14.12.2019 10:00 |

Elektrisch am besten

Peugeot 2008: So kriegt er sogar SUV-Hasser weich

„SUV“ ist in Teilen der Bevölkerung zum Unwort (bzw. zur Un-Abkürzung) geworden. Pauschal als gefährliche Spritschlucker verurteilt, wird diese Fahrzeuggattung schon beinahe gemobbt. Hallo, SUV-Hasser! Auch der Peugeot 2008 ist ein SUV, und zwar ein durch und durch vernünftiges. Nicht nur weil man es wahlweise mit Benzin-, Diesel und Elektroantrieb ordern kann. Es lohnt sich, das negative Pauschalurteil zu überdenken.

Mit rund 1,2 Tonnen bringt der Franzose nicht mehr auf die Waage als ein vergleichbares Nicht-SUV der Kompaktklasse. 4,30 Meter misst er in der Länge, damit ist er 24 Zentimeter länger als der Peugeot 208, mit dem er sich die Architektur teilt, und fährt damit de facto eine Klasse höher.

Von dem Kleinwagen übernimmt der 2008 auch Antriebe und Cockpit, aber nicht den beengten Innenraum: Sogar auf der Rückbank sitzt es sich hervorragend. Und der Kofferraum fasst 405 Liter plus 29 unter dem doppelten Boden. Der wiederum glänzt mit zwei genialen Schnapperln, dank derer er sich zum Beladen im 45-Grad-Winkel aufstellen lässt. In der Version mit Elektroantrieb fällt das Extrafach allerdings weg. Ansonsten unterscheiden sich die Antriebsvariationen in Ausstattung und Auftritt nur unwesentlich.

Quadratur des Dreiecks
Kantig und hochbeinig tritt er auf, der Peugeot 2008, beinahe avantgardistisch mit diesen ins Blech gepressten Dreiecken, die auffällige Licht/Schatten-Spiele hervorrufen. Etwas gewagt vielleicht, aber nicht unspannend. Die Tagfahrlichtsignatur ist sicher eine der auffälligsten am Markt, mit pro Seite drei Krallen und einem Stoßzahn. Drei Krallen bilden auch das Rücklicht, alles zusammen leuchtende Kennzeichen der Löwenmarke.

Steigt man ein (was SUV-typisch völlig anstrengungsfrei vonstattengeht), fällt der Blick auf ein futuristisches digitales „i-Cockpit“ (außer in der Basisausstattung). Es ist nicht nur peugeottypisch oberhalb des kleinen Pilotenlenkrads angeordnet, es stellt seine Informationen dreidimensional dar. Was es wie anzeigt, lässt sich über eine kleine Drehwalze am Lenkrad einstellen. Die Darstellung wechselt dann videospielartig mit einer Animation. Wie bei so ziemlich allen aktuellen französischen Autos klingt auch der Blinker wie ein Videospiel.

Der 3D-Effekt ist jedenfalls ein echtes Alleinstellungsmerkmal, das während der Fahrt vor allem die Blicke des Beifahrers anzieht, denn von der Seite betrachtet fällt es am meisten auf. Angeblich soll das neue Cockpit aber sogar die Reaktionszeit des Fahrers verkürzen.

So genial die Idee der Cockpitanordnung ist - im Peugeot 2008 ist sie nicht ideal gelungen, jedenfalls was meine Statur betrifft. Mir (1,88 Meter groß) ist es nicht möglich, eine passende Sitzposition zu finden. Entweder verdeckt das Lenkrad das Kombiinstrument oder es kommt dem Oberschenkel zu nahe und erschwert das Lenken. Besonders schwierig ist es, wenn die elektrische Sitzverstellung eingebaut ist, weil die minimale Sitzhöhe in diesem Fall ein Stück höher ist. Hier fühle ich mich dann mehr auf als im Sitz platziert und die Mittelkonsole drückt unangenehm in die Wade. Außerdem ist die Beinfreiheit im Fahrerfußraum zu gering. Das alles gilt, wenn man versucht in idealer Entfernung bzw. Nähe zum Lenkrad zu sitzen. Lehnsesselfahrer haben das Fußraumproblem nicht - dann wird es aber auf den Rücksitzen eng, trotz des auf 2,61 Meter angewachsenen Radstandes.

Fürs Auge ist der Innenraum ein Genuss. Wertige Materialien, das Meiste hinterschäumt, außerdem ein Designfeuerwerk, das seinesgleichen sucht. Tippschalter strecken sich den Frontinsassen entgegen, dahinter mimen Touchflächen eine weitere Knopfreihe - leider ohne haptisches Feedback. Das zentrale Bedienelement ist der bis zu zehn Zoll große Touchscreen auf der Mittelkonsole, den man sogar braucht, um die Temperatur einzustellen. Unpraktisch. Aber für die Pilotenkanzeloptik (samt oben und unten abgeflachtem Lenkrad) nimmt man das in Kauf.

Tout simplement intelligent
Ein hochintelligentes Detail im an Ablagen nicht armen Innenraum entdeckt man vielleicht nur, wenn man davon weiß: Hinter einer Klappe zwischen den beiden USB-Buchsen (eine davon USB-C) befindet sich ein verstecktes Fach (in dem ein Handy induktiv geladen werden kann). Und die Klappe fungiert, wenn sie offen ist, als Handyhalter.

Motoren: Aller guten Dinge
Verbrennerseitig haben Kunden unter der Haube die Wahl zwischen einem 1,2-Liter-Dreizylinder-Benziner in drei (100, 130, 155 PS) und einem 1,5-Liter-Diesel in zwei Leistungsstufen (100, 130 PS), je nachdem mit Sechsgang-Schaltgetriebe oder mit Achtgang-Wandlerautomatik kombiniert. Schon der kleine Diesel mit manuellem Getriebe erwies sich als gute Wahl, mit 205 Nm bei 1750/min. ausreichend kräftig und mit einem NEFZ-Verbrauch von 3,6 l/100 km richtig sparsam. Nach dem realistischeren WLTP-Standard sind es 4,6 l/100 km, auch das ein hervorragender Wert. Ach ja, immer diese Spritschlucker-SUVs!

Der stärkere Diesel verbraucht mit Achtgangautomatik gerade einmal zwei Zehntelliter mehr, fährt sich geschmeidig und zügig. Den Sprint auf 100 schafft er in 9,3 Sekunden. Beim Höchsttempo übertrifft er den schwächeren Bruder um 15 km/h - er schafft 195 km/h.

Aus der Benzinerecke waren wir unterwegs mit dem serienmäßig mit Achtgangautomatik ausgestatteten Topmodell, das den Standardsprint in 8,2 Sekunden hinlegt und 208 km/h rennt. 5,0 l/100 km nach NEFZ bzw. 6,2 l/100 km nach WLTP sind aller Ehren wert.

Alle Motoren treiben die Vorderräder an und sind akustisch nicht unpräsent, wobei man sich mit dem Dreizylindersound des Benziners schnell anfreundet. Beim Durchfahren von engen Kurven spürt man die Frontlastigkeit (rund 57 Prozent des Gewichts lasten auf der Vorderachse). Insgesamt ist das Fahrwerk komfortabel ausgelegt, über derbe Bodenunebenheiten, vor allem wenn sie das Format von Holperschwellen erreichen, poltert der 2008 jedoch rustikal drüber und schwingt dann deutlich nach. Insgesamt ausgeglichener und erwachsener fühlt sich die Elektrovariante an - und zu der kommen wir jetzt.

Angenehmste Variante: Der Elektro-2008
Alternativ zu den Verbrennern bietet Peugeot den 2008 auch mit dem Elektroantrieb aus dem 208 an. Das bedeutet: 100 kW/136 PS, ein maximales Drehmoment von 260 Nm und eine Batteriekapazität von 50 kWh. Im Vergleich zum entsprechenden Benziner bringt der e-2008 zwar rund 340 kg mehr auf die Waage, das Zusatzgewicht wirkt sich jedoch positiv auf das Fahrverhalten aus. Durch den tieferen Schwerpunkt liegt das Elektro-SUV besser in der Kurve, die ausgeglichene Gewichtsverteilung (51 Prozent vorne) macht ihn agiler und das an das angepasste Fahrwerk wirkt erwachsener, der Wagen liegt satter. Zwar neigt er auf Holperschwellen noch immer zum Poltern, aber er schwingt weniger nach.

Über den Fahrprogrammwählhebel kann man zwischen zwei Rekuperationsstufen wählen, wobei auch die stärkere weit davon entfernt ist, ein One-Pedal-Feeling zu erzeugen. Geht man vom „Gas“, bremst der e-2008 nur unwesentlich stärker ab als mit einem klassischen Motorschleppmoment. Ein wenig lästig wird auf Dauer, dass die Bremswirkung leicht verzögert eintritt. Möglicherweise ist das aber dem Vorserienstatus der Testfahrzeuge geschuldet.

Als WLTP-Reichweite gibt Peugeot 320 Kilometer an, als NEFZ-Verbrauch 17 kWh/100 km. Um das zu erreichen, sollte man die Spritzigkeit des Elektroantriebs nicht allzu oft auskosten und vielleicht sogar im Normal- oder Eco-Modus statt im Sportmodus fahren, denn dann wir die Leistung auf 80 kW begrenzt. Bei sportlicher Fahrweise auf französischen Landstraßen sind wir schnell auf einen Durchschnittsverbrauch von knapp 30 kWh gekommen (was aber natürlich in keiner Weise repräsentativ ist). Ein höheres Tempo als 150 km/h lässt der Hersteller übrigens nicht zu.

Laden am besten an der Schnellladesäule
Im Idealfall lädt man den e-2008 an einer 100-kW-Ladesäule, da sollen sich 80 Prozent in einer halben Stunde ausgehen. An der Haushaltssteckdose müsste man rund 24 Stunden warten; es sei denn, es handelt sich um eine spezielle, verstärkte Variante, dann sind es „nur“ 17,5 Stunden. Dreiphasiges Laden an der Wallbox zu Hause ist mit 5:15 Stunden akzeptabel. Peugeot verspricht, dass die Batterie nach acht Jahren bzw. 160.000 Kilometern noch 70 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität aufweist.

Starkes Assistentenangebot
Der Peugeot 2008 schöpft - teilweise gegen Aufpreis - aus dem Assistentenfundus des PSA-Konzerns. So ist er serienmäßig mit einer Kamerabasierten Auto-Notbremse mit Fußgängererkennung ausgestattet. Optional kommt Radarunterstützung dazu, damit reicht es dann auch für fünf Sterne beim Euro-NCAP-Crashtest. Darüber hinaus reicht das Angebot bis hin zum teilautonomen Fahren, d.h. der Wagen folgt selbsttätig Vordermann und Spur, während der Fahrer kurzzeitig das Lenkrad loslassen kann (aber nicht darf).

Die Preise
Bei 22.500 Euro beginnt die Preisliste für den 100-PS-Benziner mit manuellem Schaltgetriebe in der Ausstattung Active und reicht bis 34.550 Euro für den PureTech 155 EAT8 in der Top-Ausstattung GT. Die Diesel reichen von 24.800 Euro bis 33.350 Euro für den BlueHDi 130 EAT8 in der Ausstattung GT-Line. Die GT-Ausstattung ist für die Diesel nicht erhältlich. Mit Elektroantrieb kostet der Peugeot 2008 mindestens 37.200 Euro (42.700 Euro als GT).

Markteinführung in Österreich mit der Vienna Autoshow, der e-2008 lässt noch bis April auf sich warten.

Unterm Strich
So wirkt der Umgang mit der Elektromobilität sinnvoll: Man wählt ein Auto nach seinen Eigenschaften aus, dann überlegt man, was für sein eigenes Anforderungsprofil der richtige Antrieb ist, und entscheidet sich dann. Ja, Elektroautos haben eine Zukunft, aber nein, sie sind nicht die Zukunft. Sondern nur ein Teil davon, in ihren spezifisch sinnvollen Einsatzbereichen.

Und für eine Pauschalverurteilung von SUVs gehen einem hier schnell die Argumente aus. Der Peugeot 2008 fällt weder bei Gewicht noch Verbrauch negativ auf, hat aber den Vorteil einer mit 16 Zentimeter leicht erhöhten Bodenfreiheit. Das hilft nicht nur auf Feldwegen, sondern auch beim Schrägparken vor Randsteinen, wo man sonst gerne mal drüberschrammt.

Also insgesamt ein sehr sympathisches Auto. Obwohl es ein SUV ist.

Warum?
Rundum sympathischer Auftritt
Drei stimmige Antriebskonzepte
Breites Assistenzspektrum

Warum nicht?
Teilweise etwas unausgewogenes Fahrwerk

Oder vielleicht …
… DS 3 Crossback, Hyundai Kona, Kia Niro, Opel Crossland X, VW T-Roc

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl
Kommentare

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Montag, 24. Februar 2020
Wetter Symbol

Produktvergleiche

Alle Produkte sehen
Ihre Cookies sind deaktiviert. Die Seite wird daher möglicherweise nicht korrekt angezeigt.