02.07.2020 09:39 |

Neuer Player in Arbeit

Was der ORF für den Nachfolger der TVthek plant

Generaldirektor Alexander Wrabetz will die Digitalstrategie des ORF „massiv beschleunigen“. Vorgesehen sei ein ORF-Player mit „Andockmöglichkeiten“ für Private, sagte er im Gespräch mit Journalisten. „Ich glaube, man ist eher davon abgekommen, dass alle österreichischen Medien einen gemeinsamen Player machen sollen, weil sich die unterschiedlichen Interessen schwer unter einen Hut bringen lassen.“

Eine Zusammenarbeit mit privaten Medienhäusern kann er sich aber in mehreren Bereichen gut vorstellen. Welche genau das sind, soll in den kommenden Monaten geklärt werden. Er sei etwa nach wie vor für einen gemeinsamen Login-Bereich. Ganz aufgegeben habe er auch die Idee einer gemeinsamen Online-Vermarktungsplattform („Marketplace“) noch nicht.

Private hoffen auf Zugang zum ORF-Archiv
„Sicher noch viele Diskussionen“ werde es aber in der Frage der Nutzung des ORF-Archivs geben. Hier könne er sich zwar Verbesserungen vorstellen, „aber naturgemäß werden wir die Inhalte unserer Archive nicht zur kommerziellen Nutzung hergeben können“, betonte er. „Unsere neu produzierten Filme am nächsten Tag der Konkurrenz zu schenken, das wird schon aus rechtlichen Gründen nicht gehen.“

Vorstellbar wäre für ihn dagegen ein erleichterter Zugang für den Fall, dass ein anderer Sender mit vom ORF gedrehten Material eine neue Doku herstellen will. Auch das Publikum soll Zugang zum Archiv erhalten, wünscht sich Wrabetz. Flimmit könnte als Premiumangebot mit „einer niedrigen Bezahlschranke“ an den Player angedockt werden.

„ZiB 1“-Durchschaltung bleibt vorerst
Die Durchschaltung der „Zeit im Bild 1“, die am 15. März, dem Tag vor dem Lockdown, wieder eingeführt wurde, soll jedenfalls bis Ende August, vermutlich aber dauerhaft aufrecht bleiben. „Wir bereiten einen Beschluss vor, dass das endgültig wieder so sein wird“, sagte Wrabetz. Denn die vergangenen Wochen hätten gezeigt, dass die Durchschaltung nicht nur während der Coronahochzeiten, sondern auch im langsam wieder eintretenden Normalbetrieb positive Programmeffekte habe. „Wir unterstreichen damit auch die Rolle von ORF 1 als Träger von Informationssendungen.“

Auch die Verlängerung der „ZiB 1“ soll beibehalten werden. Die „Seitenblicke“ sollen nach Möglichkeit nicht erst Ende August, sondern bereits Ende Juli auf den Schirm zurückkehren. Hier müsse man sich noch überlegen, was stattdessen auf ORF 1 gezeigt wird. „Es wird aber natürlich nicht die ZiB 20 sein, das wäre sinnlos, wieder eine Nachrichtensendung mit ähnlichen Inhalten anzubieten.“

Wrabetz will keine Experimente machen
In Bezug auf die „schwierige Situation“ von ORF 1 will sich Wrabetz eher darauf konzentrieren, „die Dinge, die funktionieren, zu stärken“, als „neue Experimente“ zu machen. Die Kurznachrichten werden zukünftig vom neuen Newsdesk des gemeinsamen Newsrooms erstellt, aber die vertiefende Information und der „etwas augenzwinkernde Informationszugang“ von ORF 1 soll beibehalten werden. Berichte, wonach Peter Kliens „Gute Nacht Österreich“ eingestellt werden könnte, dementierte er. Allerdings habe die Sendung ihr volles Potenzial noch nicht ausgeschöpft.

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Wir gehen davon aus, dass die Strategie der Regierung sein wird, es zu keinem größeren Shutdown kommen zu lassen, sondern dass die Clustervermeidungsstrategie im Vordergrund stehen wird. Und daher müssen wir alles tun, dass wir nicht selbst ein Cluster werden.

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz

Kurzarbeit soll es im ORF noch bis Ende September geben, dann aber nur noch für rund 200 Mitarbeiter. Zu Beginn der Krise waren rund 600 Mitarbeiter in Kurzarbeit. Insgesamt erspart sich der ORF dadurch etwa sechs bis sieben Millionen Euro. Außerdem soll über den Sommer rund die Hälfte der Mitarbeiter weiterhin im Homeoffice arbeiten. „Wir gehen davon aus, dass die Strategie der Regierung sein wird, es zu keinem größeren Shutdown kommen zu lassen, sondern dass die Clustervermeidungsstrategie im Vordergrund stehen wird. Und daher müssen wir alles tun, dass wir nicht selbst ein Cluster werden.“

Krise kostet ORF 75 Millionen Euro
Insgesamt kostet die Coronakrise den ORF knapp 75 Millionen Euro, bekräftigte Wrabetz. Die Summe setzt sich aus Rückgängen bei den Werbeerlösen (rund 35 Millionen), zu erwartenden Mindereinnahmen bei der GIS sowie aus Mehrkosten durch Sicherheitsmaßnahmen und den temporären Baustopp am Küniglberg zusammen. Da mehrere sportliche Großereignisse auf 2021 verschoben wurden, wird heuer ein operativer Verlust von knapp 30 Millionen Euro erwartet. Nach verschiedenen Einmalerlösen werde das Ergebnis bei minus 13 Millionen Euro liegen, sollte sich die Situation rund um das Coronavirus nicht wieder verschlimmern.

„Aber 2021 müssen wir in die schwarzen Zahlen zurückkommen“, betonte Wrabetz. Dieser Prozess sei für alle Bereiche „extrem schwierig“, aber alternativlos. Ziel sei, die Programmleistungen in möglichst großem Umfang aufrechtzuerhalten. Der geplante Abbau von 300 Stellen soll wie vorgesehen bis Ende 2021 abgeschlossen werden. Allerdings seien auch darüberhinausgehende Personalreduktionen nicht auszuschließen.

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Der 15. März wird Fernsehgeschichte schreiben, weil er seit Einführung des Teletests 1991 der stärkste TV-Tag überhaupt war.

ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz

„Wir haben uns in der Coronazeit gut bewährt“, zog Wrabetz über die vergangenen Monate Bilanz. „Der 15. März wird Fernsehgeschichte schreiben, weil er seit Einführung des Teletests 1991 der stärkste TV-Tag überhaupt war.“ Der ORF habe an diesem Tag rund 5,2 Millionen Zuseher mit seinen Informationssendungen erreicht. In Summe brachte der ORF über 700 Sondersendungen in Fernsehen und Radio.

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