09.09.2020 09:57 |

„Vorsätzlich & dreist“

„Fortnite“-Zwist: Apple holt zum Gegenschlag aus

Im Streit um die App-Store-Provisionen, die „Fortnite“-Entwickler Epic Games dem IT-Riesen Apple nicht mehr zahlen will, holt Apple nun zum Gegenangriff aus und beantwortet Epics Klage mit einer Gegenklage. Darin spart der Computerkonzern nicht mit drastischen Worten, nennt Epics Vorgehen „vorsätzlich, dreist und rechtswidrig“ und erklärt, dass sich hier ein Milliardenkonzern zum Robin Hood stilisiere.

Die Vorgeschichte: Epic Games hatte die Mobilversion seines Multiplayer-Hits „Fortnite“ mit einem eigenen Bezahlsystem versehen, um die Provisionen zu umgehen, die Apple und Google bei Verkäufen über ihre App-Marktplätze einbehalten. „Fortnite“ flog prompt aus App Store und Play Store, Epic reagierte mit einer 60-seitigen Klage und einer PR-Kampagne, die den Zwist um die „Fortnite“-Provisionen als Gaming-Freiheitskampf inszeniert.

Apple warf Epic in Folge aus seinem Entwicklerprogramm und auch die Epic-Grafiktechnologie Unreal Engine, die viele Spielestudios für die Umsetzung ihrer Projekte verwenden, geriet zwischen die Fronten. Bei der Unreal Engine musste Apple auf Drängen eines kalifornischen Gerichts zurückrudern.

„Meinungsverschiedenheit über Geld“
Nun hat Apple mit einer Gegenklage reagiert, aus der unter anderem das Gaming-Newsportal „Polygon“ zitiert. Darin spart Apple - wie zuvor Epic - nicht mit drastischen Worten. Es gehe mitnichten um die Freiheit der App-Entwickler, sondern „um nichts anderes als eine grundsätzliche Meinungsverschiedenheit über Geld“, heißt es in der Gegenklage.

Zitat Icon

Obwohl sich Epic als moderner unternehmerischer Robin Hood inszeniert, handelt es sich in Wahrheit um ein Milliarden-Dollar-Unternehmen, das schlicht nichts für den enormen Wert bezahlen will, den es aus dem App Store schöpft.

Auszug aus Apples Gegenklage

Apple: „Obwohl sich Epic als moderner unternehmerischer Robin Hood inszeniert, handelt es sich in Wahrheit um ein Milliarden-Dollar-Unternehmen, das schlicht nichts für den enormen Wert bezahlen will, den es aus dem App Store schöpft.“ Apple ergänzt, Epic habe im App Store bereits mehr als 600 Millionen US-Dollar verdient.

Apple wirft Epic „selbstgefällige Erzählung“ vor
Nach Apples Darstellung gehe es Epic darum, eine Sonderbehandlung von Apple herauszuschlagen. Die Einführung des externen Bezahlsystems nennt Apple „kaltblütig“, die Aktion sei „nicht viel mehr als Diebstahl“. Epics Vorgehen sei eine „selbstgefällige Erzählung“, bei der der Gaming-Konzern verschweige, dass er selbst (freilich geringere) Provisionen von Entwicklern kassiere, die ihre Spiele über den Epic Games Store verkaufen und virtuelles Geld im Paket um bis zu 99,99 US-Dollar pro Bündel verkaufe.

Gericht hört Streitparteien Ende September an
Epic Games hat sich noch nicht zu Apples Gegenklage geäußert, wird dies aber wohl spätestens Ende des Monats tun müssen: Am 28. September ist eine gerichtliche Anhörung der Streitparteien geplant. Erst vor wenigen Tagen hatte Epic vor Gericht eine einstweilige Verfügung angestrebt, die Apple dazu zwingen soll, „Fortnite“ wieder im App Store anzubieten. Hintergrund ist ein Nutzerschwund, weil „Fortnite“ auf iOS-Geräten keine Updates mehr erhält und iPhone-Nutzer dadurch nicht an der kürzlich gestarteten neuen Season teilnehmen können.

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