24.10.2020 06:00 |

Nach PayPal-Vorstoß

Hoher Bitcoin-Kurs für Experten nur ein Strohfeuer

Der Einstieg von Paypal in die Welt der Kryptowährungen lässt bei Bitcoin-Enthusiasten die Herzen höher schlagen. Der Preis für die bekannteste Cyberdevise sprang nach der Ankündigung des US-Zahlungsabwicklers, auf seiner Plattform den Handel mit Bitcoin zu ermöglichen, auf mehr als 13.000 Dollar (rund 11.000 Euro) - den höchsten Stand seit eineinhalb Jahren. Doch mehr als eine Hoffnung auf ein Ende des Nischen-Daseins steckt nach Meinung von Kryptogeld-Experten nicht dahinter.

Die Euphorie werde bald verpuffen, vielmehr sei dem kalifornischen Konzern ein guter Marketingcoup gelungen. „Niemand will doch wirklich mit Kryptowährungen bezahlen. Jeder will es behalten, um von einer möglichen Preissteigerung zu profitieren“ sagt Michel Rauchs, Autor mehrerer Studien der Universität Cambridge über Kryptowährungen und Blockchain.

Bitcoin-Zahlmöglichkeiten kaum genutzt
Schon seit Jahren bieten bekannte Unternehmen wie der Laptop-Hersteller Dell oder der Touristikkonzern Expedia auf ihren Onlineshops Bezahlmöglichkeiten für Bitcoin an. Doch genutzt wird das Angebot kaum. Auch bei den Paypal-Rivalen Robinhood und Square, die auf ihren Plattformen seit 2018 Cyberdevisen akzeptieren, handeln Nutzer das digitale Geld, nutzen es aber nicht zum Bezahlen. „Als Währung wird Bitcoin bislang fast ausschließlich im Darknet benutzt“, sagt Tim Swanson, Marketingleiter bei der Blockchain-Softwarefirma Clearmatics.

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Wer glaubt, dass sich durch Paypal die Haltung der Aufsichtsbehörden bald ändern wird, der könnte eine böse Überraschung erleben.

Naeem Aslam, Avatrade

Hinderlich sind nach Meinung von Branchenkennern vor allem eine fehlende Regulierung und die großen Preisschwankungen. „Wer glaubt, dass sich durch Paypal die Haltung der Aufsichtsbehörden bald ändern wird, der könnte eine böse Überraschung erleben“, sagt Analyst Naeem Aslam vom Brokerhaus Avatrade. „Solche Dinge entwickeln sich langsam.“

Unabhängig von Zentralbanken
Die Erfinder von Bitcoin hatten vor gut einem Jahrzehnt das Ziel, eine von Zentralbanken unabhängige Währung zu schaffen, die rein in der digitalen Welt existiert. Hochleistungschips berechnen komplizierte Algorithmen und in gewissen Abständen werden die Nutzer, die Rechenkapazitäten hierfür zu Verfügung stellen, mit neu geschaffenen Bitcoin entlohnt. Maximal können 21 Millionen Bitcoin geschaffen werden, derzeit gibt es 18,5 Millionen. Ende 2017 kam das bis dato nur wenig bekannte Digitalgeld in der Öffentlichkeit an, als der Preis innerhalb weniger Tage auf 20.000 Dollar in die Höhe geschossen war. Die Kursschwankungen sind zum Teil extrem, weshalb Aufsichtsbehörden rund um den Globus davor warnen.

Gelingt mit PayPal nun der Durchbruch?
Paypal will den Handel mit Bitcoin nun massentauglich machen. Das Potenzial dafür ist da: Weltweit sind 26 Millionen Händler an die Plattform angeschlossen, es gibt 346 Millionen Nutzerkonten, allein im zweiten Quartal wurden Zahlungen von 222 Milliarden Dollar abgewickelt. In den kommenden Wochen sollen zunächst Kunden in den USA Bitcoin, Ethereum, Bitcoin Cash und Litecoin kaufen, verkaufen und aufbewahren können. Ab Anfang 2021 sollen auch Bezahlvorgänge möglich sein. In andere Länder soll bald expandiert werden. „Für normale Menschen, die noch nie etwas von Bitcoin gehört haben, hilft Paypal, dass Bitcoin als digitaler Vermögenswert mehr anerkannt wird“, sagt Lex Sokolin vom Blockchain-Unternehmen ConsenSys.

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Ich denke, dass PayPal intelligent in die Zukunft blickt und dabei sein will, wenn klassische Währungen digitalisiert werden.

David Birch, Consult Hyperion

Den größten Nutzen habe aber Paypal selbst, ist David Birch, Direktor beim Zahlungsberatungsunternehmen Consult Hyperion, überzeugt. „Ich denke, dass PayPal intelligent in die Zukunft blickt und dabei sein will, wenn klassische Währungen digitalisiert werden.“ Das sehen auch Anleger so - die Aktien des 1998 gegründeten Unternehmens aus San Jose legten an der Wall Street nach der Ankündigung um mehr als fünf Prozent zu.

Viele Staaten arbeiten an eigenem Kryptogeld
Weltweit arbeiten Zentralbanken wie die EZB und die US-Notenbank Fed am Aufbau von Cyberwährungen. Doch es zieht sich hin, denn die Notenbanker fürchten sich, mit einem „eEuro“ oder einem „eDollar“ die Hoheit über die Landeswährung zu verlieren. Gleichzeitig besteht die Gefahr, den Anschluss zu verpassen, denn China testet bereits mit 50.000 Nutzern den digitalen Yuan.

Paypal-Chef Dan Schulman hatte vor kurzem erst gesagt, sein Unternehmen sei im Gespräch mit Zentralbanken zur Entwicklung von Digitalwährungen. Bei dem Projekt von Facebook für eine eigene Cyberwährung namens „Libra“ war Paypal nach ein paar Monaten aus dem Gründungskomitee ausgestiegen, um sich auf seine eigenen Pläne zu fokussieren.

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