Alexander Zverev schreibt bereits vor dem ersten Ballwechsel bei den US Open (30. August bis 13. September) Tennis-Geschichte.
Der 29-Jährige geht erstmals bei einem Grand-Slam-Turnier als topgesetzter Spieler ins Rennen. Das Kuriose daran: An der Spitze der Weltrangliste stand der Hamburger bislang noch nie. Zu verdanken hat Zverev die besondere Konstellation der Absage von Jannik Sinner. Der 25-jährige Weltranglisten-Erste kann aufgrund einer Knieverletzung in New York nicht antreten. In der Setzliste rutscht der Deutsche deshalb auf Position eins. Damit betritt Zverev sogar historisches Terrain. Seit Einführung der ATP-Weltrangliste war noch nie ein Spieler bei einem Grand Slam an Nummer eins gesetzt, der zuvor nicht zumindest einmal selbst die Weltrangliste angeführt hatte.
Setzliste ist nicht gleich Weltrangliste
Doch wie kann Zverev bei den US Open die Nummer eins sein, obwohl andere Spieler im ATP-Ranking vor ihm liegen? Entscheidend ist der Unterschied zwischen Weltrangliste und Setzliste. Für das ATP-Ranking zählen die Ergebnisse der vergangenen 52 Wochen. Abhängig von der Wertigkeit eines Turniers und davon, wie weit ein Spieler kommt, werden Punkte vergeben. Nach einem Jahr fallen die beim jeweiligen Turnier gesammelten Zähler wieder aus der Wertung und müssen neu erspielt werden.
Ein Beispiel: Ein US-Open-Sieger bekommt 2000 Punkte gutgeschrieben. Zwölf Monate später fallen diese wieder weg. Nur wer seinen Erfolg wiederholt, kann die volle Ausbeute verteidigen. Ein früheres Ausscheiden hat entsprechend Punkteverluste zur Folge. Für die Setzliste in New York wiederum sorgt Sinners Absage dafür, dass Zverev nach vorne rückt – ohne deshalb auch im ATP-Ranking den ersten Platz zu übernehmen.
Sinner verliert 1300 Punkte
Dennoch könnte das Turnier für Zverev im Kampf um die tatsächliche Nummer eins enorm wichtig werden. Aktuell liegt er noch 5010 Punkte hinter Sinner. Der Italiener kann seine Punkte aus dem Vorjahr aufgrund seiner Verletzung diesmal jedoch nicht verteidigen. Als damaliger Finalist büßt er 1300 Zähler ein.
Ein weiterer Konkurrent ist Carlos Alcaraz. Der 23-Jährige hat Zverev mittlerweile ebenfalls im Ranking überholt und reist als Titelverteidiger nach New York. Allerdings steht hinter seiner Form ein Fragezeichen: Nach einer längeren Verletzungspause gibt der Spanier erst bei den US Open sein Comeback auf der Tour.
Zverev könnte die ungewöhnliche Ausgangslage somit doppelt nutzen. Als Nummer eins der Setzliste schreibt er bereits vor Turnierbeginn Geschichte. Mit einem starken Lauf in New York könnte er zudem im Rennen um die tatsächliche Weltranglisten-Spitze ordentlich Boden gutmachen.
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