04.02.2020 15:14 |

Aufklärungsoffensive

Krebs darf ab sofort kein Tabuthema mehr sein!

Bald werden an die 400.000 Menschen in Österreich mit der Diagnose Krebs umgehen müssen. Die Fallzahlen steigen weiter. Gesundheitsminister Rudolf Anschober stetzt auf breitere Vorsorge und Enttabuisierung.

„Es ist immer noch ein Tabu, offen über seine Krebserkrankung zu reden. Es müsste auch mehr Information in der Gesellschaft geben, wie man sich im Umgang mit Patienten verhalten sollte“, wünschte sich Starfriseurin Barbara Reichard aus Wien bei einer Pressekonferenz anlässlich des Welt-Krebstages, bei der sie als Betroffene von Lungenkrebs sprach. „Selber braucht man unbedingt Hilfe, die ich bei der Wiener Krebshilfe fand, denn mit der Diagnose, aber etwa auch mit Chemotherapie und den Nebenwirkungen kommt man alleine nicht klar. Es ist wirklich wichtig und großartig, dass wir diese Möglichkeiten in Österreich haben!“

Dafür wird jede Menge Engagement benötigt - auch seitens der Politik - , um Maßnahmen durchzusetzen, die von Vorsorge über Screenings bis hin zu psychischer Betreuung Unterstützung für Patienten bieten. Gesundheitsminister Rudolf Anschober kündigte daher anlässlich des Weltkrebstages am 4. Februar die Etablierung eines nationalen Komitees für Krebs-Screenings an, wie es das in vielen anderen Ländern (z.B.Niederlande, Australien, Irland, Neuseeland) bereits gibt. Hierbei beraten Experten aus unterschiedlichen Wissenschaftsgebieten über Einsatz, Sinnhaftigkeit und Ausbau von breit aufgestellten Früherkennungsmaßnahmen. Derzeit gibt es diese bei Brustkrebs. Die Empfehlung zur Darmspiegelung (Vorsorge Dickdarmkrebs) wird derzeit je nach Bundesland von 15% bis 30 % der Bevölkerung angenommen und hat seit Beginn der Informationskampagne bereits etwa 12.000 Menschen das Leben gerettet, wie Univ.-Prof. Dr. Paul Sevelda, Präsident der österreichischen Krebshilfe berichtete.

Die häufigsten Krebserkrankungen betreffen Brust, Prostata, Lunge und Darm. Bei Kindern kommt es besonders oft zu Leukämien. Die gute Nachricht: Mittlerweile können 80% der kleinen Patienten geheilt werden. Damit ist aber die Krankenakte nicht für immer geschlossen, wie Mag. Carina Schneider Psychologin von der Österreichischen Kinder-Krebs-Hilfe betonte: „Betroffene benötigen als sogenannte Langzeitüberlebende Begleitung auch noch im Erwachsenenalter, selbst wenn sie der Kinderonkologie entwachsen sind.“ Etwa 300.000 bis 500.000 Personen kommen dafür in Frage. Es wurde bereits 2016 das Projekt „Survivorship Passport“ entwickelt, das seither der Umsetzung harrt, weil keine Geldmittel dafür zur Verfügung gestellt wurden. Das soll sich jetzt ändern. Vorgesehen ist, dass jedes in Österreich an Krebs erkrankte Kind so einen „Pass“ erhält, welcher die onkologischen Diagnosen und Therapien zusammenfasst und individuelle Nachsorgeempfehlungen enthält.

Karin Podolak, Kronen Zeitung

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