28.12.2019 19:07 |

Bereits zwei Fahrzeuge

Erdogan präsentiert stolz rein türkische Automarke

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hat mit großer Fanfare am Freitag eine heimische Automarke vorgestellt. „Heute erleben wir einen historischen Tag für unser Land, erleben, wie ein 60 Jahre währender Traum wahr wird“, sagte er während der Vorstellung der Prototypen in Gebze bei Istanbul und bestellte gleich ein erstes Auto vor.

Bei den Fahrzeugen handelt es sich um das Concept Car einer Limousine sowie den Prototypen eines elektrischen C-SUVs, das 2022 in Produktion gehen soll. Der Modellname soll 2020 bekanntgegeben werden. Am Design war u.a. das Designstudio Pininfarina beteiligt. Die rein elektrische Plattform wurde eigens entwickelt und ist in Länge und Breite skalierbar.

Vollmundige Versprechungen
Insgesamt soll es fünf Modelle geben. Der Hersteller Togg (Türkiye’nin Otomobili Girişim Grubu), ein Joint Venture von fünf Firmen und einer Interessenvertretung für Industrieunternehmen und Börsen, schürt höchste Erwartungen, ganz im Stil des Präsidenten. Das Fahrzeug soll sämtliche Klassenkonkurrenten übertrumpfen, mit dem längsten Radstand, dem geräumigsten Innenraum, den besten Beschleunigungswerten und den geringsten Total Cost of Ownership.

Es sollen zwei Batteriegrößen angeboten werden, mit Reichweiten von rund 300 bzw. 500 Kilometer. In einer halben Stunde soll der Akku zu 80 Prozent aufladbar sein. Auch beim Antrieb gibt es zwei Varianten: entweder nur ein 200-PS-Elektromotor an der Hinterachse oder ein zweiter an der Vorderachse, mit dem dann insgesamt 400 PS sowie Allradantrieb zur Verfügung stehen. Als Sprintwerte gibt Togg 7,6 bzw. 4,8 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 an. Auch autonome Fahrfunktionen werden angekündigt.

Nicht die erste türkische Automarke …
Eine türkische Automarke ist ein lang gehegter Wunsch des Präsidenten, der sagte, die Türkei verdiene Besseres, als die Autos anderer Hersteller zusammenzusetzen. In den 1960er-Jahren war ein erster Versuch der Türkei mit einer Eigenmarke - dem „Devrim“ - gescheitert.

In einem am Freitag im Staatsanzeiger veröffentlichten präsidialen Dekret heißt es, dass der Wagen in der nordwesttürkischen Stadt Bursa hergestellt werden soll. Bis zu 175.000 Autos sollen dort jährlich gebaut werden. Das Investitionsvolumen beträgt demnach 22 Milliarden Lira (rund 3,3 Milliarden Euro). Die Regierung unterstützt das Projekt finanziell. Es ist auch die Rede von Garantien für die Abnahme von 30.000 Elektroautos bis Ende 2035.

Türkische Autoindustrie krankt
Der Automobilindustrie in der Türkei, wo auch Firmen wie Ford oder Fiat produzieren, ging es zuletzt schlechter. 2018 war unter anderem wegen einer Währungskrise der Binnenmarkt eingebrochen. 2019 hatte zudem Volkswagen wegen der Militäroffensive der Türkei im Norden Syriens Pläne für ein Werk im westtürkischen Manisa auf Eis gelegt.

Der Chef des Zuliefererverbandes der Industrie, Alper Kanca, sagte am Freitag: „Dass die Regierung gewisse Absatzzahlen verspricht und Geld für die Investition bereithält, zeigt, dass das nicht nur ein Projekt zum Stimmenfang ist.“ Kurzfristig könne das Projekt der Industrie in ihrer schwierigen Lage nicht helfen, weil das Auto ja erst 2022 in Serienproduktion gehen solle. „Aber wenn alles gut läuft, werden wir in drei Jahren davon profitieren.“ Kanca sagte, der Erfolg werde auch davon abhängen, wie hoch die traditionell saftigen Steuern auf den Wagen ausfallen. Wie teuer die Fahrzeuge sein sollen, blieb zunächst unklar.

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