Evolution der Ikone

Gerade in Berlin präsentiert: Das ist der neue VW Golf

Motor
04.09.2012 23:21
Es ist vollbracht: Vor tausend geladenen Gästen in der Berliner Neuen Nationalgalerie wurde der neue VW Golf am Dienstagabend um 21.55 Uhr erstmals präsentiert. Der schönste, beste und grünste Golf aller Zeiten soll er sein - und tatsächlich ist er 100 Kilo leichter und durchschnittlich 13,9 Prozent sparsamer als sein Vorgänger - dabei aber deutlich größer.

Auch der Neue sieht aus, wie ein Golf aussehen muss, spektakuläre Designüberraschungen waren nicht zu erwarten und wären bei einem Auto, das einer Fahrzeugklasse den Namen gegeben hat, auch kontraproduktiv. Designchef Walter da Silva verglich das Design eines Golf grundsätzlich mit großer Musik: "Es sind Interpretationen möglich, aber ein Golf bleibt immer ein Golf." Der Golf 6 sieht jedenfalls nicht mit einem Schlag alt aus.

Bei aller "Golfigkeit" ist der Neue aber tatsächlich ein komplett neu konstruiertes Auto, im Gegensatz zum Golf 6, der eigentlich mehr ein Golf 5,5 war. Der Siebener basiert nun auf dem sogenannten Modularen Querbaukasten, der mit dem Audi A3 eingeführt wurde und der VWs große Hoffnung auf Kostengünstigkeit und Flexibilität in der Entwicklung ist.

Leicht wie ein Golf 4
In Sachen Gewicht ist der Golf 7 auf dem Niveau des Golf 4 - 1.153 Kilo bringt er in der leichtesten Version auf die Waage. Und das ohne teure Leichtmaterialien wie Aluminium oder Magnesium. Höchstfeste Stähle sind das Geheimnis.

In der Länge wuchs die siebte Generation um 5,6 Zentimeter auf 4,225 Meter, der Radstand wuchs analog um 59 Millimeter auf nun 2,637 Meter. Die Karosserie ist mit 1,452 Meter um 28 Millimeter flacher und mit 1,799 Meter um 1,3 Zentimeter breiter. Nicht zuletzt dadurch steht der Neue satter auf der Straße.

Viel Luft für Kopf und Knie
Vor allem aber bietet er mehr Platz im Innenraum, der 14 Millimeter länger ist als beim Vorgänger, auch dass die Vorderachse weiter vorn sitzt, wirkt sich aus. Bei einer ersten Sitzprobe überraschte der Golf mit verhältnismäßig opulenten Platzverhältnissen, auch auf den Rücksitzen, wo sogar Großgewachsene sowohl an den Knien als auch am Kopf keine Enge fürchten müssen. Die Vordersitze lassen sich in der Länge auch für Zwei-Meter-plus-Riesen verstellen und die vertikale Lenkradverstellung würde man sich in vielen Autos so extrem wünschen. Auch das Gepäckabteil hat deutlich zugelegt, um 30 auf 380 Liter, und ist dank der tieferen Ladekante auch noch einfacher zu nutzen. 

Erstaunlich ist die hochwertige Anmutung im Innenraum. Natürlich standen nur bestausgestattete Varianten zur Begutachtung bereit, aber die hohe Qualität, die engenehme Haptik lassen auch für die Brot-und-Butter-Versionen keinen Ramsch erwarten.

Bis zu 23 Prozent sparsamer
Auch wenn draußen vor der Nationalgalerie Greenpeace demonstrierte, weil ihm der neue Golf nicht sparsam genug ist: Der begehrte Wolfsburger ist nicht nur leichter, sondern auch bis zu fast ein Viertel sparsamer. Im Schnitt soll der Golf 7 laut VW-Entwicklungsvorstand (oder Chef-Innovator, wie er bei der Präsentation genannt wurde) Ulrich Hackenberg um 13,9 Prozent weniger verbrauchen. 

Der 1,4-Liter-Benziner mit Zylinderabschaltung, der immerhin auf 140 PS kommt, ist künftig mit 4,8 Liter zufrieden (die 85-PS-Basis braucht 4,9 l/100 km). Und bei den Dieseln beginnt die Palette mit einem 105-PS-Motor, der nur noch 3,8 Liter verbraucht (99 g/km). Verbrauchs-Aushängeschild wird ab 2013 der 110 PS starke Blue-Motion-Diesel sein, der laut Normverbrauch mit 3,2 l/100 km auskommt (85 g/km). Der Top-Diesel leistet zum Debüt 150 PS und verbraucht 4,1 l/100 km. In der Pipeline warten eine Erdgas- und eine Elektrovariante, die für das kommende Jahr avisiert sind, sowie ein Plug-in-Hybrid.

Bei den gewaltigen Stückzahlen des Golf summiert sich die neue Sparsamkeit allein in Europa auf eine CO2-Reduktion von 119.000 Tonnen im Jahr, rechnet VW nicht ohne Stolz vor.

Radartempomat und weitere noble Assistente
Aber der Golf wird nicht nur sparsamer, sondern auch schlauer: Er bekommt jede Menge neuer Assistenzsysteme, die VW bislang nur in den höheren Fahrzeugklassen angeboten hat. Der Tempomat kann künftig automatisch den Abstand halten, die Sensoren lösen bei brenzligen Situationen im Stadtverkehr von alleine eine Notbremsung aus und spannen vorher zum Beispiel die Gurte, die Scheinwerfer passen den Lichtkegel der Verkehrssituation an und wer am Steuer müde wird, bekommt eine freundliche Pausenempfehlung. Der Spurhalteassistent sorgt selbsttätig fürs Geradeausfahren. Außerdem kann der neue Golf selbsttätig einparken und beim Crash schützt er mit einer neuen Multi-Kollisionsbremse vor dem Unfall nach dem Unfall. Demokratisierung der Fahrassistenzsysteme heißt das bei VW.

Ein weiterer Entwicklungsschwerpunkt waren die Infotainmentsysteme. Auch da hat VW mittlerweile einen modularen Baukasten entwickelt, der dem Golf einen serienmäßigen Touchscreen mit Bedienungsgesten wie beim iPhone bringt und den Wagen in der höchsten Ausbaustufe zum Hotspot auf Rädern macht. Dabei soll die Bedienung nicht vom Verkehr ablenken.

Sogar der Preis wurde genannt: Ab 16.975 Euro soll der VW Golf 7 Trendline in Deutschland zu haben sein (Comfortline 18.925, Highline 24.175 Euro). In Österreich soll er sich preislich am Vorgänger (17.790 Euro) orientieren oder sogar darunter liegen - trotz besserer Ausstattung.

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