Ärger in Dornbirn

Bürgermeister verteidigt „140.000-Euro-Vision“

Vorarlberg
23.07.2026 20:00
Porträt von Vorarlberg-Krone
Von Vorarlberg-Krone

Dornbirns SPÖ-Bürgermeister hat sich mit umstrittenen Job- und Auftragsvergaben den Unmut der Opposition zugezogen. In der Kritik steht vor allem der Vergabeprozess für die Broschüre „Vision Stadt Dornbirn“.

Ganz neu ist die Geschichte nicht: Wie die „Krone“ bereits vor Monaten berichtete, leistet sich Dornbirns Bürgermeister Markus Fäßler einen Berater. Dieser heißt Dominik Steinwidder, war einst Wahlkampfleiter der SPÖ und ist seit 15. September 2025 per Werkvertragsbasis angestellt.

Für seine Tätigkeit erhält er 5000 Euro im Monat, dazu addiert sich die Umsatzsteuer. Der Vertrag ist auf 31. Dezember 2027 befristet, das gesamte Beratungshonorar beläuft sich folglich auf fast 140.000 Euro – und liegt damit knapp unter jenem Schwellenwert (143.000 Euro), der eine Ausschreibung erfordert hätte.

Besonders sauer war ÖVP-Stadtparteiobmann Thomas Winsauer aufgestoßen, dass der „Bürgermeister-Coach“ nicht von der SPÖ, sondern von der Stadt bezahlt wird – weshalb er im Dezember 2025 auch eine Anfrage stellte. Die Antwort von Fäßler fiel damals kurz und knapp aus: „Die Beratung erfolgt gegenüber dem Bürgermeister und nicht gegenüber einer politischen Partei.“ Nun hat die Causa neuen Zündstoff erhalten. Wie die „wirtschaftspresseagentur“ (wpa) berichtete, soll Steinwidder auch bei der jüngst präsentierten Broschüre „Vision Stadt Dornbirn“ eine fragwürdige Rolle gespielt haben.

Zitat Icon

Ein neutraler Blick von außen auf ein Unternehmen mit knapp 2500 Mitarbeitenden schützt uns vor Betriebsblindheit.

Markus Fäßler, Bürgermeister von Dornbirn

Schweizer Agentur erstellt Vision für Dornbirn
In diesem Druckwerk stellt Fäßler seine Zukunftsvisionen für die Messestadt und vor allem für die Stadtverwaltung vor. Erstellt wurde das Werk nicht im Ländle, sondern von der Schweizer Agentur „Institut für Geldkultur“ mit Sitz in Goldach. Laut wpa gebe es ein Naheverhältnis zwischen der Agentur und Steinwidder, so sei dieser etwa auf der Homepage als „Botschafter“ angeführt. 140.000 Euro soll das 60-Seiten-Heftchen gekostet haben, rund 100.000 Euro seien der Schweizer Agentur zugeflossen. Viel Geld in einer Zeit, in welcher auch Dornbirn zum Sparen verdonnert ist. Was den Ärger der Opposition noch befeuert: Offenbar hat Fäßler die politischen Gremien der Stadt mit seiner „Vision“ im Vorfeld gar nicht erst befasst, folglich fühlen sich die Vertreter von ÖVP, FPÖ und Neos übergangen.

Die Verwaltung fit für die Zukunft machen
Während für die Opposition der Fall bis zum Himmel stinkt, kann Fäßler den Wirbel um die Broschüre nicht nachvollziehen. Er habe schlicht gemacht, was jeder verantwortungsvolle Bürgermeister tun würde – nämlich ein Leitbild erarbeitet, welches es ermögliche, die Stadtverwaltung auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten zukunftsfähig und finanziell stabil aufzustellen. Um diese komplexen Aufgaben professionell und nachhaltig zu lösen, habe er gezielt auf die befristete Unterstützung durch externe Spezialisten gesetzt. „Ein neutraler Blick von außen auf ein Unternehmen mit knapp 2500 Mitarbeitenden schützt uns vor Betriebsblindheit und garantiert, dass wir sachliche, wirtschaftlich kluge Entscheidungen abseits politischer Debatten treffen. Wir bewerten unsere Produkte auf Qualität und Sinnhaftigkeit“, so Fäßler in einer Aussendung.

Zudem betont der Stadtchef, dass sämtliche Beauftragungen unter Einhaltung der geltenden rechtlichen Vorgaben erfolgt seien. Und auch zur Rolle Dominik Steinwidders äußerte er sich: Zwischen dessen Tätigkeit für die Stadt Dornbirn und der Beauftragung des „Instituts für Geldkultur“ bestehe kein vertraglicher Zusammenhang. Es sei lediglich eine Kontaktempfehlung erfolgt. Steinwidder habe jedenfalls keinen wirtschaftlichen Vorteil oder finanziellen Nutzen aus der Beauftragung des Instituts für Geldkultur gezogen, stellt Fäßler klar.

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