Techniker, die unbefugt auf die Daten von zur Reparatur eingeschickten Smartphones zugreifen - ein derartiges Fehlverhalten konnte bereits in einem kalifornischen Reparaturzentrum von Apple beobachtet werden. Nun scheint es einen ähnlich gelagerten Fall bei Google zu geben. Das zumindest legen die Schilderungen der US-Autorin Jane McGonigal nahe.
Eigenen Angaben auf Twitter zufolge hatte McGonigal ihr kaputtes Pixel-Smartphone im Oktober an ein offizielles Reparaturzentrum in Texas geschickt. Dort gab man jedoch an, das Telefon nie erhalten zu haben, und stellte ihr ein Ersatzgerät in Rechnung. Die Sendungsverfolgung des Lieferdienstes FedEx zeichnete laut McGonigal allerdings ein anderes Bild: Ihr zufolge war das Smartphone bereits vor Wochen in dem Zentrum angelangt.
Doch damit nicht genug: Nur wenige Stunden, nachdem die Autorin endlich eine Rückerstattung für das Gerät erhalten hatte, schien jemand das „fehlende“ Smartphone zu benutzen, um die Zwei-Faktor-Authentifizierung zu umgehen und sich bei mehreren ihrer Konten anzumelden, darunter Dropbox, Google Mail und Google Drive, wie „The Verge“ berichtet.
Die Aktivität löste mehrere E-Mail-Sicherheitswarnungen an McGonigals Backup-Konten aus. Sie vermutet jedoch, dass derjenige, der das Telefon besitzt, es benutzt haben könnte, um auf ihre Backup-E-Mail-Adressen zuzugreifen und dann alle Sicherheitswarnungen in ihren Spam-Ordner zu verschieben.
Nacktfotos gesucht
Wie sich herausstellte, hatten der oder die Täter es vor allem auf McGonigals Fotos abgesehen: „Die Fotos, die sie öffneten, waren von mir in Badeanzügen, Sport-BHs, figurbetonten Kleidern und von Nähten nach einer Operation“, schilderte McGonigal. „Sie haben die Google-Sicherheitsbenachrichtigungen in meinen Backup-E-Mail-Konten gelöscht.“
Google kündigt Untersuchung an
Gegenüber dem US-Magazin kündigte ein Google-Sprecher an, den Fall zu untersuchen. Noch ist demnach unklar, ob das Gerät in der Reparaturwerkstatt oder während des Transports abgefangen wurde, oder wer es jetzt hat.
Google selbst empfiehlt in seinen offiziellen Reparaturanweisungen jedenfalls, vor dem Einschicken eines Gerätes sämtliche darauf gespeicherten Daten zu sichern und das Gerät anschließend auf die Werkeinstellungen zurückzusetzen. McGonigal hält allerdings fest, dass dies je nach Art des Schadens schwer bis unmöglich sein kann.
Fall weckt Erinnerungen an Apple
Der Fall weckt Erinnerungen an einen ähnlich gelagerten Fall aus dem Jahr 2016: Eine Frau aus dem US-Staat Oregon hatte damals ihr iPhone an ein Reparaturzentrum des Apple-Vertragspartners Pegatron geschickt. Dort hatten zwei Techniker auf dem Gerät insgesamt zehn Fotos der jungen Frau „in verschiedenen Stadien der Entkleidung“ sowie ein Sexvideo entdeckt und diese Aufnahmen anschließend im Facebook-Profil der Studentin veröffentlicht.
Im Juni dieses Jahres einigten sich beide Seiten auf einen Vergleich: Der kalifornische Konzern zahlte als Wiedergutmachung eine Entschädigung in „Millionenhöhe“ an die Betroffene.
Kommentare
Liebe Leserin, lieber Leser,
die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).