14.08.2020 07:18 |

Epic Games rebelliert

Apple und Google werfen „Fortnite“ raus

Die Macher des populären Online-Spiels „Fortnite“ legen sich in einer bisher einmaligen Kraftprobe mit Apple und Google an. Mit mehreren hundert Millionen Fans im Rücken will Entwickler Epic Games die App-Store-Regeln der Smartphone-Plattformen aufbrechen. Das Unternehmen führte dazu auf Apples iPhone und iPad sowie auf Geräten mit dem Google-System Android die Möglichkeit ein, Inhalte in Umgehung der In-App-Käufe günstiger zu erwerben - und sich somit die 30 Prozent Provisionsabgabe für die beiden Tech-Riesen zu ersparen. Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten.

„Fortnite“ verschwand erst aus dem App-Store für Apples Mobil-Geräte und wenige Stunden später auch aus Googles Play Store. Epic reichte umgehend eine Klage gegen Apple ein. Epic Games wirft dem Konzern in der am Donnerstag bei einem Bundesgericht in Kalifornien eingereichten Klage vor, gegen das Wettbewerbsrecht zu verstoßen. Die Firma fordert die Annullierung der Apple-Regeln, wonach App-Entwickler 30 Prozent der Einnahmen, die sie über den App-Store von Apple erzielen, an den Konzern zahlen müssen.

Die 30 Prozent vom Preis, die sowohl Apple als auch Google bei In-App-Käufen einbehalten, bilden den Kern des Streits. Schon seit einiger Zeit gibt es Kritik an der Höhe der Abgabe - und im Fall von Apple auch daran, dass die Entwickler bei In-App-Käufen keine alternativen Bezahlwege anbieten können. Der Musikdienst Spotify reichte deswegen Beschwerde bei den Wettbewerbshütern der EU-Kommission ein.

#FreeFortnite
Epic wird mit dem Vorstoß von Donnerstag nun aber zum Wortführer einer regelrechten Rebellion gegen das System. Die Firma ließ ihre laut Eigenangaben mehr als 350 Millionen Spieler wissen, dass ihnen neue Inhalte der nächsten Season von „Fortnite“ verwehrt bleiben werden, selbst wenn sie die App bereits nutzen. Und Epic rief die Kunden auf, sich bei Apple mit dem Hashtag #FreeFortnite zu beschweren. 

Für Nutzer von Android-Geräten ist die Situation etwas anders: Google lässt dort Apps nicht nur aus dem hauseigenen Play Store, sondern auch aus anderen Quellen laden. Apple lehnt diesen Ansatz unter Verweis auf potenzielle Risiken für Nutzer durch präparierte Apps ab.

Apple verweist auf Sicherheitsbedenken
Apple verwies darauf, dass Epic gegen die App-Store-Regeln verstoßen habe. „Sie gelten gleichermaßen für jeden Entwickler und dienen dazu, den Store sicher für unsere Nutzer zu halten.“ Epic habe die neue Funktion mit der Absicht eingeführt, die Richtlinien zu verletzen. Google betonte jedenfalls, Entwickler müssten sich an die Regeln halten, um im Play Store zu bleiben. In den vergangenen Jahren hatte Epic „Fortnite“ auf Android-Geräten bereits zeitweise am Play Store vorbei vertrieben.

Apple erklärt stets, dass man mit der Vorgabe, die In-App-Käufe über das System der Plattform abwickeln zu müssen, die Kunden vor Betrug schützen wolle. Zugleich ist es einigen Abo-Diensten wie etwa Netflix erlaubt, Verträge mit Nutzern auf ihren eigenen Websites abzuschließen. Die Nutzer können sich dann auf ihren iPhones und iPads einloggen - und für die Anbieter wird keine Abgabe an Apple fällig.

Seitenhieb
Epic war gut auf den Showdown vorbereitet. Die Firma hatte nicht nur schnell die gut 60-seitige Klage parat, sondern auch ein Video, das einen legendären Werbeclip des Konzerns aus dem Jahr parodierte. In „1984“ hatte Apple in Anlehnung an George Orwells gleichnamiges Buch das Aufbegehren gegen eine totalitäre Welt dargestellt. Der 1984 gezeigte Clip sollte den Eintritt von Apple in den von IBM dominierten PC-Markt einleiten. Epic stellte das Video jetzt als Computeranimation nach, die Rolle des Diktators spielt eine Figur mit einem Kopf in Form eines Apple-Logos.

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