Di, 23. April 2019
01.04.2019 12:22

19-Jähriger in Haft

Polizistin ermordet: Waren es Darknet-Killer?

Zwei Schüsse aus nächster Nähe: Im Oktober wurde die hochrangige russische Polizistin Yevgeniya Shishkina in einem Vorort von Moskau vor ihrem Wohnhaus ermordet. Nun deutet immer mehr darauf hin, dass die Drogenfahnderin Opfer eines im digitalen Untergrund des Darknet angebahnten Auftragsmordes wurde. Es wäre der erste bewiesene Fall dieser Art.

Die britische BBC schildert unter Berufung auf Ermittlerkreise den Tathergang. Hauptverdächtige in dem Mordfall sind zwei junge Männer: der 19-jährige Abdulaziz Abdulazizov und ein 17-jähriger Bursche . Der 17-Jährige soll die Tat angebahnt, der 19-Jährige sie ausgeführt haben. Abdulazizov soll im Oktober in der Nähe der Wohnung der Polizistin abgestiegen sein, dieser vor ihrem Haus aufgelauert und sie von hinten mit zwei Schüssen getötet haben. Shishkina starb in den Armen ihres Gatten.

Auf Abdulazizov stieß die Polizei bei der Analyse der Buchungen einer russischen Taxi-App: Der mutmaßliche Schütze soll mit dem Taxi zum Tatort gefahren sein. Seine Reise von St. Petersburg ins 700 Kilometer entfernte Moskau begründete der Student mit dem Besuch eines Rap-Konzerts. In Ermittlerkreisen geht man davon aus, dass das nur Tarnung war.

17-Jähriger suchte im Darknet nach Arbeit
Tatsächlich dürfte es sich bei dem Mord an Shishkina um den ersten dokumentierten Fall eines im Darknet angebahnten Auftragsmordes handeln. Auf einem für Drogenhandel und andere illegale Aktivitäten genutzten Darknet-Marktplatz namens Hydra soll der 17-Jährige aus St. Petersburg zwei Monate vor der Tat eine Annonce veröffentlicht haben, in der er angibt, Arbeit zu suchen. Den Ermittlern zufolge soll vier Wochen später ein Nutzer auf die Annonce reagiert haben. Er bat den 17-Jährigen um eine verschlüsselte Unterhaltung.

Die Ermittler gehen davon aus, dass ein Online-Drogenhändler an den 17-Jährigen herangetreten ist, gegen den Shishkina zu jener Zeit ermittelte. Er soll dem Burschen eine Million Rubel (rund 13.600 Euro) für den Mord geboten haben. Der 17-Jährige soll wiederum an den Medizinstudenten Abdulazizov herangetreten sein, den er vom Sport kannte. Ihm soll er 400.000 Rubel für die Ausführung der Tat geboten, 600.000 soll er selbst behalten haben.

Verdächtiger will wegen Konzert angereist sein
Tatsächlich machte sich Abdulazizov wenig später auf den Weg nach Moskau - offiziell zum Konzert der Rapper Killstation und Brennan Savage. Nach derzeitigem Ermittlungsstand dürfte das aber nur Tarnung gewesen sein: So soll sich der 19-Jährige in einem Moskauer Vorort die Tatwaffe beschafft haben und anschließend in einem Hotel nahe Shishkinas Haus abgestiegen sein.

Dort soll er sich am Vorabend des Mordes noch YouTube-Videos angesehen haben, in denen erklärt wird, wie man eine Pistole nachlädt. Von seinem 17-jährigen Freund soll er über den verschlüsselten Messenger Telegram Name und Standort der Zielperson erhalten haben. Früh morgens am nächsten Tag fielen die tödlichen Schüsse. Ob Abdulazizov und sein 17-jähriger Bekannter schuldig sind, muss nun ein Gericht klären. 

„Er war eigentlich eher zart besaitet“
Das Umfeld des mutmaßlichen Schützen zeigt sich überrascht. „Er war eigentlich eher zart besaitet. Er war nett, hat nie jemanden beschimpft, ich habe nie davon gehört, dass er in eine Auseinandersetzung geraten sein könnte“, sagt ein Freund von Abdulazizov. „An dem Tag, an dem er verhaftet wurde, wollten wir ins Kino gehen. Er hat mich noch gefragt, ob er mir ein Geschenk kaufen dürfte“, erinnert sich seine Freundin.

Yevgeniya Shishkina war seit 28 Jahren Polizistin. Sie leitete zuletzt Ermittlungen aus den Bereichen Drogen- und Wirtschaftskriminalität sowie Betrug. Sie hatte in den Monaten vor ihrem Tod immer wieder Drohungen erhalten, wollte aber keinen Polizeischutz. Shishkina könnte das erste Mordopfer sein, das bewiesenermaßen einem im Darknet angebahnten Auftragsmord zum Opfer gefallen ist.

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