12.02.2020 08:30 |

Geschäft getrübt

„Wirtschaftlicher Schaden“: TUI spürt Boeing-Krise

Das Flugverbot für den Unglücksflieger Boeing 737 Max trübt weiterhin das Geschäft des weltgrößten Reisekonzerns TUI. „Der Ausfall bedeutet einen enormen wirtschaftlichen Schaden“, sagte TUI-Chef Fritz Joussen bei der Hauptversammlung in Hannover. Hoffnung macht TUI dagegen der Reiseabsatz im Sommer, der nach der Insolvenz des Rivalen Thomas Cook deutlich steigen soll.

Die Boeing-Krise belaste den TUI-Konzern in diesem Jahr mit rund 350 Millionen Euro, sagte Joussen. Im vergangenen Geschäftsjahr waren es rund 300 Millionen Euro. „Das sind sehr hohe Werte, sie liegen aber für dieses Jahr innerhalb unserer Prognose.“ Derzeit werde mit Boeing über Schadenersatz verhandelt. Besserung ist bei den Fliegern noch nicht in Sicht. „Wir erwarten in diesem Geschäftsjahr keine Auslieferung der Max-Jets mehr“, sagte Joussen. Bis zu 34 Flugzeuge müsse TUI heuer ersetzen. Der TUI-Chef sicherte aber zu: „Wir fliegen unseren Flugplan und streichen keine Flüge.“

Thomas-Cook-Insolvenz gibt Rückenwind
Die Buchungen zeigten, dass das operative Geschäft nach der Insolvenz von Thomas Cook gut laufe. „Alleine bei den wichtigen Sommerbuchungen wachsen wir derzeit mit 14 Prozent.“ Nach dem Cook-Aus habe TUI „praktisch sofort deren Hotels in unser Programm aufgenommen“. Der Jänner 2020 sei zudem „der mit Abstand beste Buchungsmonat der Firmengeschichte“ gewesen, sagte Joussen. „Der Reisemarkt in Deutschland und Großbritannien wird voraussichtlich schrumpfen, aber wir werden Marktanteile gewinnen.“

Die Art des Tourismus, an der TUI verdient, hat aber auch Kritiker. So protestierte die Tierrechtsorganisation Peta vor der TUI-Arena mit Videos aus Delfinarien und Slogans wie „TUI profitiert vom Leid der Orcas“. Auch das wachsende Kreuzfahrtgeschäft stößt Umweltschützern sauer auf. Die Geschäfte von TUI seien „derzeit nicht mit den Zielen des Pariser Klimaschutzabkommens vereinbar“, sagte Daniel Rieger von der Naturschutzorganisation Nabu vor der Hauptversammlung.

Kreuzfahrten und kinderloser Urlaub
Erst vor wenigen Tagen hatte TUI mitgeteilt, dass das Geschäft mit Luxus-Kreuzfahrten weiter wachsen soll. Einen weiteren Trend sieht der Chef von TUI Deutschland, Marek Andryszak, darin, den Urlaub ohne Kinder verbringen. „Die TUI hat sehr viele Familienhotels im Angebot. Aber die Zielgruppe “Adults only„ wird immer bedeutender in Deutschland“, sagte Andryszak in einem Interview des Redaktionsnetzwerks Deutschland. „Ich halte das für legitim, dass ein Elternpaar auch mal sagt: Wir brauchen jetzt ein Wochenende ohne Kinder.“

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