Amen für den 1 M

Nicht um ihm zu huldigen: Altar für BMW 1er M Coupé

Motor
24.10.2011 10:27
Ich habe mir einen kleinen Altar gebaut, zu Hause. Darauf stehen Zündkerzen, ein Radkreuz, eine Christophorus-Plakette, meine Bankomatkarte und mein Führerschein. Eine bessere Vorbereitung auf eine Woche mit dem BMW 1er M Coupé fällt mir nicht ein. Und ich möchte danach weder meinen Überziehungsrahmen ausgeschöpft, noch meinen Deckel verloren haben.

Vielleicht wäre Weihrauchzusatz für den Sprit angemessen (ist jemand auf der Suche nach einer Marktlücke?), der Duft könnte die Schutzengel im Flug begleiten. Also, die Schutzengel des Führerscheins, denn die fürs Fahren sind in Form des genialen Fahrwerks und formidabler Elektronik verbaut.

Scharf? Scharf!
Wir reden hier vom Schärfsten, was BMW vor der Neuauflage des M5 (den habe ich noch nicht gefahren) auf die Straße gelassen hat. 340 PS aus dem erstarkten Dreiliter-Sechszylinder-Turbomotor des 135i (hier mit Doppelturbo statt TwinScrollTurbo), das Fahrwerk im Wesentlichen aus dem M3. Wir reden hier auch von 4,4 kg/PS und von 500 Nm (inkl. 50 Nm Overboost) ab 1.500/min., von Heckantrieb und Fahrspaß. Die Karosserie des 1er Coupé wurde brutal – aber im richtigen Maß - auf M getrimmt. Der Hintern ist zwar nicht gerade dezent, beherbergt aber auch die verbreiterte Spur und die 265er-Walzen. Auch vorn ist Breitenwachstum festzustellen. BMW nennt das Ganze athletisch und trifft’s damit ganz gut.

Im Innenraum ist gleich klar, wes Geistes Kind der M-1er, wie ich ihn nenne, ist: Alcantara allüberall, Ledersportsitze mit orangefarbenen Kontrastnähten – ja, und dazu der Sound! Dieses sonore Brummen der Sechszylindermaschine stellt dir die Nackenhaare auf, fährt sanft massierend durch Mark und Bein und versucht ständig, die Hemmschwelle, die sich zwischen Spaßzentrum und Gasfuß festklammert, wegzuspülen.

Auf das DSC (heißt anderswo ESP) kann man sich im Zweifelsfall besser verlassen. Es lässt sich reduzieren (d.h. verschärfen) oder sogar ganz abschalten, wobei die Verschärferstufe schon nichts für Kinder von Traurigkeit ist (siehe Wachauring-Story in der Infobox). Jede Fahrt zur Arbeit wird zur Sonderprüfung, dank Platzverhältnissen wie im normalen 1er (370 Liter Kofferraum, der Nachwuchs passt auf die beiden Rücksitze) gelingt auch der Wochenendausflug, wobei hier weniger gesprochen wird. Entweder, weil es hier lauter zugeht, oder weil die Familie merkt, dass sie Ballast ist, der den Sprint von 0 auf 100 km/h in 4,9 Sekunden verhindert.

Kraft und Kandare
Kraft ist einfach da, ob bei hohen Drehzahlen oder in deren Keller, beim Überholen ohne runterzuschalten. Wobei Schalten mit dem manuellen Sechsganggetriebe ein Spaß ist. Dafür, dass die Kraft den Weg in die Straße findet, sorgt ein variables Sperrdifferenzial an der Hinterachse. Auf sehr schlechten Straßen verglüht allerdings dank der Härte des Fahrwerks viel davon im DSC-Lämpchen. Zielgenau am Punkt ist die Lenkung, bissig die Compound-Bremsen (Einkolben-Faustsattel klingt angemessen), die nicht nur als Rettungsanker vor der Radarfalle, sondern auch für echten Einsatz taugen.

Apropos Geld: Wir reden hier auch von nur 183,09 Euro pro PS. Damit liegt der M-1er bis auf 9 Cent gleichauf mit dem Skoda Fabia Happy. Da muss man nicht von Schnäppchen reden, kann man aber.

Und meine Testwoche hat auch kein Loch ins Budget gerissen, Altar, Fahrwerk und Elektronik haben ihre Aufgabe erfüllt. Auto unbeschädigt, Führerschein unbehelligt.

Stephan Schätzl

Warum?

Entweder, weil ich so ein vernünftiger Mensch bin, oder weil ich weiß, wo die Radarfallen stehen.

Warum nicht?

Als Familienkutsche dann doch recht wenig geeignet.

Oder vielleicht …

… im Fall eines Kaufes den Altar vergrößern?

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