10.12.2019 11:27 |

Branche in Sorge

Tourismus: Brexit könnte die Briten ausbremsen

Der EU-Ausstieg der Briten könnte zweifach durchschlagen - zum einen verteuert der Pfundverfall den Urlaub in Österreich, zum andern arbeiten hier rund 1000 britische Staatsbürger im Tourismus.

„Großbritannien und der Brexit berühren uns auch touristisch betrachtet“, erklärte Branchensprecherin Petra Nocker-Schwarzenbacher am Donnerstag. Es gebe Ängste seitens vieler Unternehmen. Diese Zahl - 1000 - erfasse nur die Briten, die in der Gastronomie und als Skilehrer tätig sind - noch nicht enthalten sei der Handel, also der Skiverleih.

Die Branche, die sich ohnehin schwertut alle Stellen zu besetzten, zittert nun um wertvolle Arbeitskräfte. „Wir müssten unser Saisonnierskontingent aufblähen“, so die Obfrau der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer Österreich.

Auch Urlauber wichtiger Faktor
Derzeit sind 1263 Arbeitnehmer aus Nicht-EU-Ländern dank des Saisonnierkontingents erlaubt. „Das sind 0,5 Prozent der Gesamtbeschäftigten im Tourismus, also überschaubar“, betonte Nocker-Schwarzenbacher vor Journalisten in Wien. Doch allein die Briten würden das gesamte Kontingent aufbrauchen. Sie hofft auf eine politische „Sonderlösung“ und wünscht sich eine „ordentliche Saisonnierszahl“.

Pfundverfall bereitet Sorge
Doch nicht nur die Arbeitskräfte, sondern auch die britischen Urlauber sind bereits ein wichtiger Faktor für die Branche. 2018 erfolgten 3,8 Millionen Nächtigungen durch Touristen aus dem Vereinigten Königreich. Die Gästezahl hat sich in den vergangenen zehn Jahren um 21 Prozent erhöht. Auch bereitet die massive Abwertung der britischen Landeswährung gegenüber dem Euro der Branche Sorge.

Hoffnung auf „sanfte Landung“
Bürokratische Hemmnisse wie etwa eine Visumpflicht, eine Höchstaufenthaltsdauer oder neue Zollbestimmungen könnten die Reiselust der Briten in Richtung EU künftig dämpfen. „Das ist im Prinzip der Rückschritt.“ Ob das dann jeder britische Urlauber auf sich nimmt, oder einen anderen Markt wie etwa Australien, Neuseeland oder Kanada bevorzugt, muss sich erst weisen. „Wir hoffen, dass es eine ‘sanfte Landung‘ gibt“, ergänzte Nocker-Schwarzenbacher im Hinblick auf die EU-Austrittsbedingungen für die Briten. Ein „No-Deal-Szenario“, also einen ungeregelten Brexit, hält sie aktuell aber für „unwahrscheinlich“.

Insgesamt seien die touristischen Auswirkungen in Österreich aber „überschaubar“, so Nocker-Schwarzenbacher. Der Brexit werde „regional sehr unterschiedlich“ spürbar sein. Als Briten-Hochburg in Österreich gilt etwa St. Anton am Arlberg.

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