Ewiges Eis?

So lang brauchen E-Autos, bis es drinnen warm wird

Motor
19.12.2022 19:42
Porträt von krone.at
Von krone.at

In einem Auto mit Verbrennungsmotor ist leicht nachvollziehbar, wenn es im Winter recht lang dauert, bis es im Innenraum warm wird. Schließlich muss der Motor erst das Kühlwasser erwärmen. Anders in einem Elektrofahrzeug: Hier kommt die Wärme aus der Elektroheizung, daher müsste es doch eigentlich viel schneller gehen, oder? Nicht wirklich. Teilweise dauert es gefühlt eine Ewigkeit.

Fans ewigen Eises können sich schon einmal mit den Heiz-Flops Fiat 500e, Renault Zoe, Tesla Model Y und VW e-up! befassen. Sie sind die Verlierer im Vergleichstest des ADAC, der E-Autos bei minus zehn Grad in der Kältekammer geparkt hat. Die genannten Frostbeulen brauchten mehr als 30 Minuten, bis auf den Vordersitzen 20 Grad herrschten.

Dabei bläst bei allen getesteten Kandidaten ziemlich schnell warme Luft aus den Düsen - das bringt nur eben unterschiedlich viel.

Selig, wer nach einer klirrend kalten Winternacht in einen BMW iX einsteigen kann. Hier herrschte bereits nach 20 Minuten Wohlfühlklima. VW ID.3 und Hyundai Kona Elektro benötigten dafür mehr als 20 Minuten.

Besonders auffällig: Einige Fahrzeuge schafften es auch nach 30 Minuten Dauerheizens nicht, den Fond warm zu bekommen. Die Hersteller sparen teilweise an den Luftdüsen oder verfolgen unzureichende Heizstrategien.

Unterschiede bei der Isolierung
Bei der Wärme-Isolation gibt es ebenfalls Unterschiede: In manchen Fahrzeugen sinkt die Temperatur wesentlich langsamer ab als in anderen. Das ist wichtig bei kurzen Stopps, weil weniger Energie zum erneuten Aufheizen benötigt und damit auch die Reichweite stärker geschont wird. Im Test schnitten BMW und VW diesbezüglich am besten ab - mit immerhin noch 16 bzw. 15 Grad Innenraumtemperatur nach fünf Minuten Motorstillstand sowie 10 bzw. 9 Grad nach einer halben Stunde Pause. Die anderen Autos kühlen schneller und weiter ab.

Wegen des Wärmeüberschusses durch die Abwärme des Motors bei Verbrennerfahrzeugen war die Wärmeisolierung bisher keine relevante Anforderung beim Fahrzeugbau. Elektroautos jedoch müssen für die Heizung auf die Energie aus der Antriebsbatterie zurückgreifen, die dann nicht mehr zum Fahren bereitsteht. Das geht auf Kosten eines erhöhten Verbrauchs und damit einer niedrigeren Reichweite.

Heizen geht auf die Reichweite
Gezeigt hat sich außerdem, dass alle untersuchten Autos ca. 1,5 bis 2 kW Leistung benötigen, um bei frostigen minus 10 Grad Außentemperatur im Innenraum dauerhaft 20 Grad zu halten. Wer also im Extremfall 10 Stunden im Stau aushalten müsste, würde 15 bis 20 kWh Energie aus der Batterie verbrauchen, um es dauerhaft warm zu haben.

Aber auch der Fahrer kann den Energiebedarf steuern: Neben der Luftheizung wärmen auch Sitz- und Lenkradheizung, die mit weniger Verbrauch arbeiten. Manche Fahrzeuge bieten einen „Driver only“-Modus, bei dem gezielt der Fahrerbereich beheizt wird. Auch der Eco-Modus spart bei der Heizleistung, aber eben auch beim Verbrauch.

Übrigens: Jedes E-Auto hat serienmäßig eine Standheizung und kann vorgeheizt werden, gesteuert beispielsweise über eine App. Ist das Fahrzeug zum Laden angeschlossen, wird der Strom fürs Vorheizen zudem aus dem Stromnetz anstelle der Batterie entnommen und kostet so keine Reichweite.

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