Probleme

Google-Börsengang zieht sich

Web
08.08.2004 12:58
Seit Wochen fiebert die Branche dem mit Spannung erwarteten Großereignis entgegen, doch inzwischen scheint der Internetsuchmaschinen-Betreiber Google über immer mehr Steine auf dem geplanten Weg an die Börse zu stolpern. Branchenbeobachter bezweifeln unterdessen sogar, dass das Internet-Vorzeigeunternehmen genügend Interessenten für den bis zum 3,3 Milliarden schweren Gang an die Börse finden wird.
Inzwischen hat auch noch eine kalifornischeRegulierungsbehörde Untersuchungen eingeleitet, ob das Internet-Unternehmenim Zeitraum zwischen September 2001 und Juni 2004 möglicherweisegegen amerikanisches Aktienrecht verstoßen hat. Der fürkommenden Dienstag von der Branche erwartete Börsengang könntenach Spekulationen des "Wall Street Journal" allerdings auch alleinauf Grund rein technischer Probleme in Verzug geraten. 
 
Rückkauf nicht registrierter Aktien
Google will nach eigenen Angaben möglicherweisenicht rechtmäßig an hunderte Angestellte und Beraterausgegebene Aktien für einen Preis von 25,9 Millionen US-Dollarzurückkaufen. Die Aktien seien nicht registriert worden,ebenso wenig wie die 5,6 Millionen ausstehenden Aktienoptionen,meldete das Unternehmen der US- Börsenaufsicht SEC. Die nunvon einer kalifornischen Regulierungsbehörde eingeleitetenUntersuchungen könnten den Börsengang nach Darstellungder Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg um einige Wochen verzögern.
 
Dabei sollte der Börsengang der 1998 von denStudenten Larry Page und Sergey Brin gegründeten Firma einesder bedeutendsten Börsenereignisse der vergangenen Jahrewerden und ein Signal für das Ende der Internet-Krise geben.
 
Verzögerung auch aus "technischen Gründen"
Eine Verzögerung des Börsengangs ist nacheinem Bericht des "Wall Street Journal" jedoch allein aus technischenGründen sehr wahrscheinlich geworden. Für die geplanteZuteilung der Aktien per Internet-Auktion sei eine Zusammenarbeitmit Maklern erforderlich, die jeweils verschiedene Technologieneinsetzten, schreibt die Zeitung. Auch die Registrierung der Bieterwürde längere Zeit in Anspruch nehmen als ursprünglichgeplant. Einige Inkompatibilitätsprobleme seien jedoch inzwischenausgebügelt, hieß es. 
 
Börsengang mittels Online-Auktion
Für seine Börsenpläne wählteGoogle die bislang recht unübliche Form der Online-Auktion.Dabei sollen Bieter ihre individuellen Gebote abgeben und mitteilenkönnen, wie viele Aktien zu welchem Preis sie haben möchten.Auf Grundlage dieser Daten wird ein Ausgabepreis ermittelt, zudem alle Aktien verkauft werden. Über die Vor- und Nachteiledieser Form des Börsengangs ist in den vergangenen Wochenviel diskutiert worden. Am vergangenen Donnerstag rügtenVertreter von drei Hedge-Fonds, dass sie ihre Gebote bisher nichtplatzieren konnten. Kritisiert wurde zudem, dass Bieter nur zugelassenwerden, wenn sie eine US-amerikanische Steuernummer oder eineSozialversicherungsnummer (Social Security Number) besitzen. 
 
Pessimistische Einschätzungen
Doch neben allen technischen und logistischen Problemenbei der Vorbereitung des Börsengroßereignisses werdenauch pessimistische Einschätzungen über die weiterenAussichten des Senkrechtstarters laut. Viele potenzielle Investorenim Silicon Valley befürchten erst recht durch einen hohenAusgabepreis, Geld zu verlieren, wenn sie zu den ersten Bieterngehören. 
 
Er habe sogar seine Mutter davor gewarnt, Google-Aktienzu kaufen, sagte laut "New York Times" Jerry Kaplan, der sichbereits in den 80er Jahren im Silicon Valley als Technologe undUnternehmer einen Namen gemacht hatte. Google habe sich stetsden Anschein des Besonderen zulegen wollen - zuletzt durch dieungewöhnliche Form der Online-Auktion. "Meine Erfahrung ist,das man sich auf sehr gefährliches Territorium begibt, wennman die Grenzen des Normalen überschreitet", sagte Kaplan.
 
Microsoft und Yahoo! rüsten auf
Schließlich schläft unterdessen auch dieKonkurrenz nicht. Mit Investitionen in Millionenhöhe, Firmen-Zukäufenund der Entwicklung eigener Suchtechnologien und weiterer publikumswirksamerDienste rüsten sich der Softwarehersteller Microsoft undder Portalbetreiber Yahoo! für den Kampf um Marktanteileim mittlerweile sehr lukrativ gewordenen Suchmaschinen-Geschäft.Ob sich Google dabei auch weiterhin als unbestrittener Marktführerwird behaupten können, bleibt abzuwarten. 
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