Vogel entkommt galant

Russen verwechseln Storch bei Angriff mit Drohne

Ukraine-Krieg
26.05.2026 18:18
Porträt von krone.at
Von krone.at

Ein spektakuläres Video aus dem russisch besetzten Teil der ukrainischen Region Cherson sorgt derzeit in sozialen Netzwerken für Aufsehen: Zu sehen ist aus der Perspektive einer russischen FPV-Drohne, wie ein fliegender Weißstorch verfolgt wird (siehe Posting unten) – ehe der Vogel mit einem abrupten Ausweichmanöver entkommt.

Das Video kursiert seit Montag in den sozialen Netzwerken und dürfte nahe dem Flugplatz von Nova Kachowka beim Dorf Plodowe aufgenommen worden sein. Die Aufnahmen zeigen einen Weißstorch, der von einer offenbar russischen Drohne verfolgt wird. Kurz bevor sie das Tier erreicht, ändert der Vogel aber mit einem galanten Manöver abrupt seine Flugrichtung und entzieht sich damit der Verfolgung.

Spekulationen über mögliche Verwechslung
Verbreitet wurde das Video vor allem über soziale Medien und pro-ukrainische Kanäle. Offizielle Stellungnahmen der russischen oder ukrainischen Streitkräfte gibt es bisher nicht.

In Online-Diskussionen wurde darüber spekuliert, ob die Drohne den Vogel möglicherweise mit einer ukrainischen Aufklärungsdrohne vom Typ „Leleka-100“ verwechselt haben könnte. „Leleka“ bedeutet auf Ukrainisch „Storch“. 

Drohnen prägen den Krieg seit Jahren
Drohnen zählen seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine im Jahr 2022 zu den wichtigsten militärischen Instrumenten beider Seiten. Russland setzt sie sowohl für strategische Langstreckenangriffe als auch direkt auf dem Schlachtfeld ein.

Besonders häufig kommen iranisch-russische Shahed- beziehungsweise Geran-Kamikaze-Drohnen zum Einsatz. Diese werden laut öffentlich zugänglichen Analysen vor allem gegen ukrainische Energieanlagen, Städte und zivile Infrastruktur verwendet. Die Zahl der Einsätze ist dabei stark gestiegen: Für 2025 wurden mehr als 61.000 Drohnenstarts verzeichnet – mehr als fünfmal so viele wie noch im Jahr davor.

Eine solche Drohne könnten die Russen hinter dem Storch vermutet haben:

Neu etablierte Massenwaffe
Zusätzlich spielen sogenannte FPV-Drohnen („First Person View“) eine zentrale Rolle an der Front. Sie dienen zur Aufklärung, Zielerfassung sowie für direkte Angriffe auf Fahrzeuge, Stellungen oder Soldaten. Auch Minenabwürfe werden mit solchen Systemen durchgeführt.

Militäranalysen gehen davon aus, dass Drohnen in manchen Kriegsphasen für einen Großteil der Verluste auf beiden Seiten verantwortlich sind. Genannt werden Schätzungen von bis zu 70 bis 85 Prozent der neutralisierten Ziele oder Verluste. Exakte Zahlen lassen sich allerdings unabhängig kaum überprüfen.

Russland hat seine Drohnenproduktion in den vergangenen Jahren massiv ausgeweitet und kombiniert die Systeme zunehmend mit elektronischer Kriegsführung, Störsendern und Täuschkörpern. Allein im März 2026 sollen laut öffentlich berichteten Schätzungen fast 8000 Drohnen gegen die Ukraine gestartet worden sein.

Kriegführung grundlegend verändert
Der massive Einsatz unbemannter Systeme hat die moderne Kriegführung nachhaltig verändert. Drohnen ermöglichen vergleichsweise günstige und präzise Angriffe in großer Stückzahl und reduzieren gleichzeitig den Bedarf an bemannter Luftunterstützung.

Sowohl Russland als auch die Ukraine setzen mittlerweile intensiv auf diese Technologie. Russland verfolgt dabei insbesondere bei Langstreckenangriffen eine Strategie des hohen Volumens. Viele Angaben zu Produktions- und Einsatzzahlen basieren jedoch auf öffentlich verfügbaren Analysen und Schätzungen, da verifizierbare offizielle Daten nur eingeschränkt verfügbar sind.

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