10.11.2020 00:01 |

Austrochinese

BMW iX3: Wirkt konventionell, kann Ungewöhnliches

Was wurden sie gescholten bei BMW, weil nach dem i3 nichts nachkam außer Ankündigungen. Jetzt bringen sie endlich die E-Version des BMW X3: mit 2185 kg DIN-Gewicht gut 400 bzw. gut 300 kg leichter als Audi e-tron und Mercedes EQC, mit 18,5 bis 19,5 kWh/100 km WLTP-Verbrauch deutlich sparsamer. Geschrieben wurde schon viel über den BMW iX3, nun haben wir ihn erstmals auch fahren können. 

Wie es war? Um ehrlich zu sein: unspektakulär. Im besten Sinne, weil genau so, wie erhofft. Er fühlt sich an wie ein besonders leiser, besonders entspannt spritziger, komfortabler BMW X3. Dass er in China für den Weltmarkt gebaut wird, merkt man ihm nicht an. Vielleicht weil das Herz, das ihn antreibt, aus Österreich kommt?

Okay, das mag etwas weit hergeholt sein, aber die neuartige Antriebsbox, die künftig auch in anderen E-BMWs wie dem i4 und dem iNext (kommen beide 2021) stecken soll, wird in BMWs Motorenwerk in Steyr gebaut. Auf kleinstem Raum beinhaltet sie den in House entwickelten Elektromotor, die Leistungselektronik und das Einganggetriebe. Die Einheit sitzt an der Hinterachse und treibt auch nur diese an.

Effizient und sportlich
Der stromerregte Synchronmotor (kommt ohne Seltene Erden aus) leistet 210 kW/286 PS und stellt aus dem Stand 400 Nm bereit. Das ermöglicht dem 2185 Kilogramm schweren E-SUV entspannt erzielbare 6,8 Sekunden im Standardsprint und jederzeit spurtbereite Power, die einen spontan in den Sitz drückt, wenn man das Pedal tritt. Elektroautotypisch. Das Höchsttempo ist auf 180 km/h beschränkt.

Unter anderem versprechen die Münchner für die nunmehr fünfte eDrive-Generation eine um 30 Prozent gesteigerte Leistungsdichte des Motors, der sich außerdem durch einen Wirkungsgrad von 93 Prozent auszeichnet. Die Batterien kommen mit zwei Drittel weniger Kobalt aus als in der Generation vorher. Zudem weisen sie eine um 20 Prozent höhere Energiedichte auf, dadurch geht sich im Unterboden eine Speicherkapazität von 74 kW netto aus. Und die reicht für eine WLTP-Reichweite von 460 Kilometern.

Als WLTP-Verbrauch gibt BMW 18,5 bis 19,5 Kilowattstunden pro 100 Kilometer an, auf meiner ersten Testrunde, die nicht als Verbrauchsfahrt gedacht war und auf der ich alles andere als sparsam, sondern eher sportlich unterwegs war, bin ich auf einen Schnitt von 22,2 kWh gekommen. Das geht durchaus in Ordnung und lässt erwarten, dass man die WLTP-Reichweite tatsächlich erreicht oder in der Stadt dank des hohen Rekuperationsanteils sogar übertreffen kann.

Adaptiver Rekuperationsmodus
Apropos Rekuperation: Hier zieht BMW eine beeindruckende Elektronikkarte. Natürlich bietet der iX3 klassische Rekuperationsmodi an: Wählhebel nach links auf B, schon braucht man fast nicht mehr das Bremspedal, weil der Wagen so stark und letztlich bis zum Stand verzögert. Auf D gibt es drei fixe Rekuperationsstufen (kein Segeln und auch kein Abbremsen bis zum Stand). Zusätzlich - und das ist der Clou - ist der adaptive Rekuperationsmodus. Wie der funktioniert, sehen Sie oben im Video!

Adaptivfahrwerk in Serie
Der Fahreindruck ist sehr souverän. Mit seinem Adaptivfahrwerk gleitet der BMW wahlweise geschmeidig über Bodenunebenheiten oder strafft sich, wenn man sich von der gebotenen Kraft inspirieren lässt. Zwar wiegt der iX3 mit 2185 kg deutlich mehr als ein Verbrenner-X3, dafür liegt sein Schwerpunkt 7,5 Zentimeter tiefer.

Grundsätzlich geht es komfortabel zu. Und leise, auch vom Motor ist praktisch nichts zu hören. Wem ein Fahrgeräusch fehlt, der kann einen von Oscar-Preisträger Hans Zimmer aktivierten Sound aktivieren (siehe im Video oben).

Laden: Zehn Minuten für 100 Kilometer
An Schnellladestationen kann mit bis zu 150 kW geladen werden, in dem Fall kann der Hochvoltspeicher innerhalb von 34 Minuten von null auf 80 Prozent seiner Gesamtkapazität geladen werden. Anders gerechnet: In zehn Minuten fließt Strom für 100 Kilometer WLTP-Reichweite. Immer an Bord ist der sogenannte Flexible Fast Charger, ein Ladekabel, das über alle möglichen Adapter für zu Hause verfügt, also auch für Industriesteckdosen. Zudem kann man neben einer Standard-Wallbox auch eine Smart Wallbox mitbestellen, die eine für die Dienstwagen-Nutzung relevante Dokumentation der beim Aufladen zu Hause anfallenden Stromkosten ermöglicht.

Top-Ausstattung in Serie
Optische Besonderheiten des iX3 sind unter anderem eine aerodynamisch optimierte Außenhaut. Zum Aero-Trimm zählen auch auffällige 19-Zoll-Räder mit besonders niedrigem Luftwiderstand. Diese sind bereits Teil der Basisausstattung Inspiring, die außerdem noch Panorama-Glasdach, Metallic-Lackierung, elektrische Heckklappe, Sportlenkrad, elektrisch einstellbare Vordersitze, 3-Zonen-Klimaautomatik mit Standheizung/-kühlung, BMW Live Cockpit Professional mit Cloud-basiertem Navigationssystem, Abstandstempomat und viele weitere Assistenzsysteme umfasst. Die Rückbank ist im Verhältnis 40:20:40 umklappbar. Der primäre Kofferraum ist so groß wie bei den Verbrenner-Brüdern, er fasst 510 bis 1560 Liter.

Unterm Strich
Der BMW iX3 ist eine reine Variante des bekannten BMW X3 und trotzdem ein sehr gelungenes Elektro-SUV. BMW nennt das „Power of Choice“: Man hat beim selben Modell die Wahl zwischen Benzin-, Diesel-, Plug-in-Hybrid- oder Elektroantrieb. Wenn er im März 2021 auf den österreichischen Markt kommt, wird 66.950 Euro auf dem Preisschild stehen. Und vor allem die Antriebseinheit wird eine weite Reise hinter sich haben.

Warum?
Komfortabel und sportlich
Gelungener Umbau auf Elektroantrieb

Warum nicht?
Das ist bei Elektroautos eine Grundsatzfrage

Oder vielleicht ...
... Mercedes EQC, Audi e-tron

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