11.03.2020 11:39 |

„Mehr Müll“

Elektro-Verband gegen „Recht auf Reparatur“

Der deutsche Elektro-Branchenverband Bitkom hat vor der Einführung eines „Rechts auf Reparatur“ für Elektrogeräte gewarnt. Eine derartige Regelung würde die Menge anfallender Abfälle nicht reduzieren und die Funktionalität von Geräten beeinträchtigen, erklärte Bitkom-Präsident Achim Berg in Berlin.

Hintergrund ist ein neuer Aktionsplan für eine europäische Kreislaufwirtschaft, den EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevicius und Vizekommissionspräsident Frans Timmermans am Mittwoch vorstellten. Dadurch soll sichergestellt werden, dass der Einsatz von Rohstoffen und die Abfallproduktion minimiert werden, die Ressourcen so lange wie möglich in der EU bleiben und auch der Energieverbrauch so gering wie möglich gehalten wird. Sinkevicius bezeichnete die Strategie als „wirtschaftliches Herz“ des Green Deals der EU-Kommission, mit dem die Klimaneutralität bis 2050 erreicht werden soll, und „Garantie für nachhaltiges Wachstum“.

Der Plan der EU-Kommission legt den Fokus auf jene Sektoren, die besonders ressourcenintensiv sind. Dazu gehören Elektronik und Telekommunikationstechnologie, Batterien und Fahrzeuge, Verpackungen, Plastik und Textilien. Auch eine Strategie für nachhaltige Bauweise ist vorgesehen. Für die Konsumenten sieht der Aktionsplan ein „Recht auf Reparatur“ vor. Dieses wurde von dem SPÖ-EU-Abgeordneten Günther Sidl als „klarer Auftrag für die Industrie“ begrüßt. „Reparieren statt Wegschmeißen muss das Gebot der Stunde sein“, so der Europaparlamentarier, der nun von der EU-Kommission die Festlegung von Etappenzielen für den Aktionsplan in den einzelnen Gesetzesvorschlägen fordert.

Bitkom-Präsident befürchtet „mehr Müll“
Vom „Recht auf Reparatur“ hält Bitkom-Präsident Berg indes wenig. „Eine Verpflichtung, eine Vielfalt von Ersatzteilen für lange Jahre auf Vorrat zu produzieren und einzulagern, dürfte mehr Müll erzeugen als vermeiden“, kritisierte er. Zudem könnten komplexe Geräte wie Smartphones „nicht so flach, leicht und leistungsfähig und obendrein wasser- und staubdicht“ - und zugleich einfach reparabel sein. Auch böten die meisten Hersteller neben den gesetzlichen Gewährleistungen bereits freiwillig Garantien.

Verbraucher sollen besser aufpassen
Viele Schäden treten laut Verbandspräsident Berg „nicht aufgrund von Materialfehlern oder Abnutzungserscheinungen auf, sondern schlicht, weil die Geräte nicht ausreichend geschützt werden“. Die Verbraucher könnten zunächst selbst besser auf die Langlebigkeit ihrer Geräte achten.

Jeder Einwohner Deutschlands produziert im Schnitt mehr als 20 Kilogramm Elektroschrott. Jährlich werden 24 Millionen neue Smartphones verkauft. In der Bundesrepublik fordern Grüne und Linke deshalb ein „Recht auf Reparatur“. Die EU-Kommission könnte für eine derartige Maßnahme auf europäischer Ebene den Weg ebnen.

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