremst selbsttätig, wenn nötig (ist aber nicht darauf ausgelegt, bis zum Stillstand abzubremsen) und das Design der Vordersitze soll die Gefahr von Nackenverletzungen minimieren. 

Der Schleuderverhinderer ESP heißt hier VSA und hat auch noch Sonderfunktionen: Er arbeitet serienmäßig mit der adaptiven elektrischen Servolenkung zusammen, die einem Über- bzw. Untersteuern entgegenwirkt und auch eingreift, wenn die Räder beim Bremsen unterschiedlich viel Grip haben. Außerdem kann das VSA jetzt auch einen schlingernden Anhänger einfangen.

Fahren macht Spaß
Bei ersten Testfahrten rund um München und den Starnberger See zeigte sich, dass man bei Honda die fahrdynamischen Hausaufgaben bestens erledigt hat. Die nicht zu leichtgängige Lenkung arbeitet direkt genug und zielgenau, sodass auch schnelle Wechselkurven auf der Landstraße richtig Spaß machen. Das Getriebe ist knackig, wenn auch bei den nagelneuen Vorserienfahrzeugen noch etwas knochig. Und das Fahrwerk bietet einen guten Kompromiss zwischen Komfort und freudigem Fahren.

Publikums-Weltpremiere feiert man auf dem Pariser Salon, dort sollen auch die endgültigen Preise genannt werden. So viel vorab: Der Preis für den 2WD-Benziner in Comfort-Ausstattung soll in Österreich bei rund 27.500 Euro liegen, als 4WD soll der neue CR-V unter 30.000 Euro bleiben und der stets vierradgetriebene Diesel wird unter 32.000 Euro zu haben sein. Später soll noch eine karge Variante zum Sparpreis kommen, damit man einen günstigen "ab"-Preis nennen kann, doch räumt man ihr kaum Verkaufs-Chancen ein. Auch ein kleinerer Diesel ist angekündigt, allerdings noch nicht zum Verkaufsstart am 9. November 2012.

Als Hauptkonkurrenten sieht man bei Honda den Mazda CX-5 (spürt man auch beim Fahren)und den BMW X3. Reiner Zufall, dass der Honda CR-V ausgerechnet in München der europäischen Presse präsentiert wurde …

Warum?

  • Viel Platz 
  • Kraftvoller Diesel 
  • Sehr leise

Warum nicht?

  • Etwas zähe Automatik

Oder vielleicht …

… Mazda CX-5 oder ein anderes der vielen, vielen SUVs am Markt

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