Stimmenfang 2.0

Fischer laut Experte im Web-Wahlkampf führend

Web
14.04.2010 11:38
Der Internet-Wahlkampf wird professioneller. Lob von einem Experten gibt es vor allem für Bundespräsident Heinz Fischer. Der Amtsinhaber, der sich am 25. April erneut der Wahl stellt, führe auch im Web 2.0 eine professionelle Kampagne, lautet die Analyse von PR-Berater Ed Wohlfahrt. Fischers Gegenkandidaten, Barbara Rosenkranz und Rudolf Gehring, hätten zwar Netzwerke wie Facebook bereits für sich entdeckt, seien aber weit abgeschlagen.

Insgesamt sei der Umgang mit dem Internet professioneller geworden, so Wohlfahrt. Der nunmehrige US-Präsident Barack Obama habe dies in seinem Wahlkampf vorgezeigt, die politischen Parteien in Österreich brauchten allerdings noch einige Zeit, um auf den Zug aufzuspringen. 

Die "absolute Professionalisierung", die der Experte nun erkennen kann, betreffe allerdings nur Fischer, dessen Wahlkampfteam eine eigene Agentur für derartige Aktivitäten angeheuert hat. Der "Social-Media-Aspekt" werde bei dessen Gegenkandidaten zwar mitgedacht, allerdings "auf sehr niedrigem Niveau".

Facebook, Twitter und Co
Mehr als 11.000 Fans könne Fischer derzeit auf Facebook vereinen, 1.500 Rosenkranz, eine offizielle Fan-Seite Gehrings gebe es nicht, er "sammle" aber auch persönliche Freunde, so Wohlfahrt. Positiv findet er, dass alle drei Kandidaten ihre Websites mit Facebook, Fischer auch mit Twitter, YouTube und Flickr verlinkt haben.

Der amtierende Präsident kann sogar mit zwei Seiten aufwarten, wobei das Jugendportal "Heifi2010.at" im Gegensatz zum staatstragenderen "Heinzfischer.at" wesentlich tiefer in die Welt des Web 2.0 führt. Besonders kreativ zeigt sich Fischers Agentur bei einer Facebook-Applikation: Mit "FischerYourself.at" kann man das eigene Bild mit den Präsidenten-Attributen verschönern - inklusive buschigen Augenbrauen, Brille und Beton-Frisur.

"Grottenschlecht" und "auf verlorenem Posten"
Rosenkranz bescheinigt Wohlfahrt zwar "brav gemachte" Internet-Aktivitäten, die FPÖ kämpfe allerdings auf "ziemlich verlorenen" Posten. Der Facebook-Account sei erst Ende März eingerichtet worden, auf Twitter "zwitschert" die freiheitliche Kandidatin nur selten: Sieben "Tweets" und vier "Followers" lautet die Bilanz. 

"Am grottenschlechtesten von allen" präsentiert sich Gehring für den PR-Berater. Seine Homepage sei wie ein Wahlfolder, den man ins Internet gestellt habe. Wohlfahrt vermutet, dass es Rosenkranz und Gehring zu allererst lediglich darum gegangen sei, den Platz auf den unterschiedlichen Plattformen zu besetzen.

USA fleißige Wahlkampfbeobachter
Ein Monitoring der Weblog-Einträge über die Präsidentschaftskandidaten bringt neben Erwartetem auch Überraschendes zutage: Im vergangenen Monat führte Fischer deutlich bei den Einträgen. 

Nach Österreich gibt es allerdings die meisten Erwähnungen aller drei Bewerber in den USA. Erst dann folgt Deutschland. Grund dafür könnte die Kandidatur von Rosenkranz sein, die vor allem im Ausland nach dem Wirbel um die Bildung der schwarz-blauen Koalition verstärkt beobachtet werde.

Liebe und Hass im Web
Ein weiterer wichtiger Aspekt im Netz-Wahlkampf sind aber nicht nur die Fan-Seiten, sondern auch sogenannte "Hate Pages". So haben sich vor allem gegen Rosenkranz etliche Initiativen entwickelt, FPÖ-Sympathisanten kontern mit Anti-Fischer-Gruppen. 

Aber auch interessante Sympathiebekundungen werden im Web 2.0 offensichtlich. So befinden sich unter den Freunden Gehrings etwa BZÖ-Chef Josef Bucher und der geschäftsführende Kärntner Landesparteiobmann, Stefan Petzner.

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