13.03.2021 06:01 |

Mit Wärmebildkamera

CAT S62 Pro: Gut gemachtes Baustellen-Smartphone

Smartphones sehen sich heute oft sehr ähnlich: Vorn und hinten mit zerbrechlichem Glas umhüllt, sind sie mit fast rahmenlosem Display filigrane und zerbrechliche Fenster zur Welt. Ein Hersteller, der in eine ganz andere Richtung geht, ist die britische Bullitt Group, die unter der Marke des Baufahrzeugherstellers CAT extrarobuste Smartphones für Baustelle und Outdoor-Aktivitäten macht. Wir haben uns das aktuelle Top-Gerät CAT S62 Pro näher angesehen.

Schwer liegt es in der Hand: Das CAT S62 Pro ist mit 1,2 Zentimetern Dicke und einem Viertelkilo Gewicht bei vergleichsweise kleinen 5,7 Zoll Diagonale ein Prügel von einem Smartphone. Aber: Eine Outdoor-Hülle, die andere Smartphones nicht minder klobig macht, ist hier schon dran. Das Gerät kommt in einem sehr robusten Gehäuse aus belastbarem Kunststoff und starkem Metallrahmen. Hinten griffig texturiert, liegt das Gerät trotz hohem Gewicht gut in der Hand. Das CAT S62 Pro ist staub- und wasserdicht nach IP68-Standard, besonders kälte- und hitzeresistent und hat eine Wärmebildkamera.

Wärmebildkamera als besonderes Extra
Die kommt vom Hersteller Flir und macht zwar keine besonders hochauflösenden, dafür aber im Infrarotspektrum Wärmestrahlung in bunten Farbverläufen einfangende Fotos. Das kann auf einer Baustelle praktisch sein, wenn isoliert wird. Oder beim PC-Bastler, der sich die Hitzeentwicklung im Gehäuse genauer ansehen will. Die zugehörige App zeigt auf Wunsch auch die an einem gewissen Punkt herrschende Temperatur an. Eine Wärmebildkamera für den Profi wird präziser sein, eine ungewöhnliche und in manchen Szenarien nützliche Dreingabe ist die Flir-Cam aber allemal.

Scharfes, helles und robustes Display
Das Display ist mit kratzfestem Gorilla Glas 6 geschützt und draußen auch mit Handschuhen bedienbar. Es hat im Test jeden unserer mutwillig aus etwa 1,5 Meter Höhe herbei geführten Stürze überlebt. Die Darstellungsqualität des IPS-Displays mit Full-HD-Auflösung ist vollkommen in Ordnung, die hohe Helligkeit in anvisierten Einsatzszenario praktisch - auch wenn es draußen stark spiegelt. Für heutige Verhältnisse sind die Ränder, vor allem ober- und unterhalb des Bildschirms, recht dick. Dafür gibt es kein Loch für die Acht-Megapixel-Frontkamera - die sitzt drüber.

Genug Rechenleistung für den Alltag
Als Prozessor kommt Qualcomms nicht mehr taufrische Mittelklasse Snapdragon 660 mit acht bis zu 2,2 Gigahertz schnellen Kernen zum Einsatz. Der mag, gepaart mit sechs Gigabyte RAM, bei leistungshungrigen 3D-Anwendungen keine Höchstleistungen vollbringen, sorgt aber für ein flüssiges Android-Bedienerlebnis und hinreichend schnelle App-Starts.

Die Kamera ist lediglich zweckmäßig
Im Vergleich mit anderen Smartphones der 500-Euro-Klasse etwas enttäuschend fällt die Performance der 12-Megapixel-Hauptkamera aus. Die stellt zwar schnell scharf und macht mit Blende F/1.8 auch drin im Kunstlicht noch brauchbare Fotos. Die Schärfe könnte aber besser sein und leidet bei schlechter werdendem Licht. Dann macht sich auch Rauschen breit. Die Bildstabilisierung könnte auch zuverlässiger arbeiten. Insgesamt eine für gelegentliche Schnappschüsse zweckdienliche, aber ausbaufähige Hauptkamera.

Zeitgemäße Funkausstattung, aber noch kein 5G
Gefunkt wird über LTE, .ac-WLAN, Bluetooth 5.0 und NFC. Die Navi-Dienste GPS, GLONASS, BeiDou und Galileo sind an Bord. 5G gibt es noch nicht, was in der Phase des Netzausbaus für die meisten noch kein Problem darstellen wird. Der Fingerscanner an der Geräterückseite arbeitet zuverlässig - im Gegensatz zum Display freilich nicht mit Handschuhen.

Dass das sehr große Gehäuse primär als Puffer bei Stürzen dient, wird beim Blick auf den nur 4000 mAh großen Akku deutlich. Der bringt das Gerät zwar zuverlässig durch den Tag, abendliches Laden über den frei zugänglichen USB-C-Port wird bei etwas intensiverer Nutzung aber nötig sein. Schade: Eine Audioklinke hat das S62 Pro nicht, Kopfhörer sind nur mit Adapter nutzbar. Es gibt 128 Gigabyte Flash-Speicher und einen microSD-Slot.

Gut nutzbare Android-10-Installation
Am CAT S62 Pro ist Android 10 vorinstalliert - und optisch gegenüber den Google-Konventionen auch kaum verändert. Neben der Flir-App hat man einige hauseigene Anwendungen vorinstalliert, etwa Kamera- und Galerie-App. Ein kleines hauseigenes App-Verzeichnis mit Links zu möglicherweise nützlichen Business- und Outdoor-Anwendungen ist auch an Bord. Insgesamt ein gut bedienbares und reaktionsschnelles System, hier gibt es nichts auszusetzen.

Nützliche Zusatztaste, ungewohntes Layout
Praktisch: Eine programmierbare Zusatztaste bietet schnellen Zugriff auf Funktionen wie die Taschenlampe oder startet auf Wunsch eine App der Wahl. Weniger praktisch: Die Entsperrtaste - ebenso wie die Zusatztaste geriffelt und gut ertastbar - ist recht weit oben, noch oberhalb der Lautstärkewippe platziert. Eine etwas gewöhnungsbedürftige Anordnung.

Fazit: Es mag weder Schönheit noch Leichtgewicht sein, dafür ist das CAT S62 Pro extrem hart im Nehmen und hat mit der Wärmebildkamera ein Extra, das sonst keiner hat. Display, Kamera und CPU gehören nicht zur Oberklasse, werden den meisten alltäglichen Bedürfnissen aber genügen. Die Software ist sauber gemacht, die programmierbare Extrataste praktisch. Zum wahren Outdoor-Champion hätte unserer Meinung nach aber ein noch etwas ausdauernderer Akku gehört.

Dominik Erlinger
Dominik Erlinger
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