Es sollte eine Fahrt in ein fremdes Territorium werden. Die kleine Racerin begleitete mich zu den Feierlichkeiten zum 40. Österreich-Geburtstag von Kawasaki, um am Asphalt-Parkett des Red Bull Rings einen Tag lang zwischen den Grünen zu kreisen.
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Zunächst musste ich sie allerdings als Packesel missbrauchen. Das bisschen Gewicht verträgt sie auch ganz gut, geht sie doch mit 156 kg trocken fast noch als Moped durch. Na gut, mit Flüssigkeiten und vor allem mit dem zehn Kilo wiegenden ABS bringt sie 194 kg auf die Waage. Mit einem Expander-Netz funktioniert das Beladen ziemlich einfach.
Es kommt auf die Größe an
Damit erschöpft sich für mich die Alltagstauglichkeit allerdings auch schon wieder. Denn mit meinen 1,88 Meter und 95 Kilo ist die CBR600RR eine Nummer zu klein für mich. Was allerdings ihre Qualitäten an und für sich nicht schmälert, weswegen ich die Autobahn gemieden habe und stattdessen durch die Mariazeller Gegend gedüst bin, wo sie auch mit Gepäck richtig Spaß macht, wenn man den Drehzahlbereich hoch hält. Unten herum ist von den 120 PS nicht viel zu spüren, was die RR zu einem guten Bike für charakterlich gefestigte Einsteiger macht, die gerne allein unterwegs sind. Die 66 Nm maximal liegen bei 11.250/min. an.
Für die Geburtstagsparty hatte sich die schnelle Honda prächtig herausgeputzt, in schönstem KTM-Orange und dem Design namens "Vibrant Orange/Grey Limited Edition 2011", das einen durch die Verkleidung schauen lässt (meint man). Der Sitz vibrierte leicht vor Vorfreude (oder tut er das immer?).
Am Ring gab's dann Viertakt statt Dreivierteltakt, und das stete Bemühen, die Drehzahl hoch zu halten, denn die Kurven sind durchwegs langsam zu fahren. Vollgas, bremsen, umlegen, Gas, bremsen, umlegen usw. Viele Langgezogenes, Fließendes gibt es hier am Kurs nicht.
Die CBR600RR lässt sich präzise verzögern, das ABS regelt feinfühlig und hilft dabei, den Grenzbereich zu finden, präzise lenkt sie ein und zirkelt durch die Kurven. Leichtfüßig. Hier kommt man auch nicht in die Verlegenheit, in den Drehzahlkeller zu rutschen, weil man vor jeder Kurve weiß, worauf man sich einlässt. Man darf nur nicht zu zaghaft runterschalten (zaghaft kuppeln schon: kein Antihopping).
Trotz allem brauche ich lange, bis ich mich auf ihr richtig wohlfühle, mein Format und ihres sind nicht ganz kompatibel. Wirklich sauber werde ich auf ihr so bald nicht fahren. Aber das mag auch an meinen bescheidenen Racer-Qualitäten liegen. Aber wnn ich meine Statur abziehe, bleibt ein wirklich feines Gerät.
Das Wetter in Spielberg hielt den ganzen Tag, obwohl Regen angesagt war. Der hatte sich offenbar über Stunden angesammelt, um dann geballt vom Himmel zu prasseln. Das war kein Spaß, aber ein guter Tausch gegen einen trockenen Tag am Red Bull Ring. Und das ABS konnte auf nassen öffentlichen Straßen noch mehr brillieren als auf trockener Rennstrecke.
Stephan Schätzl
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