22.04.2019 21:47 |

Kleiner ganz groß

Der VW T-Cross ist der Polo-Polo: Hoch zu Ross

Vor allem in einer coolen Farbe ist er ein erfrischendes, kleines Kerlchen, der VW T-Cross, und weckt durchaus Sympathien. Wirft aber auch die Frage auf: Was bist du? Schließlich wird es nomenklatorisch neben T-Roc und T-guan langsam unübersichtlich. Also: Es handelt sich um die SUV-Version des VW Polo - und damit genaugenommen um das Fahrzeug, das den Namen Polo viel mehr verdient hätte als der Polo selbst. Schließlich wird Polo als Sportart hoch zu Ross ausgeübt.

Und dieses hohe Sitzen macht einen echten Unterschied aus, vermittelt schon beim Einsteigen Sicherheit und einen guten Überblick über das Geschehen. Fahrer und Beifahrer sitzen 60 Zentimeter über der Fahrbahn, die Fondpassagiere sogar 65 cm - und damit zehn Zentimeter höher als im Polo. Mit 1,58 Meter Höhe das Klein-SUV sogar knapp den T-Roc, den Polo um mehr als elf Zentimeter.

Doch der T-Cross kann noch mehr. Standardmäßig passen in den Kofferraum 385 Liter Gepäck, also 35 Liter mehr als in den Polo, obwohl der nur gut fünf Zentimeter kürzer ist. Und es geht noch mehr: Der Clou ist die serienmäßig um 14 cm verschiebbare Rückbank, die das Ladeabteil auf 455 Liter erweitert, wenn in Reihe zwei keine Beinfreiheit gebraucht wird. Wird sie flachgelegt, ergibt sich ein flacher Laderaum mit insgesamt 1281 Liter Fassungsvermögen, den man wiederum durch das Umklappen des Beifahrersitzes (ab der Ausstattungslinie Life serienmäßig) erweitern kann.

Es ist schon erstaunlich, wie viel Platz die Wolfsburger auf 4,11 Meter Fahrzeuglänge untergebracht haben. In Reihe zwei sitzt man besser als anderswo in der Kompaktklasse, auch das Ein- und Aussteigen fällt leicht.

Der Fahrer sitzt nicht nur gut (auch dank höhenverstellbarer Mittelarmlehne, ab Life), er hat auch sonst einen grundsätzlich angenehmen Arbeitsplatz. Das Zentraldisplay sitzt in einer guten Höhe, die Klimaregulierung ist nicht im Touchscreenmenü versteckt, sondern hat klassische Drehregler und in Wahrheit fühlt sich alles so ähnlich an wie in allen anderen Autos, die auf dem Modularen Querbaukasten basieren. In Sachen Haptik gibt es im Wolfsburger Konzern einfach nichts zu meckern. Und die Materialanmutung ist absolut klassenadäquat.

Gegen 400 Euro Aufpreis ist das „Active Info Display“ erhältlich, also das digitale Tachodisplay, das sich mit der View-Taste konfigurieren lässt. Man muss allerdings noch mindestens die Ausstattung „Life“ (beim Basismodell plus 1700 Euro) sowie das Radio „Composition Media“ (110 bzw. 310 Euro) mitrechnen. Dann will man natürlich auch das Navi großflächig am Tacho darstellen können (was man aber eigentlich nicht braucht), was weitere knapp 800 Euro kostet. Ehrlich gesagt: Der serienmäßige analoge Tacho mit dem Bordcomputer-Display dazwischen ist auch nicht zu verachten.

Spritziges Fahrvergnügen
Auch beim Fahren merkt man dem VW T-Cross logischerweise an, dass er ein Hochbeiner ist, in Kurven neigt er sich zwangsläufig mehr zur Seite als der Polo. Trotzdem fährt er sich sehr gut und völlig problemlos, die Lenkung vermittelt sogar ein ganz gutes Gefühl für die Straße.

Zum Marktstart am 25. April stehen zwei Motoren zur Wahl, beides gut gedämmte Dreizylinder Benziner mit einem Liter Hubraum. Schon der Basismotor mit 95 PS und manuellem Fünfganggetriebe tritt so munter an, dass man kaum Sehnsucht nach dem stärkeren Triebwerk mit 115 PS entwickelt. In 11,5 Sekunden erreicht das (nach DIN) 1170 kg leichte SUVchen Tempo 100, maximal sind 180 km/h versprochen. Klar, da würde man sich dann einen sechsten Gang wünschen.

Der ist einer der vielen Gründe, die dann doch Begehrlichkeiten für den 115-PS-Motor (1200 Euro Aufpreis) wecken. Die Mehrleistung ist es nicht, aber eben der sechste Gang. Oder das optionale Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Oder die hinteren Scheibenbremsen. Oder die Top-Ausstattungslinie „Style“ - die wird nämlich mit dem Basismotor nicht angeboten. Danke, Volkswagen, da müssen wir also mehr Geld als notwendig ausgeben!

Ein schwächerer Motor wird leider auch in Zukunft nicht angeboten, allerdings schon ab Frühsommer ein 95-PS-Diesel sowie ab Anfang 2020 ein 150 PS starker Benziner. Auf Allradantrieb brauchen wir nicht zu hoffen - den wird es nicht geben. Aber mit 19 cm Bodenfreiheit wird man wenigstens nicht von verworfenen Feldwegen aufgehalten.

Assistenten teils serienmäßig
Schon im Basismodell an Bord sind das „Front Assist“ inklusive Fußgängererkennung und City-Notbremsfunktion, Spurhalteassistent, Berganfahrassistent und Müdigkeitserkennung. Optional erhältlich sind außerdem Totwinkelwarner samt Ausparkassistent, Radartempomat und Parklenkassistent.

Unterm Strich
Der VW T-Cross ist ein Begleiter, der auf geringem Raum sehr viel Auto unterbringt und sich völlig untadelig verhält. Schon in der Basisversion (18.690 Euro) ist er zudem brauchbar ausgestattet, mit Radio, Klimaanlage, verschiebbarer Rückbank oder auch den genannten Assistenten. Wer sich etwas gönnen will, kann aber auch weit über 30.000 Euro ausgeben. Ein bisschen Design hier, Assistenten da oder LED-Scheinwerfer dort. Und das Makena-Türkis metallic hier auf den Fotos um 636,12 Euro muss irgendwie auch sein.

Warum?
Bietet viel Platz für ein Mini-SUV
Sympathische Erscheinung
Spritziges Fahrverhalten

Warum nicht?
Keine schwächeren Motoren
Top-Ausstattung nur mit stärkerem Motor, Topmotor nicht in Basisausstattung

Oder vielleicht …
… Seat Arona, Skoda Kamiq, Opel Crossland X, Kia Stonic

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl
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