Auf dem Firmengelände knurrt der Wachhund, im Juwelierladen fiept die Alarmanlage. Einbrüche in Firmennetzwerke geschehen dagegen meist im Stillen. Oft vergehen Monate, bis ein Einbruch überhaupt entdeckt wird. "Bis dahin haben Hacker alle Zeit der Welt, um Daten zu stehlen oder zu manipulieren", sagt Sebastian Héon, Direktor der Rüstungssparte Cassidian des Luft- und Rüstungskonzerns EADS.
Das Unternehmen Cassidian Cybersecurity betreut Netzwerke von Organisationen und Unternehmen und sichert sie gegen Eindringlinge ab. Héon warnt: "Mit einer einzigen Attacke könnten Millionen an investierten Euro vernichtet werden." Kein Wunder, dass das Thema Cyber-Sicherheit heuer die weltgrößte Rüstungsmesse dominierte.
Lukratives Geschäft für Rüstungsindustrie
Ob zum Schutz von Unternehmen, Behörden oder Regierungen: Die IT-Sicherheit hat sich zu einem lukrativen Geschäft entwickelt - auch für die Rüstungsindustrie. Deren Unternehmen schüren die Angst vor der Gefahr aus dem Netz und drängen auf "professionellere" Lösungen. Herkömmliche Sicherheitsprogramme würden Firmen oft nicht genügend Schutz bieten, betonen sie. Nach Angaben der US-Firma Mandiant sind alle Opfer von Hackerangriffen mit einer aktuellen Anti-Virus-Software ausgerüstet gewesen. Geholfen hat ihnen das allerdings nichts.
Cassidian Cybersecurity zufolge könnte bereits eine einzige Sicherheitslücke im Netzwerk eines Unternehmens mit mehr als 500 Mitarbeitern Schäden zwischen zwei und drei Millionen Euro verursachen. Die Franzosen schlagen Alarm - und machen mit ihrer Expertise Kasse: Schon in fünf Jahren will Cassidian Cybersecurity mehr als 500 Millionen Euro Umsatz pro Jahr einfahren.
Gefahr aus dem Netz als Wachstumsmarkt
Die Gefahr aus dem Netz ist auch für die rund 1.500 IT-Spezialisten von Thales Cyberdefense ein Wachstumsmarkt. Nach eigenen Angaben wacht der französische Konzern schon heute über 70 Prozent der weltweiten Banktransaktionen. Bis 2020 soll sich der Umsatz mit Cybersecurity von 350 Millionen Euro im Jahr 2011 auf 700 Millionen Euro verdoppeln. Absolute Sicherheit versprechen aber auch enorme Investitionen in die Cyber-Sicherheit nicht - das machte etwa ein großangelegter Hackerangriff auf das französische Finanzministerium im März 2011 deutlich.
Es steht viel auf dem Spiel
Tatsächlich steht im Internet-Zeitalter gerade für größere Organisationen viel auf dem Spiel: Der Verlust von sensiblen Daten und Ansehen schadet der Wettbewerbsfähigkeit. Im schlimmsten Fall kann ein Betrieb ganz zum Erliegen kommen. Stanislas de Maupeou, Manager Cyberdefense im französischen Elektronik- und Rüstungskonzern Thales, berichtet von einem Fall, der ein Unternehmen Millionen kostete. Schuld war womöglich ein simpler Klick auf einen Link zu einer verseuchten Website; vielleicht auch eine Facebook-Nachricht oder der Anhang einer E-Mail.
Rund 300 IT-Spezialisten seien nach der Attacke mit der Reparatur der Schäden beschäftigt gewesen. Sein Konzern entwickelt Überwachungssoftware für Firmennetzwerke und überprüft mit Test-Attacken, wie gut ein Unternehmen gegen virtuelle Gefahren gerüstet ist. Bei ausnahmslos allen, so de Maupeou, seien seine Mitarbeiter erfolgreich in die Firmen-Software eingedrungen.
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