Mit psychischen Problemen sollte man auf keinen Fall alleine bleiben! Welche Tipps die geschulten Experten der kostenlosen Traumahilfe Österreich-Hotline geben, gerade in Corona-Zeiten.
Angst, Hoffnungslosigkeit, Panikschübe, depressive Verstimmungen, Schlafstörungen - damit kämpfen die meisten Anrufer bei der Helpline der „Traumahilfe Österreich“. Die Idee, eine solche Einrichtung ins Leben zu rufen, kam dem Wiener Psychotherapeuten Andreas Sartory Ende März 2020 in einer schlaflosen Nacht: „Ich wollte eine Anlaufstelle für Menschen schaffen, die sich in Corona-bedingter Quarantäne befinden, um der Vereinsamung entgegenzuwirken. Heute beraten wir jedoch Betroffene in allen psychischen Ausnahmesituationen und begleiten sie durch persönliche Krisen.“ Die kostenlose Hotline schließt dabei eine Lücke: „Manche Anrufer haben bereits eine Behandlung beantragt, aber die Bewilligung steht noch aus. Andere benötigen wiederum mehr Begleitung als in ihrer z. B. wöchentlichen Therapiesitzung. Und viele können sich eine psychotherapeutische Behandlung schlicht und einfach gar nicht leisten, Kassenplätze sind aber überbucht. Für eine Reha wären die meisten jedoch ,noch nicht krank genug‘“, bringt es Sartory auf den Punkt.
Kostenlose Unterstützung für Betroffene
Daher wird dieses kostenlose, niederschwellige Angebot gerne genützt. Die Hilfesuchenden sind großteils Frauen zwischen 30 und 40 Jahren. Mehr als 2000 Anrufe hat das Team der Helpline, das u. a. aus 15 ehrenamtlichen Mitarbeitern besteht (in Ausbildung zu Psychotherapeuten), bislang entgegengenommen. Eine davon ist Valerie Brunner, sie verstärkt seit Juni 2021 das Team. Sie betont, dass es eine schöne, erfüllende Tätigkeit sei. Bis zu 15 Stunden pro Woche verbringt sie seitdem neben einem Vollzeitjob noch am anderen Ende der „Leitung“, arbeitet von zuhause aus. Drei Kinder hat sie großgezogen und sich dabei öfter gedacht, dass professionelle Beratung hin und wieder sicher nicht geschadet hätte.
Im Zuge ihrer Ausbildung ist sie dann auf die Traumahilfe gestoßen und war sofort begeistert: „Ein tolles Konzept, wie ich finde.“ „Manchmal reicht ein einziges Gespräch aus, um Entlastung zu erreichen. Im Gegensatz zu manchen anderen Helplines soll sich bei uns - wenn Bedarf besteht - ansonsten aber eine Art Beziehung zwischen dem Berater und dem Klienten aufbauen, in der er Vertrauen fasst und auch seinen (Vor)Namen nennt - als Zeichen dafür, dass er sich wirklich helfen lassen will. Das heißt, wir unterstützen gerne langfristig, bis der Klient wieder Boden unter den Füßen spürt“, betont Valerie Brunner.
Unser Ziel ist es, nicht vorschnell Ratschläge zu erteilen. Wir wollen vielmehr dazu beitragen, dass Lösungen sich im Gespräch wie von selbst herauskristallisieren.
Valerie Brunner, Psychotherapie-Studentin aus Wien
Fragen Sie sich, was Ihnen in Krisen gut getan hat
Wie verlaufen solche psychotherapeutischen Gespräche? „Eingangs versuchen wir, das konkrete Anliegen des Anrufers herauszufinden bzw. gemeinsam zu formulieren. Das hilft nicht nur beim Vertrauensaufbau, sondern auch dabei, die verschiedenen Themen zu sortieren sowie eine gewisse Ordnung und Beherrschbarkeit - zumindest für den Gesprächsverlauf - zu entwickeln. Wichtig ist weiters das Hinführen zu den eigenen Ressourcen. Das heißt, der Klient kommt im Laufe des Telefonats von selbst drauf, was ihm guttun könnte. Das mögen Hobbys, Freunde, Familie, ein erfüllender Beruf etc. sein. Damit wird klarer, dass nicht die gesamte Person in einer Krise steckt, sondern nur manche Anteile in ihr in Not sind. Ein erster Schritt hinaus aus der empfundenen Hilf- und Hoffnungslosigkeit“, erklärt die angehende Psychotherapeutin. „Oft gilt es auch als notwendig, bestehende Beziehungen zu durchdenken - und mitunter eine Neubewertung vorzunehmen, falls diese sich in einer gefühlten Sackgasse befinden. Unser Ziel ist immer, nicht vorschnell Ratschläge zu erteilen. Wir wollen vielmehr dazu beitragen, dass Lösungen sich im Gespräch, idealerweise wie von selbst, herauskristallisieren“, ergänzt Valerie Brunner.
Die Helpline der „Traumahilfe Österreich“ ist unter 01/413 00 44 (österreichweit zum Ortstarif) von Montag bis Freitag in der Zeit von 8-20 h sowie am Wochenende von 10-18 h erreichbar.
Schönster Lohn: „Danke, jetzt geht es mir besser“
Berührende Erlebnisse gibt es immer wieder: So wie etwa eine Frau mit Essstörungen, die sich regelmäßig bei Valerie Brunner meldet und in winzigen Schritten ihre Panik vor der Waage verliert. „Es ist ein wunderbares Geschenk, wenn wir als Helpline-Mitarbeiter live dabei sein dürfen, wie der Anrufer Stück für Stück aus seiner erlebten Ohnmacht heraus wieder handlungsfähig wird. Außerdem bekommen wir häufig zu hören, wie dankbar unsere Anrufer dafür sind, dass es diese Einrichtung gibt. Nicht selten erhalten wir am Ende eines Telefonats ein ,Danke für Ihre Zeit‘, verbunden mit ,Es geht mir jetzt schon viel besser ...‘“, so Brunner.
Da dieser Artikel älter als 18 Monate ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt kein Kommentieren mehr möglich.
Wir laden Sie ein, bei einer aktuelleren themenrelevanten Story mitzudiskutieren: Themenübersicht.
Bei Fragen können Sie sich gern an das Community-Team per Mail an forum@krone.at wenden.