Falsche Installateure

88-Jährige zu Hause überfallen: Gefängnisstrafe

Gericht
28.07.2026 16:55

Der Plan war weder gut durchdacht noch von Erfolg gekrönt. Am 8. April wollten die fünf Angeklagten einen Wiener als falsche Installateure zu Hause überfallen – der knallte ihnen aber einfach die Nase zu. Doch nur vier Monate zuvor hatte eine betagte Frau in Niederösterreich leider nicht den gleichen Reflex ...

Das Opfer ist 88 Jahre alt, als sich zwei junge Männer am 18. Dezember 2025 Zutritt zu ihrem Haus in Langenzersdorf (NÖ) verschafften. Während die betagte Dame gerade zu Hause war, läuteten sie an und gaben vor, Installateure zu sein. Was danach passierte, kann die Niederösterreicherin wohl nie vergessen: Die falschen Handwerker überwältigten sie, versetzten ihr Schläge – und fesselten und knebelten sie schließlich im Schlafzimmer. 

Zweite Home-Invasion geplant
All das für eine lächerliche Beute von 120 Euro und einem Mobiltelefon. Einer der beiden Täter sitzt jetzt im Wiener Landesgericht auf der Anklagebank: ein erst 19-jähriger Serbe. Aber er ist nicht alleine. Denn zusammen mit vier weiteren Männern wollte er am 8. April eine weitere Home-Invasion begehen. „Ich hab' lange nicht mehr so einen patscherten Raub gesehen“, fasst es einer der Verteidiger, Elmar Kresbach, zusammen. 

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Er wusste, wo es Geld zu holen gab. Sein Plan war: Der Mann hat Geld. Wir sollen reingehen und es rausholen.

Angeklagter Serbe (32)

Denn der ganze Tatplan entstand erst einen Tag davor. „Es war ein blödsinniger Plan“, gibt ein 32-jähriger Serbe zu. „Wie der Zufall so möchte, hatten wir bissl Drogen dabei.“ Der gleichaltrige Zweitangeklagte ergänzt: „Vier Tage waren wir wach auf Kokain.“ Und dann kam der unbekannte Mittäter dazu, der auch schon bei dem Überfall auf die 88-Jährige federführend gewesen sein soll: „Er wusste, wo es Geld zu holen gab. Sein Plan war: Der Mann hat Geld. Wir sollen reingehen und es rausholen.“

Nur zwei der Angeklagten: Jener im grauen Anzug überfiel auch die alte Niederösterreicherin.
Nur zwei der Angeklagten: Jener im grauen Anzug überfiel auch die alte Niederösterreicherin.(Bild: Martin A. Jöchl)

Der Modus Operandi – genau wie bei der 88-Jährigen: „Die Täter geben sich als Installateur aus und bieten eine billige Thermenwartung an“, klagt die Staatsanwältin an. Einer sollte in die Wohnung hineingehen, die Tür einen Spalt offen lassen. Der Rest stürmt nach, schüchtert den Bewohner ein und packt schließlich alle Wertgegenstände ein. Das Problem: „Das Opfer schloss die Tür immer wieder“, erklärt die Staatsanwältin. Also zogen die fünf Männer ohne Beute mit ihrer Schreckschusspistole wieder ab.

Von links nach rechts: die Verteidiger Wolfgang Haas, Elmar Kresbach, Bettina Casper-Bures, ...
Von links nach rechts: die Verteidiger Wolfgang Haas, Elmar Kresbach, Bettina Casper-Bures, Philipp Winkler und Michael Babic(Bild: Martin A. Jöchl)

War es ein Rücktritt vom Versuch?
„Schauen Sie sich bitte genau an, was das rechtlich bedeutet“, appelliert Verteidigerin Bettina Caspar-Bures. Sie spricht vom Rücktritt vom Versuch, der für vier Männer straffrei enden würde. Außer natürlich für den 19-jährigen Serben, der an dem brutalen Überfall auf die 88-Jährige beteiligt war. „Er war dabei. Er wollte die Frau nicht verletzen und hat sie nicht geschlagen“, sagt sein Anwalt. Das wäre nämlich jener unbekannte Täter gewesen, der auch den fünf Männern den späteren Plan präsentierte. Jener Täter, der nun in Bosnien hinter Gittern sitzen soll ...

Dort müssen die in Wien Angeklagten nun auch ein bisschen Zeit verbringen. Die Männer fassen zwischen zweieinhalb und sieben Jahre Haft aus. Die strengste Strafe erhält jener 19-Jährige, der auch die alte Niederösterreicherin überfallen hatte. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.

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