07.09.2020 15:49 |

Gamer fuchsteufelswild

Shitstorm für EA wegen Reklame in Vollpreis-Spiel

Wer ein Videospiel um 70 Euro kauft, geht eigentlich davon aus, dass er dem Hersteller gegenüber damit seine Schuldigkeit getan hat. Bei EA gab man sich beim Kampfsport-Simulator „UFC 4“ mit dem Kauf des Spieles allerdings nicht zufrieden, sondern machte auch Geld mit Werbung im Spiel. Eine Vorgehensweise, die viele Spieler als inakzeptabel empfinden und EA wieder einmal einen veritablen Shitstorm eingebracht hat.

Stein des Anstoßes: Beim erst vor wenigen Wochen veröffentlichten Kampfsport-Spiel „UFC 4“ nutzt EA Wiederholungen in Kämpfen, um Reklame einzublenden. Rund eine Sekunde lang verdeckte bei vielen Nutzern mehrmals Werbung für die Amazon-Serie „The Boys“ das komplette Spiel, zusätzlich wurde Werbung in die Benutzeroberfläche eingebaut.

Enttäuschter Gamer: „Typisch EA!“
Im Online-Forum Reddit berichten zahlreiche „UFC“-Spieler von der Problematik - und mutmaßen, dass EA einen Monat mit der Werbung zugewartet hat, um nicht gleich bei der Veröffentlichung schlechte Rezensionen zu ernten. Die Gamer sind fuchsteufelswild.

Einer schreibt ob des nicht sonderlich guten Rufs, den sich EA im Laufe der Jahre bei den Gamern verdient hat: „Typisch EA!“ Ein anderer: „EA-Spiele sind die einzigen, die ich raubkopiere. Und ich habe überhaupt kein schlechtes Gewissen deswegen.“ Ein weiterer: „Ich habe null Problem damit, wenn so etwas in einem Free-to-Play-Spiel passiert. Aber wenn ich dafür bezahle, erwarte ich mir mehr.“

EA entschuldigte sich, entfernte Werbung
Nach einer Weile war der Shitstorm, der sich auf Reddit entfaltet hatte, auch für EA nicht mehr zu übersehen. Also meldete sich der Publisher zu Wort und gab zu, dass man festgestellt habe, „dass die Integration von Werbung in das Replay- und Overlay-Erlebnis nicht erwünscht ist.“

Prompt schaltete EA die Werbung in „UFC 4“ wieder ab, gab zu, dass man die Spieler zumindest vorher über die Reklame informieren hätte müssen, und erklärte: „Wir entschuldigen uns für jegliche Unterbrechung des Spielerlebnisses, das die Gamer möglicherweise erlebt haben.“ Dass es für diese Erkenntnis erst einen ausgewachsenen Shitstorm gebraucht hat, verstehen viele Spieler trotzdem nicht.

Nicht die erste Geldmacherei in Vollpreisspiel
EA hat sich in den letzten Jahren immer wieder mit fragwürdigen Geschäftspraktiken den Zorn der Spieler zugezogen und schon öfter Spiele nach der Markteinführung ändern müssen. So zum Beispiel beim Start des „Star Wars“-Multiplayer-Shooters „Battlefront 2“, der 2017 mit an Glücksspiel erinnernden Lootbox-Mechaniken veröffentlicht wurde und damit ebenfalls massive Kritik erntete.

EA deaktivierte die lukrativen In-Game-Kaufmöglichkeiten in Folge wieder, doch der Schaden war bereits entstanden: In Belgien schaltete sich die Glücksspielbehörde ein, weltweit wurde angesichts der EA-Praktiken intensiv über Echtgeld-Käufe in Vollpreisspielen debattiert.

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