23.06.2019 14:39 |

Politik auf Instagram

Wer sitzt vor Wahlkampf auf Social-Media-Thron?

Jetzt hat er die 100.000er geknackt: Die ÖVP meldete am Sonntag, dass Altkanzler und ÖVP-Chef Sebastian Kurz auf seinem Instagram-Profil die Marke von 100.000 Abonnenten überschritten hat. Allein in den vergangenen vier Wochen seien 20.000 dazugekommen. Kurz‘ Nachfolgerin im Kanzleramt, Brigitte Bierlein, ist aktuell auf dem Instagram-Konto des Bundeskanzleramts präsent, das immerhin rund 22.000 Follower hat. Auf Facebook zählt Kurz mittlerweile über 800.000 Follower und hat dort Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache vom Thron gestoßen.

Instagram wird auch für die heimische Politik zur Inszenierung immer wichtiger. „Instagram ist eine Plattform zur Selbstdarstellung, und Politik ja auch nichts anderes als das“, hat Yussi Pick, der im Digitalteam von Hillary Clinton gearbeitet hat, es auf den Punkt gebracht.

Von Bedeutung ist die Social-Media-Plattform auch deshalb, weil auf ihr nicht diskutiert wird, vielmehr handelt es sich um eine „Good-News-Welt“, in der auch Politiker leicht verdaulich ihre Botschaften verbreiten und Nähe zum Wähler suggerieren können. Zudem werden gezielt Wähler erreicht, die über traditionelle Kanäle kaum noch oder gar nicht mehr erreichbar sind. Vor allem die wichtige Zielgruppe der ab 14-Jährigen ist auf Instagram vertreten, Menschen also, die kaum bis keine klassischen Medien wie Zeitungen und TV mehr konsumieren - und für die in zunehmenden Maße auch Facebook als soziales Netzwerk von Mama, Papa und Oma out ist.

Kurz führt auf Instagram vor Präsident Van der Bellen
In Österreich liegt ÖVP-Chef Kurz mit 100.000 Followern auf Instagram vor Bundespräsident Alexander Van der Bellen, der auf rund 92.000 Abonnenten kommt, auf Platz eins unter den heimischen Politikern - und hat auch im direkten Vergleich mit den Chefs der anderen Parteien mehr als deutlich die Nase vorn.

Frankreichs Präsident auf Instagram deutlich vor deutscher Kanzlerin
Im internationalen Vergleich hat Kurz hingegen gegen Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel mit 912.000 Followern kaum eine Aufhol-Chance. Frankreichs junger Präsident Emmanuelle Macron liegt bei beachtlichen 1,3 Millionen Abonnenten, Großbritanniens Noch-Premierministerin Theresa May kann da mit 153.000 Followern definitiv nicht mithalten.

In der Alpenrepublik liegt indessen FPÖ-Chef Norbert Hofer aktuell bei 46.600 Abonnenten und somit auf Platz drei im rot-weiß-roten Instagram-Ranking hinter Kurz und Van der Bellen. Sein Vorgänger an der Spitze der Freiheitlichen, Heinz-Christian Strache, zählt aktuell 58.000 Instagram-Follower.

SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner kommt derzeit auf lediglich 18.000 Follower. Zum roten Vergleich: Christian Kern hat aktuell etwas weniger als 24.000 Abonnenten auf Instagram.

NEOS-Chefin Beate Meinl-Reisinger folgen noch etwas weniger als 10.000 Menschen auf der Social-Media-Plattform, bei der vor allem die Bilder im Vordergrund stehen. Ihr Vorgänger als Parteichef der NEOS, Matthias Strolz, hat indessen mehr als 27.000 Follower.

Kurz auch auf Facebook die Nummer eins
Kurz ist auch auf Facebook mit nicht ganz 805.000 Followern mittlerweile auf Platz eins. Der ÖVP-Chef hat Strache damit vom Social-Media-Thron gestoßen- der Ex-FPÖ-Chef liegt mit dem zuletzt heftig umstrittenen Facebook-Auftritt aktuell knapp unter der 800.000 Marke. Außerdem hat Altkanzler Kurz rund acht Mal so viele Fans auf Facebook wie SPÖ-Chefin Rendi-Wagner, die lediglich rund 98.000 Facebook-Freunde zählt.

Bei der ÖVP sieht man sich jedenfalls angesichts der Social-Media-Erfolge von Kurz auf dem richtigen Weg, und auch in der „offline Welt“ wachse das Engagement der Bevölkerung rapide, hieß es am Sonntag in einer Aussendung der Partei. So habe die Volkspartei eigenen Angaben zufolge in den letzten Wochen mehr als 5000 neue Mitglieder und Unterstützer verzeichnen können.

Inwieweit spielen Bots bei Österreichs Politikern eine Rolle?
Unklar bleibt allerdings auf den ersten Blick, inwieweit auch bei den Followern und Likes auf den Instagram-Konten von Österreichs Politikern Bots eine Rolle spielen. Erst im Vorjahr hatte eine aktuelle Studie von Ghost Data ergeben, dass fast jedes zehnte Profil in dem sozialen Netzwerk ein Bot ist. Bei mittlerweile mehr als einer Milliarde Profile macht das rund 100 Millionen Bots. Die Zahl war in den vergangenen Jahren deutlich angestiegen.

Nicht umsonst kämpfen Twitter, Facebook, Instagram und Co. rigoros gegen die Bots, die gefährlich sind, da sich mit ihnen Reichweite vortäuschen lässt, die in Wahrheit so nicht existiert. So haben unter anderem Unternehmen die Möglichkeit, sich zu profilieren. Aber auch in der Politik sind sie gefährlich, da sie möglicherweise Fake News verbreiten und so Wahlen beeinflussen, wie die jüngste US-Wahl gezeigt hat.

Harald Dragan
Harald Dragan
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