Paar brutal attackiert

Gewalteskalation gegen Ukrainer erschüttert Polen

Ausland
28.07.2026 16:20
Porträt von krone.at
Von krone.at

Nach einem brutalen Übergriff auf ein Paar aus der Ukraine hat Polens Regierungschef Donald Tusk die wachsende Gewalt gegen die Kriegsflüchtlinge in seinem Land kritisiert – und vor einer gesellschaftlichen Zerstörung gewarnt.

Zu Beginn des russischen Angriffskriegs sei die Welt beeindruckt gewesen von der Solidarität der Polen mit den Kriegsflüchtlingen aus dem Nachbarland, sagte Tusk in Warschau.

„Das alles wird gerade zerstört, wenn wir zulassen, dass Banditen, Hooligans und gewöhnliche Kriminelle Menschen schlagen und erniedrigen, nur weil sie einen etwas anderen Akzent haben“, so Tusk.

Paar brutal zusammengeschlagen
Tusk bezog sich auf einen Vorfall, der sich am Sonntag in Breslau (Wroclaw) ereignet hatte. Nach Angaben der Polizei begann alles mit einem Streit in einem Geschäft. Auf Videoaufnahmen, die in sozialen Netzwerken verbreitet wurden, ist zu sehen, wie drei Männer eine junge Ukrainerin und ihren Partner zusammenschlugen.

Die drei Männer traten auf den bereits am Boden liegenden Ukrainer ein, das Mädchen wurde mit einem Schlagring am Kopf getroffen und erlitt Verletzungen am Ohr. Die Polizei nahm zwei Tatverdächtige fest – beide sind einschlägig vorbestraft. Wie eine Sprecherin der Polizei sagte, liegt der Tat ein „nationalistisch motiviertes Aggressionsmotiv“ zugrunde.

Ukraine fordert Untersuchung des Vorfalls
Die Regierung in Kiew reagierte. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha schrieb am Montag auf X, die Ukraine erwartete eine unparteiische und objektive Untersuchung. Er forderte „bestimmte polnische Politiker“ auf, die Feindseligkeiten nicht weiter zu schüren. Dies war auch eine Anspielung auf Polens Staatsoberhaupt Karol Nawrocki.

Nawrocki hatte kürzlich in einem Geschichtsstreit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj Polens höchsten Orden entzogen. Dies hatte die antiukrainische Stimmung, besonders im rechten Lager, befeuert. Nun appellierte auch Regierungschef Tusk an Nawrocki: Dieser möge zur Gewalt gegen Ukrainer nicht länger schweigen.

Schon vor 2022 lebten und arbeiteten Hunderttausende Ukrainer und Ukrainerinnen in Polen. Nach dem russischen Einmarsch nahm Polen sehr hilfsbereit Flüchtlinge auf und integrierte sie. Die Zahl der ukrainischen Staatsbürger in Polen liegt gegenwärtig bei 1,5 Millionen.

Doch mehr als vier Jahre nach Beginn des Angriffskriegs wachsen in Polen die Ressentiments. Wie die Zeitung „Rzeczpospolita“ kürzlich unter Berufung auf die neuesten Statistiken der Polizeizentrale berichtete, wurden allein im ersten Halbjahr des laufenden Jahres 180 Fälle von Hassverbrechen gegen Ukrainer gemeldet. Dies war ein Drittel mehr als im Vorjahreszeitraum.

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