Die Nachricht kam im Jänner „zur rechten Zeit“. Danach hatten neue Studien für das Umweltbundesamt (UBA) ergeben, dass ein Tempolimit von 120 km/h in Deutschland doch nennenswerte Auswirkungen auf den CO2-Ausstoß des Pkw-Verkehrs haben könnte. Doch die Ergebnisse sind offenbar nicht viel wert.
Die „Welt am Sonntag“ ging bei der Studie nun in die Tiefe der 360 Seiten und fand dabei nicht nur das Zugeständnis der Autoren, es sei „unklar, inwiefern die Stichprobe … verzerrt ist“.
Alte und eingeschränkte Daten
Grundlage waren die Daten des Navigationssystems „TomTom“, die allerdings bereits fünf Jahre alt waren und nur 15 Prozent des Verkehrs abbildeten. Deswegen fordern die Studienautoren die Auftraggeber in Dessau dazu auf zu prüfen, ob die Daten zuverlässig sind. Doch die Intentionen des Amtes unter der Verantwortung der Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) waren wohl eher auf die Korrektur der bisherigen UBA-Aussage zum Tempolimit ausgerichtet, wonach die Reduktion von CO2 offensichtlich erstaunlich gering war. Jetzt wurden mit gut vier Prozent nahezu doppelt so hohe Werte errechnet und schlagzeilenträchtig als klimarelevant eingestuft.
Nicht repräsentativ
Die Probleme der neuen Studie: Vor fünf Jahren waren „TomTom“-Geräte noch vorwiegend in teureren Modellen eingebaut, die tendenziell schneller unterwegs waren und die gemessene Durchschnittsgeschwindigkeit nach oben trieben. Außerdem fanden die Forscher viel Autobahnverkehr mit Geschwindigkeiten zwischen 80 km/h und 90 km/h - also vermutlich Lkw und Busse mit diesem Navi. In der Summe stellte sich heraus, dass die „TomTom“-Verkehrsdaten keineswegs repräsentativ waren und sich außerdem deutlich von den Daten bisheriger Studien abwichen.
Sollte die Behörde die Absicht verfolgt haben, die Diskussion pro Tempolimit zu beeinflussen, so ist der Schuss nach Wertung der Fakten nach hinten losgegangen. Der hochgerechnete Effekt auf die gesamten deutschen CO2-Emissionen liegt auch bei den ermittelten vier Prozent Einfluss der Pkw bei insgesamt nur 0,5 Prozent, verschwindet also in der statistischen Unschärfe. (Peter Schwerdtmann, aum)
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