Diversity Ball

Wenn Straßenkunst auf Wiener Ballkultur trifft

Stars & Society
23.07.2026 20:00

Am 5. September lädt Initiatorin Monika Haider erneut zum Diversity Ball ins Wiener Rathaus. Für ihren großen Auftritt hat sie sich heuer gemeinsam mit Designer Marcos Valenzuela und Street-Art-Künstler Luis Morales de la Cruz etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Die „Krone“ durfte bei den ersten Sprayzügen auf dem Kunstkleid dabei sein. 

Eine Spraydose zischt, Neonfarben treffen auf edlen Stoff. Was normalerweise auf großen Fassaden oder Leinwänden entsteht, wird diesmal zum tragbaren Kunstwerk. Für den Diversity Ball verwandelt Streetart-Künstler Luis Morales de la Cruz eine eigens von Designer Marcos Valenzuela entworfene Robe von Ball-Initiatorin Monika Haider in ein farbenfrohes Unikat.

„Move with Us“
Hinter der ungewöhnlichen Zusammenarbeit steckt allerdings mehr als ein modischer Hingucker. Das Kleid soll das diesjährige Motto „Move With Us“ widerspiegeln. „Wir sind ein Kulturgut, aber wir gehen ganz neue Wege“, erklärt Haider im Gespräch mit der „Krone“. Das Kleid stehe sinnbildlich für den Diversity Ball selbst: „Streetart ist mittlerweile eine anerkannte Kunstform. Sie ist für alle zugänglich – genau wie unser Ball. Ich finde, das passt wunderbar zusammen.“

Monika Haider im Atelier Tiberius mit Marcos Valenzuela (re.) und Luis Morales de la Cruz (li.)
Monika Haider im Atelier Tiberius mit Marcos Valenzuela (re.) und Luis Morales de la Cruz (li.)(Bild: Alexander Tuma)

Auf gutem Wege und Vertrauen
Für Haider geht es dabei nicht nur um Mode, sondern um gesellschaftliche Vielfalt. Seit der Gründung des Diversity Balls im Jahr 2007 sei zwar vieles passiert, dennoch gebe es weiterhin Aufholbedarf: „Ich glaube, wir sind auf einem guten Weg“, sagt sie. Menschen mit Behinderungen würden heute stärker mitgedacht, Gebärdensprache sei sichtbarer geworden und auch junge Menschen würden heute selbstverständlicher zu ihrer Identität stehen. Gleichzeitig beobachte sie aber auch eine Gegenbewegung. „Wir sind weitergekommen, aber noch nicht dort, wo wir hingehören.“

Gerade deshalb brauche es Veranstaltungen, die unterschiedliche Menschen zusammenbringen. „Übergreifende Events gibt es eigentlich wenige. Bei uns sind Menschen mit Behinderungen, die LGBTIQ+-Community, Menschen mit Migrationsgeschichte, Politiker, Wirtschaft und Medien gleichermaßen willkommen.“

Die designte und handgefertigte Robe besteht aus drei Teilen: einem figurbetonten langen Kleid ...
Die designte und handgefertigte Robe besteht aus drei Teilen: einem figurbetonten langen Kleid aus Satin mit tiefem Rücken-Ausschnitt, einem voluminösen Tüll Rock und einem Chiffon-Jäckchen.(Bild: Alexander Tuma)
Mit Redakteurin Nadi Adana (Mi.) sprach Valenzuela (li.) über die Entstehung des dreiteiligen ...
Mit Redakteurin Nadi Adana (Mi.) sprach Valenzuela (li.) über die Entstehung des dreiteiligen Ensembles.(Bild: Alexander Tuma)

Die Idee zum außergewöhnlichen Kleid entstand bereits beim ersten Brainstorming mit Inhaber und Designer des Tiberius-Ateliers von Marcos Valenzuela. Schon damals war für ihn klar, dass das Projekt von einem zweiten Künstler profitieren könnte. „Luis ist ein grandioser Künstler. Der ist in der ganzen Welt unterwegs. Es ist für mich eine Ehre, ihn dabei zu haben“, sagt er.

Dass eines seiner maßgeschneiderten weißen Kleider anschließend mit pinker Sprayfarbe bearbeitet wird, nimmt er gelassen. „Ich habe volles Vertrauen. Diese aktionistische Bewegung, wenn ein Künstler in Fahrt kommt – das ist einfach großartig“, erklärt der Designer. Loslassen sei Teil seines kreativen Prozesses. „Man muss Vertrauen haben, damit etwas Schönes entsteht.“

Hier wird Haiders Kleid besprayt: Zuletzt verwandelte Luis die Ballrobe von Promi-Zahnärztin ...
Hier wird Haiders Kleid besprayt: Zuletzt verwandelte Luis die Ballrobe von Promi-Zahnärztin Kristina Worseg in ein Kunstwerk.(Bild: Alexander Tuma)
Am Donnerstagvormittag gaben die Initiatorin Monika Haider (Mi.), der Modedesigner Marcos ...
Am Donnerstagvormittag gaben die Initiatorin Monika Haider (Mi.), der Modedesigner Marcos Valenzuela (re.) und der Wiener Streetart-Künstler Luis Morales de la Cruz (li.) kurzen Einblick in die Entstehung eines besonderen Outfits.(Bild: Alexander Tuma)

„Fehler passieren, man kann sie korrigieren“
Für Morales ist das Besprühen einer Ballrobe längst kein Neuland. Bereits zuletzt sorgte er mit einer Opernball-Robe von Kristina Worseg für Aufsehen. Trotzdem gleicht keine Arbeit der anderen. „Es ist eigentlich nicht viel anders. Es ist halt nur quasi ein Bild, das sich bewegt“, beschreibt er den Unterschied zwischen Leinwand und Kleid. Einen genauen Plan gibt es dabei kaum. „Wir hatten viele Ideen, aber am Ende werden wir sehen, wie das Material auf die Farbe reagiert. Danach entfaltet sich alles im Moment“, erzählt er der „Krone.
Und was passiert, wenn doch einmal etwas schiefgeht? „Fehler passieren ständig. Man kann sie korrigieren – und am Ende sieht es meistens eh besser aus als vorher.“ Übrigens: Zur Spraydose greift der 36-Jährige, „seitdem er denken kann“. 

Wie das fertige Kunstwerk dann letztlich aussieht, bleibt bis zum Diversity Ball am 5. September geheim. Erst dann wird Monika Haider die vollendete Robe erstmals auf dem Tanzparkett präsentieren. Bis dahin lässt sich auch sicherlich der ein oder andere Farbfehler noch korrigieren. Für sie ist das Kleid jedenfalls weit mehr als ein modisches Statement. Es soll zeigen, dass Tradition und Veränderung einander nicht ausschließen, sondern gemeinsam etwas völlig Neues entstehen lassen können. Und auch der Ball selbst habe längst eine besondere Größe erreicht: „Der Diversity Ball ist mittlerweile der größte und barrierefreiste Inklusions-Event Europas – und außerdem ein verdammt cooles Fest“, sagt Haider. 

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