ÖAMTC-Crashtest zeigt:

So ist der Heimweg vom Möbelhaus lebensgefährlich

Motor
09.06.2020 19:00
Porträt von krone.at
Von krone.at

Auch wenn wir noch immer Masken tragen müssen und die Pandemie nur gefühlt, aber noch nicht wirklich überwunden ist: Die Freude am Einkaufen lassen wir uns nicht verderben. Hier noch ein Teil, da noch ein Paket, der Einkaufswagen quillt schon über. So weit, so gut. Aber jetzt ist wichtig, dass man alles so im Auto verstaut, dass wir die Begeisterung im Extremfall nicht mit dem Leben bezahlen, wie ein ÖAMTC-Crashtest zeigt.

Der Mobilitätsklub und seine Partner haben zwei VW Golf 5 Variant mit üblichen Einkäufen aus einem Möbelhaus beladen. Im einen Fahrzeug wurde alles gut gesichert, im anderen nicht. Dann wurden beide mit 45 km/h auf ein Hindernis gefahren. Das Ergebnis: bei einem der beiden verheerend. Klar, bei welchem.

Im Kombi mit der ungesicherten Ladung reißen die schweren Pakete die Sitze beim Aufprall teilweise aus ihren Verankerungen und drücken Fahrer und Beifahrer nach vorne. Lose Teile fliegen durch das Fahrzeug und treffen die Dummys hart am Kopf. In der Realität wären schwerste bis tödliche Verletzungen die Folge."

“Von der relativ geringen Geschwindigkeit sollte man sich nicht täuschen lassen, denn der Aufprall entspricht bei diesem Tempo bereits einem freien Fall aus einer Höhe von acht Metern„, erläutert ÖAMTC-Techniker Steffan Kerbl..

Verzurren hilft - aber ein Pkw ist kein Transporter
Beim zweiten Testfahrzeug wurde die Ladung mit Zurrgurten gesichert, Kleinteile wurden so verstaut, dass sie nicht nach vorne fliegen konnten. Außerdem wurde ein Gepäcknetz verwendet. “All das hilft, die Einkäufe von der ersten Sitzreihe fernzuhalten. So konnte auch kein erhöhtes Verletzungsrisiko festgestellt werden„, so der Experte. Außerdem sollten die Rücksitze mit den Gurten gesichert werden, wenn dort niemand sitzt bzw. sie nicht zum Verstauen von Ladung umgeklappt werden müssen.

Kerbl gibt allerdings zu bedenken: “Die Rückhaltemöglichkeiten in einem Pkw sind limitiert. Der Test hat gezeigt, dass sie bereits bei relativ geringer Geschwindigkeit und einer Zuladung von 145 kg an ihre Grenzen stoßen.„ Beim simulierten Crash wirkte kurzfristig ein Gewicht von über sieben Tonnen auf die Sicherungsgurte - werden solche allerdings nicht verwendet, bewegt sich die Ladung mit diesem Gewicht frei im Pkw. “Bei vielen Autofahrern scheint offenbar jedes Gespür für die enormen Kräfte, die beim Unfall durch die Ladung entstehen, zu fehlen", hält Kerbl fest.

ÖAMTC-Tipps zum Thema Ladungssicherung: 

  • Pakete nach unten und vor allem nach vorne mit durch Gurte abspannen
  • Falls vorhanden: Gepäcknetz verwenden, lose Teile in Boxen verstauen, bruchgefährdete Ware in Decken wickeln
  • Unbedingt vermeiden: Ladung, die bis in den vorderen Fahrgastraum reicht. In diesem Fall unbedingt Alternativen wie einen Anhänger oder einen Transporter verwenden
  • Möglichst formschlüssig sichern, d. h. an festen Teilen im Auto anliegen lassen, um ein Verrutschen zu verhindern
  • Rücksitzlehne durch diagonal geschlossenen Gurte unterstützen, wenn dort niemand sitzt
  • Nicht grundsätzlich die Sitze umklappen, sie können auch als schützende Trennwand dienen
  • Gewichtsverteilung: Schwere Gegenstände nach unten
  • Auf Reifendruck und Achslast laut Bedienungsanleitung achten

Übrigens: Mangelhafte Ladungssicherung ist ein Vermerkdelikt.

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