Der Plan war weder gut durchdacht noch von Erfolg gekrönt. Am 8. April wollten die fünf Angeklagten einen Wiener als falsche Installateure zu Hause überfallen – der knallte ihnen aber einfach die Nase zu. Doch nur vier Monate zuvor hatte eine betagte Frau in Niederösterreich leider nicht den gleichen Reflex ...
Das Opfer ist 88 Jahre alt, als sich zwei junge Männer am 18. Dezember 2025 Zutritt zu ihrem Haus in Langenzersdorf (NÖ) verschafften. Während die betagte Dame gerade zu Hause war, läuteten sie an und gaben vor, Installateure zu sein. Was danach passierte, kann die Niederösterreicherin wohl nie vergessen: Die falschen Handwerker überwältigten sie, versetzten ihr Schläge – und fesselten und knebelten sie schließlich im Schlafzimmer.
Zweite Home-Invasion geplant
All das für eine lächerliche Beute von 120 Euro und einem Mobiltelefon. Einer der beiden Täter sitzt jetzt im Wiener Landesgericht auf der Anklagebank: ein erst 19-jähriger Serbe. Aber er ist nicht alleine. Denn zusammen mit vier weiteren Männern wollte er am 8. April eine weitere Home-Invasion begehen. „Ich hab' lange nicht mehr so einen patscherten Raub gesehen“, fasst es einer der Verteidiger, Elmar Kresbach, zusammen.
Er wusste, wo es Geld zu holen gab. Sein Plan war: Der Mann hat Geld. Wir sollen reingehen und es rausholen.
Angeklagter Serbe (32)
Denn der ganze Tatplan entstand erst einen Tag davor. „Es war ein blödsinniger Plan“, gibt ein 32-jähriger Serbe zu. „Wie der Zufall so möchte, hatten wir bissl Drogen dabei.“ Der gleichaltrige Zweitangeklagte ergänzt: „Vier Tage waren wir wach auf Kokain.“ Und dann kam der unbekannte Mittäter dazu, der auch schon bei dem Überfall auf die 88-Jährige federführend gewesen sein soll: „Er wusste, wo es Geld zu holen gab. Sein Plan war: Der Mann hat Geld. Wir sollen reingehen und es rausholen.“
Der Modus Operandi – genau wie bei der 88-Jährigen: „Die Täter geben sich als Installateur aus und bieten eine billige Thermenwartung an“, klagt die Staatsanwältin an. Einer sollte in die Wohnung hineingehen, die Tür einen Spalt offen lassen. Der Rest stürmt nach, schüchtert den Bewohner ein und packt schließlich alle Wertgegenstände ein. Das Problem: „Das Opfer schloss die Tür immer wieder“, erklärt die Staatsanwältin. Also zogen die fünf Männer ohne Beute mit ihrer Schreckschusspistole wieder ab.
War es ein Rücktritt vom Versuch?
„Schauen Sie sich bitte genau an, was das rechtlich bedeutet“, appelliert Verteidigerin Bettina Caspar-Bures. Sie spricht vom Rücktritt vom Versuch, der für vier Männer straffrei enden würde. Außer natürlich für den 19-jährigen Serben, der an dem brutalen Überfall auf die 88-Jährige beteiligt war. „Er war dabei. Er wollte die Frau nicht verletzen und hat sie nicht geschlagen“, sagt sein Anwalt. Das wäre nämlich jener unbekannte Täter gewesen, der auch den fünf Männern den späteren Plan präsentierte. Jener Täter, der nun in Bosnien hinter Gittern sitzen soll ...
Dort müssen die in Wien Angeklagten nun auch ein bisschen Zeit verbringen. Die Männer fassen zwischen zweieinhalb und sieben Jahre Haft aus. Die strengste Strafe erhält jener 19-Jährige, der auch die alte Niederösterreicherin überfallen hatte. Die Urteile sind nicht rechtskräftig.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.