10.03.2020 04:00 |

Abenteuer light

KTM 390 Adventure: Universaltalent für alle Tage

Wer träumt nicht von der Motorradtour, auf der man selbst vor unwegsamen Pfaden nicht Halt machen muss? Mit der neuen KTM 390 Adventure bleibt dies künftig auch Besitzern eines A2-Führerscheins nicht verwehrt. Schließlich steckt im jüngsten Spross der Adventure-Familie aus Mattighofen das Knowhow aus über 20 Jahren Reiseenduro-Entwicklung und 18 Dakar-Siegen. Da darf man schon erwarten, dass er auch offroad taugt.

Seit 1997, als aus der Dakar-Wettbewerbsmaschine 620 Rally eine 620 Adventure wurde, baut KTM Reiseenduros, die 390er ist aber die erste Einzylinder-Adventure seit 2007, als man in Mattighofen die Produktion der 640 Adventure einstellte, um fortan mit 950, 990, 1090, 1190 und 1290 Super Adventure immer wieder größer, schneller und stärker zu werden. Im Vorjahr erfolgte mit der 790 Adventure ein Schritt zurück in die boomende Mittelklasse - und wenn es eine solche gibt, ist es nur gut und recht, auch darunter ein A2-taugliches „Einsteigermodell“ zu offerieren.

Ausstattung setzt neue Maßstäbe
Der 790 Adventure sieht die Neue nicht nur wegen ihres unverwechselbaren „Insekten-Gesichts“ speziell aus der Entfernung zum Verwechseln ähnlich, sie ist auch ähnlich top ausgestattet, was in diesem Fahrzeugsegment definitiv neue Maßstäbe setzt. Neben dem 5-Zoll-Farbdisplay, das nicht nur bei nahezu allen Lichtverhältnissen sämtliche relevanten Informationen gut ablesbar anzeigt, sondern in Verbindung mit der „My Ride App“ von KTM auch zur Kommunikationszentrale für Telefon, Musik oder Navigation wird, hat die Kleine Ride-by-Wire, Anti-Hopping-Kupplung, Kurven-ABS mit Offroad-Funktion, kurvenabhängige Traktionskontrolle, rundum LED-Beleuchtung, 12-Volt-Steckdose oder einstellbare Kupplungs- und Bremshebel serienmäßig mit an Bord und kommt so ganz schön groß daher. Gefertigt wird das Motorrad bei Bajaj in Indien, alle nach Europa verkauften Modelle kommen vor der Auslieferung zur Qualitätskontrolle nach Mattighofen.

Motor stammt eins zu eins aus der Duke
Der 373-Kubik-Einzylinder stammt aus der 390 Duke bzw. schon aus dem 2021er-Modell derselben und blieb im Unterschied zur 790er, wo man für die Adventure die Leistung gegenüber dem Naked Bike kappte und dafür an Drehmoment zulegte, unverändert. Das drehfreudige Aggregat leistet 44 PS bzw. 37 Newtonmeter und versprüht ab etwa 2500 Touren Leben. So kann die 390 Adventure durchaus auch cruisen, richtig in ihrem Element ist sie aber erst, wenn man sie auf Drehzahl hält. Da zaubert das Bike auch erfahrenen Piloten ein Grinsen unter den Helm, speziell auf verwinkelten, kurvenreichen Strecken, wie wir sie bei unserem Test auf Teneriffa hatten.

Spielerisch lässt sich die 390 Adventure durch engste Haarnadelkurven dirigieren, das Fahrwerk überzeugt durch gute Rückmeldung und Stabilität, lässt erst jenseits der 120 km/h bzw. richtig flotten, langgezogenen Kurven seine Grenzen erahnen. Mit 170 Millimeter Federweg vorne und 177 hinten kommen die einstellbaren (!) WP-Apex-Fahrwerkskomponenten auch mit Unebenheiten sehr gut zurecht, was der kleinen Adventure überraschend gute Offroadfähigkeiten verleiht. Auf den holprigen, teils ordentlich zerfurchten Schotterpisten unserer Testtour vertrug sie durchaus engagiertes Tempo, machten auch die Gussfelgen in den Dimensionen 19 Zoll vorne und 17 Zoll hinten einen stabilen Eindruck. Hier schaltet man die doch recht früh eingreifende Traktionskontrolle am besten weg und das ABS auf Offroad, wodurch es am Hinterrad deaktiviert ist und vorne nur moderat reguliert. Auch einfache Geländepassagen lassen sich dank einer an Sportenduros erinnernden Ergonomie gut bewältigen, wobei hier die überschaubare Bodenfreiheit von 200 Millimetern doch Grenzen setzt.

Lange Etappen sind keine Qual
Da kommt auch das moderate Gewicht von 158 Kilo trocken bzw. 172 Kilo vollgetankt zum Tragen, das das Motorrad auch für Einsteiger sehr zugänglich und handlich macht. Vorausgesetzt sie erklimmen die 855 Millimeter hohe Sitzbank, wobei KTM für kleinere bzw. weniger geübte Piloten optional auch eine Tieferlegung um 25 Millimeter anbietet. Das komfortabel straffe Sitzpolster lässt selbst lange Touren nicht zur Qual werden, der Kniewinkel ist etwas spitzer als bei der größeren 790er-Schwester, aber durchaus noch angenehm. Verzögert wird vorne mit einer 320-Millimeter und hinten mit einer 230-Millimeter-Scheibe, die radiale Bybre-Bremszange („By Brembo“, also die günstige Linie des Premium-Herstellers) lässt sich sehr gut dosieren und erst bei Geschwindigkeiten jenseits des auch auf heimischen Autobahnen Erlaubten leichte Schwächen erkennen.

Der Topspeed liegt übrigens bei 160 km/h. KTM gibt einen Durchschnittsverbrauch von 3,37 Liter auf 100 Kilometer an, was beim 14,5-Liter-Tank Reichweiten von jenseits der 400 Kilometer-Marke denkbar macht; auf unserer flotten Testfahrt mit hohem Offroad-Anteil genehmigte sich der Single knapp über vier Liter. Im Alltagsbetrieb erscheinen 350+ Kilometer pro Tankfüllung aber absolut realistisch, was immer noch ein sehr guter Reiseenduro-Wert ist. Überschaubar ist hingegen der Windschutz durch die kleine Scheibe, die nur mit Werkzeug in zwei Stufen verstellbar ist. Wer es gerne zugfreier hat, kann im Zubehör aber einen größeren Windschild ordern.

Quickshifter eines von 160 (!) angebotenen Extras
Als absolut empfehlenswertes Extra muss dieser süchtig machende Quickshifter mit Blipper-Funktion erwähnt werden, mit dem unsere Testmotorräder auf Teneriffa ausgestattet waren und der die Gänge butterweich rauf- und runterschalten lässt. Übrigens eines von nicht weniger als 160 (!) Powerparts, mit denen man seine KTM 390 Adventure individualisieren kann - unter anderem etwa auch mit einem Akrapovic-Endschalldämpfer oder schmucken Speichenrädern, was dann freilich den Anschaffungspreis doch in die Höhe schnellen lässt.

Muss man aber gar nicht, bekommt man doch zu fairen 6.899 Euro schon eine moderne, punkto Elektronik top ausgestattete Einsteiger-Reiseenduro, die auch im Detail sehr wertig verarbeitet wirkt. Ein Universaltalent für alle Tage, das sowohl für den Weg durch den Großstadtdschungel in die Arbeit, als auch für ausgedehnte Straßentouren und Abstecher auf unbefestigte Wege oder in moderates Gelände bereit ist, dort ganz sicher nicht nur A2-Führerscheinbesitzern Spaß macht. Und mit dem KTM auch neue, interessante „Entwicklungsmärkte“, etwa in Südamerika oder Asien, erschließen wird. So soll fast die Hälfte der anvisierten rund 22.000 produzierten Fahrzeuge des ersten Modelljahres in Indien bleiben, wo man mit einer 390 Adventure als Luxusgut ein Standing genießt, für das man hierzulande schon die 160 PS der 1290 Super Adventure oder vergleichbar Teures aus Bayern „braucht“.

Warum?
Konkurrenzloses Elektronik-Paket in dieser Fahrzeugklasse
Vielseitigkeit
Agiles Handling

Warum nicht?
Mäßiger Windschutz

Oder vielleicht …
… Honda CB500X, Kawasaki Versys 300, BMW G 310 GS

Wolfgang Haenlein

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