Leser fragen, Experten antworten zu den brennendsten gesundheitlichen Themen. Irma S. (69): „Ich habe häufig Blähungen, die manchmal von ungewolltem Stuhlabgang begleitet sind. Was hilft dagegen?“
Dr. Kira Sorko-Enzfelder, FÄ für Allgemeine Chirurgie und Viszeralchirurgie, Spezialgebiet Proktologie, Evangelisches Krankenhaus in Wien: Unkontrollierter Stuhl- oder Windabgang ist für viele Betroffene ein belastendes Tabuthema. Doch Stuhlinkontinenz ist kein unabänderliches Schicksal: Mit der richtigen Abklärung und Therapie lassen sich die Beschwerden deutlich verbessern oder verschwinden komplett.
Erste Anlaufstelle ist meist der Hausarzt, der bei Bedarf zum Proktologen überweist. Nach genauer Abklärung wird die Behandlung individuell angepasst. Oft helfen bereits konservative Maßnahmen: Eine regelmäßige Stuhlentleerung, eine angepasste Ernährung mit ausreichend Ballaststoffen und Flüssigkeit sowie bei Bedarf eine gezielte Entleerung mit Zäpfchen oder kleinen Einläufen verbessern die Stuhlkontrolle.
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Besonders wichtig ist das Beckenbodentraining: Durch spezielle Übungen wird die Beckenbodenmuskulatur gestärkt und die Fähigkeit verbessert, den Stuhl zurückzuhalten. Am besten werden diese Übungen unter Anleitung einer spezialisierten Beckenboden-Physiotherapie erlernt. Bei Schwierigkeiten, die Muskulatur bewusst anzusteuern, können außerdem Biofeedback-Verfahren helfen.
Je nach Ursache können zusätzlich Medikamente zur Stuhlregulierung eingesetzt werden. Weitere Behandlungsmöglichkeiten sind Elektrostimulation oder operative Verfahren. Auch Hilfsmittel wie etwa Analtampons können Sicherheit im Alltag geben. Wichtig ist: Je früher Betroffene das Problem ansprechen, desto größer sind die Chancen, wieder mehr Lebensqualität zurückzugewinnen.
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