Auf Schritt und Tritt

Fast-Food-Kette verfolgte Nutzer rund um die Uhr

Web
02.06.2022 10:38

Dass Apps mitunter mehr persönliche Daten sammeln als uns lieb ist, ist bekannt. „Eindeutig eine Grenze überschritten“ hat dem kanadischen Datenschutzbeauftragten Daniel Therrien zufolge jedoch die App der Schnellrestaurant-Kette Tim Hortons: Sie verfolgte ihre Nutzer rund um die Uhr auf Schritt und Tritt - selbst dann, wenn die Anwendung gar nicht geöffnet war.

Einer gemeinsamen Untersuchung der Datenschutzbehörden Kanadas zufolge bat die App um Erlaubnis, auf den Standort ihrer Nutzer zuzugreifen und gab dabei vor, dies nur dann zu tun, wenn die Anwendung in Gebrauch war. Tatsächlich verfolgte die App jedoch nahezu jeden Schritt ihrer Nutzer und sammelte bei eingeschaltetem Smartphone „alle paar Minuten“ kontinuierlich deren Standortdaten.

Die Ermittlungen der Regierung gegen das Unternehmen ins Rollen gebracht hatte 2020 „Financial Post“-Journalist James McLeod, der bemerkt hatte, dass die Tim-Hortons-App seine GPS-Koordinaten binnen fünf Monaten mehr als 2700 Mal aufgezeichnet hatte.

Die daraufhin eingeleitete Untersuchung kam nun zu dem Schluss, dass die „kontinuierliche und umfangreiche Sammlung von Standortdaten“ durch Tim Hortons „in keinem Verhältnis“ zu den Vorteilen stand, die sich die Fast-Food-Kette von einer gezielteren Werbung für seinen Kaffee und andere Produkte erhofft hatte.

Konkurrenz-Beobachtung
Die App nutzte die Standortdaten demnach auch, um Rückschlüsse darauf zu ziehen, wo die Nutzer wohnten, wo sie arbeiteten und ob sie auf Reisen waren, und erzeugte jedes Mal ein „Ereignis“, wenn der Nutzer ein Konkurrenzunternehmen, eine große Sportstätte, sein Zuhause oder seinen Arbeitsplatz betrat oder verließ.

Das Unternehmen gab an, es habe die gesammelten Standortdaten nur in begrenztem Umfang verwendet, um Trends zu analysieren - zum Beispiel, ob Nutzer zu anderen Kaffeeketten wechselten und wie sich ihre Bewegungen im Zuge der Pandemie veränderten. Die kontinuierliche Verfolgung des Nutzerstandorts wurde mit Beginn der Untersuchung eingestellt.

Hochsensible Daten
„Tim Hortons hat eindeutig eine Grenze überschritten, indem es eine riesige Menge an hochsensiblen Informationen über seine Kunden sammelte. Die Verfolgung der Bewegungen von Menschen alle paar Minuten an jedem Tag war eindeutig eine unangemessene Form der Überwachung. Dieser Fall verdeutlicht einmal mehr, welchen Schaden schlecht konzipierte Technologien anrichten können“, sagte Therrien.

Standortdaten seien hochsensibel, da sie Rückschlüsse auf den Wohn- und Arbeitsort von Personen zulassen und den Besuch von Arztpraxen offenbaren, warnte der oberste Datenschutzbeauftragte des Landes. Sie könnten Rückschlüsse auf religiöse Überzeugungen, sexuelle Vorlieben, sozialpolitische Zugehörigkeit und vieles mehr erlauben.

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